Protestaktionen: „Wir sind das Herz von DB Systel. Ohne uns geht nichts.“

Die Deutsche Bahn steht vor einem massiven Umbau - und ausgerechnet ihr digitales Rückgrat soll dabei geschwächt werden. Nach aktuellen Plänen könnten bei DB Systel bis zu zwei Drittel der Arbeitsplätze wegfallen. Daher haben am Mittwoch in Frankfurt/ Main, Berlin und Erfurt Protestaktionen stattgefunden.

Mehrere hundert Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich DB Systel machten ihrer Wut gegen die Pläne der Konzernführung heute Luft. An drei Standorten ergab das insgesamt einen eindrucksvollen Protest gegen die drohende Zerschlagung des hauseigenen IT-Dienstleisters. 

So waren mehr als 500 Beschäftigte und Sympathisanten für gut eine Stunde vor den „SilverTower“ - ihr Bürogebäude – gekommen. Der Vorsitzende der EVG-Betriebsgruppe Frankfurt/Main, Erol Polat von Meding, kritisierte gleich zu Beginn das „dröhnende Schweigen“ des Vorstandes. Seit über einem Jahr warte man nun schon auf verlässliche Informationen zur geplanten Zukunft von DB Systel - und werde seither nur vertröstet. „Damit ist jetzt Schluss“, betonte er unter dem donnernden Applaus der Anwesenden. „Heute sind wir laut, weil wir uns ein solches Verhalten nicht länger gefallen lassen. Wir sind nicht irgendwelche Personalnummern, die man im Konzern hin und her schieben kann, wir sind das Herz von DB Systel. Ohne uns geht nichts“, stellte er fest.

In die gleiche Kerbe schlug auch Philipp Jacks, der die solidarischen Grüße des DGB überbrachte. „Dass der Vorstand der DB AG offensichtlich nicht weiß, was er will, ist eine Frechheit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund stärkt dem Betriebsrat, wie auch der EVG, den Rücken.“

Burkhard Nobbe, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates, sprach eine deutliche Warnung an die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn aus: „Entscheidet nichts, wovon Ihr keine Ahnung habt. Wenn bis zu 1.400, möglicherweise sogar 1.900 Arbeitsplätze bei DB Systel abgebaut werden, dauert es nicht mehr lang, dann steht der Laden still“, so seine Botschaft. Zugleich kritisierte der GBR-Vorsitzende die offensichtliche Planlosigkeit der DB AG.

Kristian Loroch, stellvertretender Vorsitzender der EVG, äußerte die Erwartung, dass der Vorstand der DB AG künftig respektvoller mit den Beschäftigten umgehe. Ein Spitzengespräch mit der Bahnspitze sei jetzt kurzfristig vereinbart worden, dazu habe auch der fortwährende Protest von DB Systel beigetragen. Fehlende Strategien, die vorwiegend Arbeitsplatzabbau zum Ziel hätten, gebe es in anderen Bereichen der Deutschen Bahn ebenfalls, etwa bei DB Services - die EVG werde das nicht tatenlos hinnehmen.

Die daraus resultierenden fehlenden Perspektiven beklagte Maximilian Hering von der EVG-Betriebsjugendgruppe. „Uns hat man zu Beginn unserer Ausbildung mit den tollen Entwicklungsmöglichkeiten gelockt, die wir bei DB Systel hätten“, sagte er. „Unsere Zukunft ist gefährdet, damit aber auch die Zukunft der IT bei der Deutschen Bahn“, lautete sein Fazit für die engagierten Nachwuchskräfte.

Solidaradressen gab es während der Kundgebung an den verschiedenen Standorten von zahlreichen EVG-Betriebsgruppen, demokratischen Parteien (Linke, Grüne/Bündnis90, SPD). In einem großen Protestzug zogen die Demonstrierenden im Anschluss durch die Frankfurter Innenstadt bis zum Hauptbahnhof und setzten damit ein öffentlich sichtbares Signal ihres Protests. 

In der Hauptstadt versammelten sich rund 150 Beschäftigte vor dem Gebäude der DB Systel GmbH. Fabian Sawall, Vorsitzender der EVG-Betriebsgruppe, fand klare Worte zu den unklaren Plänen der Deutsche Bahn AG, die so viele verunsichern. „Wir wollen nicht kaputtstrukturiert werden“, mahnte er unter großem Applaus.

Robert Seifert, stellvertretender Landesverbandsvorsitzender und Betriebsrat der S-Bahn Berlin GmbH, schlug in die gleiche Kerbe. Mehr Digitalisierung, besserer Service, stabilerer Betrieb, das alles sei richtig. „Aber das geht nicht ohne eine starke DB Systel im Haus.“

Unterstützung kam auch vom DGB Berlin-Brandenburg, von der SPD Berlin und von Die Linke. Ihre Grußworte wurden immer wieder laut beklatscht. Die Botschaft war heute an allen drei Standorten überall dieselbe: ob Frankfurt/Main, Berlin oder Erfurt; Zukunft ja, aber nicht um den Preis von Zerschlagung und Unsicherheit.