Unsere Sicherheit ist nicht verhandelbar - Petition gestartet!
Der 2. Februar 2026 stellt für uns eine Zäsur dar: an diesem Tag wurde unser Kollege Serkan Çalar im Rahmen einer Fahrscheinkontrolle Regionalzug RE 4131 (Heidelberg–Koblenz) so brutal angegriffen, dass er später seinen schweren Verletzungen erlag.
Wir sind geschockt und entsetzt angesichts dieses Ausmaßes roher Gewalt. Unser Beileid und Mitgefühl gelten den Angehörigen und Kolleg:innen von Serkan. Für uns ist klar: Ein Angriff auf einen von uns ist ein Angriff auf uns alle!
Aus unserer Trauer ist mittlerweile Wut geworden. Wut darüber, dass die Warnsignale seit Jahren ignoriert werden. Wut darüber, dass Gewalt im öffentlichen Verkehr längst zum Alltag geworden ist und niemand ernsthaft handelt. Im Jahr 2024 haben wir über 4.000 Kolleginnen und Kollegen im Kundenkontakt befragt. Das Ergebnis ist beschämend. Und: es ist ein Skandal:
82 Prozent haben Anfeindungen, Bedrohungen oder Übergriffe in ihrem Berufsalltag erlebt.
Die Zeit für Beschwichtigungen und für Ausreden ist vorbei. Deshalb haben wir zum Sicherheitsgipfel von Bahn und Politik Alarm geschlagen. Mit erstem Erfolg: Die Bodycams für alle DB-Beschäftigten im Kundenkontakt sollen kommen.
Doch das reicht nicht. Wer mehr Sicherheit will, muss vor allem in mehr Personal investieren. Doch hier ducken schieben sich Bund und Länder mit Verweis auf leere Kassen und fehlende Zuständigkeit gegenseitig die Verantwortung zu. Wir sagen dagegen: Die Sicherheit unserer Kolleg:innen darf kein Kostenfaktor sein.
Unsere Kernforderungen gegenüber Bund und Länder lauten daher:
1. Mehr Personal in den Zügen und Bahnhöfen – Keine Alleinarbeit im Kundenkontakt!
Alleinarbeit im direkten Kundenkontakt muss endlich der Vergangenheit angehören. Die Doppelbesetzung im SPNV schafft mehr Sicherheit für Fahrgäste und Bahnbeschäftigte, nicht nur auf einigen wenigen Strecken, sondern überall. Im Fernverkehr muss die Regelbesetzung neben einer/m Zugchef/in mindestens zwei Zugbetreuer:innen umfassen. Ebenso müssen die Schichten in den Bahnhöfen sowie an der DB Information mindestens als Doppelbesetzung durchgeführt werden.
2. Mehr qualifiziertes Sicherheitspersonal
Grundsätzlich muss im Nah- und Fernverkehr mehr zusätzliches Sicherheitspersonal eingesetzt werden – insbesondere auf Zügen mit hohem Gefährdungspotential, in den Abend- und Nachtstunden sowie an Metropol-Bahnhöfen.
3. Bodycams für alle
DB Regio bietet auf Druck der EVG-Betriebsräte bereits die freiwillige Nutzung von Bodycams an. Dies kann nachweislich zur Verhinderung von Übergriffen beitragen. Nun haben wir beim DB-Sicherheitsgipfel die Zusage erreicht, dass die Deutsche Bahn allen ihren Beschäftigten im Kundenkontakt im Nahverkehr, Fernverkehr und an den Bahnhöfen Bodycams zur Verfügung stellen will. Wir fordern eine zügige Umsetzung und die Beteiligung aller Unternehmen der gesamten Branche. Um die Strafverfolgung zu verbessern, muss zudem die Tonaufzeichnung ermöglicht werden.
4. Mehr Kapazität im Regionalverkehr
Überfüllte Züge sind ein Sicherheitsrisiko. Durch das Deutschlandticket nutzen mehr Menschen den ÖPNV, aber die Kapazitäten sind nicht mitgewachsen – das muss sich ändern!
5. Wir sind keine Ausweiskontrolleure
Das Deutschlandticket und andere Fahrkarten müssen deutschlandweit einheitlich und fälschungssicher so ausgestaltet werden, dass keine Ausweiskontrollen nötig sind. Denn diese sind nicht selten Anlass für Eskalation, Beschimpfungen und Gewalt.
6. Busfahrer:innen besser schützen
Es braucht endlich verpflichtend und flächendeckend Videoüberwachung sowie geschlossene Fahrerkabinen in allen Bussen!
7. Mehr Kapazität im Regionalverkehr
Überfüllte Züge sind ein Sicherheitsrisiko. Durch das Deutschlandticket nutzen mehr Menschen den ÖPNV, aber die Kapazitäten sind nicht mitgewachsen – das muss sich ändern!
8. Mehr Personal bei den Polizeien, bessere Strafverfolgung und härtere Strafen
Außerdem fordern wir eine bessere Personalausstattung der Bundes- und Landespolizeien, eine bessere Strafverfolgung durch Sonderdezernate an den Staatsanwaltschaften und einen stärkeren strafrechtlichen Schutz durch Strafrechtsverschärfungen.