EVG-Frauen Stuttgart: NS-Zwangsarbeit in Stuttgart (nicht nur) digital sichtbar machen

Zum Jahresauftakt 2026 hatten sich die EVG-Frauen Stuttgart den 20.Januar mit einem interessanten Programm ausgesucht. Gestartet wurde im Württembergischen Kunstverein, wo wir die Ausstellung „Privathandtaschen dürfen zum Außendienst nicht mitgetragen werden“ von Domininique Hurth besuchten.

Anschließend kehrten wir in Carl’s Brauhaus ein, um uns nach einem langen Tag und vor dem letzten zweistündigen Programmpunkt zu stärken und auszutauschen. Um 19 Uhr ging es dann in den Lern- und Gedenkort Hotel Silber, wo die offizielle Webseite zur NS-Zwangsarbeit in Stuttgart vorgestellt wurde. 

Daten zu Lagerorten und Orten von NS-Zwangsarbeit (in Industrie, Landwirtschaft, Handwerksbetrieben oder Privathaushalten) und Daten zu Zwangsarbeiter:innen aus ganz Europa, auch Kinder, wurden von den Ehrenamtlichen des Arbeitskreises NS-Zwangsarbeit über Jahre recherchiert und gesammelt und für alle sichtbar in eine digitale Form gebracht, zu dem nun jede/r online Zugang hat:

https://www.zwangsarbeit-in-stuttgart.de/ns-zwangsarbeit-in-stuttgart

Beeindruckend die einleitenden Worte unseres IG Metall-Kollegen Antonio Potenza zum Beginn der Veranstaltung, der aus gewerkschaftlicher Sicht den Zusammenhang von „damals“ und „heute“ auf den Punkt brachte, er erinnerte vor allem an die NS-Zwangsarbeiter:innen bei Daimler-Benz und an den anderen Stuttgarter Standorten der Rüstungsindustrie, vor allem in Zuffenhausen und im Neckartal, rund um Untertürkheim, oder auch an die Zwangsarbeiter:innen der Reichsbahngesellschaft.

Er warnte zudem vor dem drohenden Rechtsruck, egal ob in den Betrieben oder in den Parlamenten bzw. in der Politik. Eine fachliche Einführung zum Thema Zwangsarbeit im „Dritten Reich“ gab Prof. Mark Spoerer von der Uni Regensburg mit einem sehr informativen und gut verständlichen Vortrag über die Entwicklung und das System der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus und der Verdrängung und Aufarbeitung nach 1945.

Im Anschluss daran stellten Dr. Sonja-Maria Bauer und Norbert Prothmann vom Arbeitskreis NS-Zwangsarbeit die neue Webseite und einige ihrer Rechercheergebnisse, auch anhand einiger persönlicher Zwangsarbeiter:innenschicksale, vor. 

Harald Stingele, ebenfalls vom AK Zwangsarbeit, moderierte die Veranstaltung und stellte zudem die Idee eines zentralen Gedenkortes für die vielen Zwangsarbeiter:innen in den Raum. Solch ein Ort soll keine Utopie bleiben, sondern dieses über Jahrzehnte aus der Öffentlichkeit verdrängte Thema nicht nur digital, sondern endlich auch im öffentlichen Raum sichtbar machen. 

Am Ende noch ein kleines Anliegen:

Bitte unterstützt solidarisch die Petition für unseren IG Metall-Kollegen Danial Bamdadi, dem aufgrund seines Engagements gegen Rechtsradikalismus die deutsche Staatsbürgerschaft verweigert wird:

https://change.org/danialeinervonuns

https://danialeinervonuns.de

…und noch ein Terminhinweis:

Unsere nächste Veranstaltung findet am 05.02.2026 in Asperg (Treffpunkt um 17:10 Uhr am Bahnhof Asperg) statt. Wir gehen „Schwarzlichtminigolfen“, es wird also „sportlich“ oder eher lustig…