Von Deeskalation bis BodyCam: EVG stärkt Beschäftigte für gefährliche Situationen
„Notwehr ist euer gutes Recht, wenn keine andere Möglichkeit der Gefahrenabwehr greift. Denn jeder hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das gilt auch für die Beschäftigten bei Bus und Bahn.“
Klare Worte gleich zu Beginn eines hochinformativen Tages, zu dem die EVG im Rahmen ihrer dreitägigen Sicherheitskonferenz in Nordrhein-Westfalen eingeladen hatte. Zugleich wurde aufgezeigt, wie eng der Gesetzgeber die Grenzen der Notwehr zieht und was es bei der Abwehr besonders aggressiver Reisender zu beachten gilt.
Tierabwehrspray (TAS) ist eines der Hilfsmittel, die bei der DB AG seit 2017 zur „Gefahrenabwehr“ zum Einsatz kommen können. Kauf und Gebrauch seien völlig legal. Und da der Reizstoff Chili in Wasser und nicht in Gas aufgelöst sei, könnten – auch nach einem gezielten Strahl ins Gesicht – Reizstoffe nicht durch den ganzen Waggon wabern oder in die Klimaanlage geraten. Bedenken, andere Fahrgäste in Mitleidenschaft zu ziehen, wurden ausgeräumt. Dies könne zwar passieren, mögliche Anzeigen wegen Körperverletzung seien bislang jedoch in der Regel niedergeschlagen worden. Bei Notwehr dürfe man alles verwenden, was zur Beendigung eines Angriffs taugt – also auch das Spray.
Jede und jeder der Teilnehmenden konnte den Einsatz selbst ausprobieren, um mögliche Hemmschwellen abzubauen. Wichtig seien die vorgeschriebene Einweisung und eine regelmäßige Auffrischung. „TAS kann euch nicht nur im Dienst, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause helfen, Angreifer auf Distanz zu halten“, wurde während des Trainings deutlich.
Gleichwohl steht zu Beginn einer jeden potenziellen Auseinandersetzung die Deeskalation. Das wurde beim Training in Essen immer wieder betont. Doch was tun, wenn Worte in brenzligen Situationen nicht weiterhelfen? Wie man sich selbst verteidigen kann – und dass man dabei sehr schnell sein muss –, wurde im EVG-Training nahe des Essener Hauptbahnhofs ebenfalls gezeigt. „Wenn Messer blitzen, müsst ihr flitzen“, merkte einer der Trainer des VDES an und machte damit deutlich, dass körperliche Auseinandersetzungen nie ohne Risiko sind.
Der dritte Baustein im Bemühen um mehr Sicherheit war die BodyCam, deren Einsatz in der Regel deeskalierend wirkt. Offene Fragen wurden beantwortet und die Handhabung erläutert. Schnell wurde klar, dass der Einsatz für Busfahrende völlig ungeeignet ist. Hier braucht es spezifische Lösungen, die dauerhaft den Bereich vor der Fahrerkabine erfassen.
Das war das Schöne am Trainingstag der EVG: Kolleginnen und Kollegen aus dem Fernverkehr, dem Nahverkehr bei DB Regio und NE, aus dem Busbereich sowie der Werkstatt bei DB AG und NE tauschten sich intensiv aus und diskutierten unterschiedliche Lösungsansätze. Eine Kollegin aus dem Fernverkehr war beispielsweise erstaunt, dass zum Schutz der Beschäftigten im Nahverkehr BodyCams, Tierabwehrspray und der sogenannte Prioruf zum Einsatz kommen. Mit letzterem kann auf Knopfdruck Unterstützung in brenzligen Situationen angefordert werden. „Das alles haben wir im Fernverkehr nicht“, sagte sie – und konnte gleich informiert werden, dass sich der Gesamtbetriebsrat bereits mit diesen Themen beschäftigt. Auf Druck der EVG-Betriebsräte gebe es mittlerweile auch ein Pilotprojekt zum Einsatz der BodyCam im Fernverkehr.




