ETF-Umfrage: Gewalt gegen Frauen im Verkehrssektor weiter auf alarmierend hohem Niveau
Eine neue europaweite Umfrage der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF) zeigt: Frauen im Verkehrssektor sind besonders häufig von Gewalt und Belästigung betroffen. In der Befragung unter 1.744 Beschäftigten berichten 81,1 % der Eisenbahner:innen und viele Beschäftigte im Straßenverkehr / ÖPNV von Übergriffen am Arbeitsplatz.
Hauptverursacher sind in beiden Bereichen Fahrgäste, die für mehr als die Hälfte aller Vorfälle verantwortlich sind. Vor allem verbale Gewalt ist weit verbreitet, aber auch körperliche Angriffe und Drohungen kommen regelmäßig vor. Frauen berichten zudem häufig, dass ihre Autorität als Beschäftigte infrage gestellt wird – ein Ausdruck fortbestehender sexistischer Rollenbilder im Verkehrssektor.
Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet den Arbeitsplatz heute als weniger sicher als noch vor einigen Jahren. Steigende Aggressivität, Personalmangel und zunehmende Arbeitsbelastung tragen erheblich dazu bei. Die Folgen reichen von Angst und Stress bis hin zu langfristigen psychischen Belastungen.
Gleichzeitig wird ein großer Teil der Vorfälle nicht gemeldet: Nur etwa ein Viertel der Betroffenen nutzt formelle Meldewege – viele fürchten negative Folgen oder haben kein Vertrauen in die Verfahren. Für die meisten führt eine Meldung zudem nicht zu Verbesserungen der Sicherheit.
Wir fordern deshalb: klare und vertrauenswürdige Meldesysteme, geschlechtsspezifische Gefährdungsbeurteilungen, bessere Schutz- und Präventionsmaßnahmen sowie eine konsequente Umsetzung des ILO-Übereinkommens 190 in allen Verkehrsunternehmen.