Stammtisch mit Martin Burkert: Vorausblick auf ein spannendes Jahr

Auch 2026 werden uns die Themen nicht ausgehen. In seinem ersten digitalen Stammtisch am 14. Januar zeigte Martin Burkert auf, wo wir Anfang des neuen Jahres stehen und welche Herausforderungen uns in den kommenden Monaten bevorstehen. Mehr als 200 Kolleg:innen nahmen die Gelegenheit wahr, ihre Fragen an den EVG-Vorsitzenden zu stellen.

Dabei wurde eine breite Palette an Themen angesprochen, allen voran natürlich der von der neuen DB-Chefin angestoßene Konzernumbau. Dieser sorgt zum einen für Optimismus. „Wir haben klar gesagt, was wir von Evelyn Palla erwarten: Die Kolleginnen und Kollegen wollen wieder stolz auf ihren Beruf sein. Denn sie können auch durchaus stolz sein auf das, was sie rund um die Uhr leisten.“ Und dies nicht nur im eigentlichen Eisenbahnbereich, sondern auch in den Bus-Unternehmen. Auch unterstützen wir den von Palla angekündigten Weg der Dezentralisierung: „Führung in die Fläche, Entscheidungen da treffen, wo man Land und Leute kennt – das ist aus unserer Sicht der richtige Weg.“ Der Konzernumbau sorgt aber natürlich auch für Verunsicherung, insbesondere bei den Dienstleistungsunternehmen im Konzern: 

Werke: Im November hat der Konzernvorstand beschlossen, dass die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH als gesamte GmbH mit allen Wahlbetrieben erhalten bleibt. „Das Damoklesschwert ist erstmal weg“, so Martin – zweifellos auch ein Erfolg der massiven Kampagne der EVG im vergangenen Jahr unter dem Motto „Unser Werk ist jeden Kampf wert“.  Damit das dauerhaft so bleibt, ringen unsere Betriebsräte mit dem Arbeitgeber intensiv um die Zukunft und die Geschäftsentwicklung. In der Dezember-Ausgabe der imtakt haben wir bereits Positiv-Beispiele dafür aufgezeigt und werden diese Serie fortführen. 

DB Services und DB Systel: Hier haben die Beschäftigten aktuell die größten Sorgen. Wenn aber Evelyn Palla die Kunden und den Service in den Mittelpunkt stellen will, dann geht das nur mit engagierten Mitarbeiter: innen, „und das könnt nur ihr sein! Denn ihr seid Eisenbahner:innen und ihr seid mit Fachwissen und Leidenschaft dabei.“  Und die braucht es, wenn z.B. die Reisenden-Information verbessert werden soll. Statt über eine Zerschlagung oder Aufteilung von DB Systel sollte man über eine Zielvorstellung für das Unternehmen sprechen. Jede vermeintliche Einsparung bei der IT wird in den nächsten Jahren doppelt zu Buche schlagen, und zwar negativ, weil die technische Entwicklung nicht aufhört. Ebenso setzen wir uns dafür ein, dass die Struktur von DB Services möglichst vollständig erhalten bleibt.  Eine Aufspaltung des Unternehmens würde wertvolle Synergieeffekte kosten. Der Vorteil der heutigen Struktur ist, dass verschiedene Gewerke unter einem gemeinsamen Dach agieren. Auf jeden Fall werden wir uns entschieden gegen jeden Arbeitsplatzabbau wehren.

Klar spielte die Situation bei DB Cargo eine wichtige Rolle. 2026 ist für die Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn ein entscheidendes Jahr, denn aufgrund der Auflagen der EU-Kommission muss das Unternehmen bis Ende des Jahres eigenwirtschaftlich werden. Eine Herkules-Aufgabe. Seit dem Herbst gibt es einen neu formierten Vorstand, mit dem die EVG und ihre Betriebsräte in engem Austausch sind. Erste Zwischenbilanz: „Wir sind verhalten optimistisch. Denn offenbar ist die Zeit der ambitionslosen Führung vorbei und es ist in Umrissen eine Zielvorstellung erkennbar, wie es auch nach dem 31.12.2026 bei Cargo weitergehen kann.“ Arbeitgeber und Arbeitnehmerseite sind sich wieder in einem zentralen Punkt einig: Am Ende der Cargo-Sanierung soll ein funktionierendes Unternehmen stehen. Unser Anspruch lautet: Bevor Kolleginnen und Kollegen vor die Tür gesetzt werden, müssen alle Maßnahmen ausgelotet werden, mit denen sich Cargo effizienter aufstellen kann. 

Die große Herausforderung in diesem Jahr wird die Betriebsratswahl sein, so Martin Burkert. Wir stehen vor einem Generationenwechsel, denn rund ein Drittel der Interessenvertreter:innen wird bei der bevorstehenden Wahl ausgetauscht werden. Die EVG flankiert diesen Prozess, indem sie ausgewogene Kandidierendenlisten mit einem Zukunftssiegel versieht. Gewählt wird zwischen März und Mai i unserem ganzen Organisationsgebiet, also auch bei den NE-Bahnen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Betriebsgruppen organisieren ihren Wahlkampf in den Betrieben. Gut aufgestellt sind wir sowohl bei der DB als auch bei den NE-Bahnen. Die EVG ist die bestimmende Kraft in der Branche und gibt den Takt vor – „dieses Selbstbewusstsein muss sich im Wahlkampf der kommenden Monate auch in den Betrieben widerspiegeln.“   

Die EVG hat aber auch die Beamt:innen im Blick – rund 15.000 gibt es derzeit noch im DB-Konzern, „und es gibt immer weniger Personaler, die sich im Beamtenrecht auskennen. Da ist es gut, dass es die EVG-Personalrät:innen als verlässliche Partner gibt.“ Und natürlich auch die Senior:innen, die wir zum Glück nach wie vor in unseren Reihen haben: „wir sind innerhalb des DGB nach wie vor Spitzenreiter bei der Seniorenpolitik.“ Deshalb bleibt die Sicherung der Altersversorgung eines unserer zentralen Themen. „Das ganze Renten-Theater bei der Union vor ein paar Wochen war an Absurdität kaum noch zu überbieten.“ Er würde sich wünschen, so Martin, „dass die sogenannten Renten-Rebellen mal die warmen Büros verlassen und da draußen mit echten Menschen sprechen. Ganz klar: Die Rente ist eine Versicherung und kein Geschenk. Die Leute zahlen dafür ein, also haben sie auch ein Recht darauf, später mal eine ordentliche Rente zu bekommen.“ 

Und um noch einmal auf den Berufsstolz der Eisenbahner:innen zurückzukommen: in den vergangenen Tagen gab es durchaus wieder Anlass dazu. Der Wintersturm hat den Verkehr in weiten Teilen des Landes lahmgelegt. Natürlich nutzten das manche Medien auch, um dem „obersten Volkssport“ zu frönen, dem Bahn-Bashing. Aber: „Auch andere Verkehrsträger hatten ihre Probleme“, so Martin. Und: „Wenn die tausenden Kolleginnen und Kollegen in den letzten Tagen nicht rund um die Uhr geschuftet hätten, würden die Züge und Busse immer noch stillstehen.“