„Schluss mit warmen Worten“ - EVG macht Druck auf Aufgabenträger
Rund 400 Expertinnen und Experten unterschiedlichster Nahverkehrsunternehmen waren der Adressat der von der EVG initiierten Petition für mehr Sicherheit bei Bus und Bahn. Anlässlich des Branchentreffs des Bundesverbands SchienenNahverkehr (ehemals Bundesarbeitsgemeinschaft SPNV) in Fulda wies die EVG vor Ort noch einmal nachdrücklich auf ihre Forderungen hin.
Die sogenannten Aufgabenträger – beispielsweise Verkehrsverbünde und Landesgesellschaften – bestellen den Schienenpersonennahverkehr im Auftrag der Bundesländer. Sie sollen sicherstellen, dass die Züge zuverlässig und sicher über die Schiene rollen. Aber genau daran wird geknausert: In Bayern, Thüringen und Sachsen liegt die Zugbegleitquote laut Mobifair teilweise nur zwischen 20 und 50 %. Das muss sich ändern.
Sicherheit sei nicht verhandelbar, machte deshalb der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch auf der Demonstration vor dem Tagungshotel deutlich. Dort wurden die Teilnehmenden des Branchentreffs des Bundesverbands SchienenNahverkehr mit Protestplakaten empfangen. „Wir erwarten mehr qualifiziertes Sicherheitspersonal, Bodycams und Doppelbesetzung im Schienenpersonennahverkehr, aber auch bei den Bussen“, betonte er. Die „Zeit von Sonntagsreden und warmen Worten“ sei vorbei. Nun seien die Aufgabenträger in der Pflicht. Wer jetzt nicht handele, mache sich mitschuldig, so Kristian Loroch.
Evelin Trabert, Zugchefin und EVG-Betriebsratsmitglied, kritisierte nachdrücklich die ihrer Ansicht nach falsch gesetzten Prioritäten. Das Streben nach Gewinnen sei wichtiger als der Schutz von Menschenleben – und das in einer Zeit, in der der Ton deutlich rauer geworden sei, erklärte sie. Den Ärger über die ständigen Verspätungen und all die anderen Unzulänglichkeiten bei den Eisenbahnen ließen Reisende oft an den Beschäftigten aus. „Und wenn dann bei Großstörungen gar nichts mehr geht, dann sind wir Seelsorger und Notfallmanager zugleich, um die Fahrgäste doch noch irgendwie ans Ziel zu bringen“, so Evelin Trabert.
Viele Mitarbeitende fühlten sich allein gelassen. In Österreich würden Übergriffe vom Arbeitgeber angezeigt, in Deutschland müssten sich die Opfer selbst darum kümmern, kritisierte sie. Der Tod des Kollegen Serkan Çalar sei eine Zäsur: „Aus Trauer wächst Wut und aus Wut Entschlossenheit. Lasst uns gemeinsam für Arbeitsplätze kämpfen, an denen niemand mehr Angst haben muss“, rief sie den zahlreichen EVG-Mitgliedern zu, die nach Fulda gekommen waren.
Thomas Pfeifer, Sprecher der Zentralen Fachgruppe NE, ging noch einen Schritt weiter. „Rückt endlich die Kohle raus, sonst fahren wir am Ende nicht mehr“, machte er in Richtung der Aufgabenträger deutlich. Laut Statistik gebe es acht Übergriffe täglich. Die Dunkelziffer sei jedoch wesentlich höher. „Wir wollen die Fahrgäste sicher ans Ziel bringen, dafür werden wir beleidigt, bespuckt, geschlagen und nun auch noch totgeschlagen – jetzt muss endlich gehandelt werden“, erklärte Thomas Pfeifer.
„Wir werden in dieser Frage nicht nachlassen und die Aufgabenträger, aber auch die Politik weiterhin mit Nachdruck auffordern, unsere Forderungen zu erfüllen“, betonte Kristian Loroch abschließend. In Fulda konnte er Vertretern des Bundesverbands SchienenNahverkehr die Petition der EVG übergeben. Nach dem tödlichen Angriff hatte die EVG ihre Forderungen darin noch einmal zusammengefasst.
Im Gedenken an Serkan Çalar hielten alle Anwesenden während der Kundgebung eine Schweigeminute ab.











