EVG-Aufsichtsräte: „Kritische Infrastruktur schützen“

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten zur Neuausrichtung der Bahn, trafen sich in Hamburg mehr als 30 EVG-Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräte aus den DB-Infrastrukturunternehmen, um über zentrale Zukunftsfragen zu beraten. Die jährlich stattfindende Aufsichtsratsvernetzung der EVG-Aufsichtsräte, organisiert durch die EVA, hat sich als fester Bestandteil des gewerkschaftlichen Austauschs etabliert.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Vernetzung standen vier zentrale Themenfelder: Finanzierung, Digitalisierung, der Schutz kritischer Infrastruktur sowie der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Diese Schwerpunkte spiegeln die wachsenden Anforderungen wider, mit denen Aufsichtsräte in Unternehmen der Verkehrs- und Infrastrukturbranche konfrontiert sind.

Staatssekretär Stefan Schnorr aus dem Bundesverkehrsministerium nutzte sein Eingangsstatement zum Dank an die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, die während der Wintertage das System Schiene durch ihren Einsatz aufrechterhalten haben. Schnorr, der sich erst kürzlich einer sehr kritischen Debatte auf der EVG-Bundeskonferenz stellte, bekräftigte die Verpflichtung des Bundes bei der auskömmlichen Finanzierung der Infrastruktur. 

Zum Erhalt, zur Modernisierung des Bestandsnetzes und für Digitalisierung seien bis 2031 über das Sondervermögen über 100 Milliarden Euro eingeplant. „Das wird die Schiene zuverlässiger machen und damit geben wir der Bahn- und Bauindustrie das klare Signal, ihre Kapazitäten hochzufahren.“ Ferner bekräftigte der Staatssekretär die Notwendigkeit einer langfristigen Finanzierung und ging dabei auf eine langjährige EVG-Forderung ein. Bei der Neugestaltung der Infrastrukturfinanzierung werde man sich ab nächstem Jahr am Schweizer Finanzierungsmodell orientieren, um eine bessere und langfristigere Planung zu ermöglichen. InfraGO-Chef Dr. Philipp Nagl unterstrich die Fähigkeit von Unternehmen und Beschäftigten, die vorhandenen Mittel auf die Schiene zu bringen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der fortschreitenden Digitalisierung. Die Aufsichtsräte setzten sich intensiv mit den Auswirkungen digitaler Transformationsprozesse auf Geschäftsmodelle, Arbeitsorganisation und Mitbestimmung auseinander. Anika Holtermüller, Digitalisierungsexpertin und IG-Metall-Betriebsrätin, unterstrich in ihrer Keynote auf die die Verantwortung der Aufsichtsräte im Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Datensicherheit.

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen, Cyberbedrohungen und klimatischer Risiken wurde die Rolle der Aufsichtsräte bei der Resilienz und Sicherheit der Bahninfrastruktur beleuchtet. EVG-Vize Kristian Loroch, der zugleich auch Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der DB InfraGO ist, machte deutlich: „Es wird keine hundertprozentige Sicherheit vor Anschlägen geben. Unser Auftrag ist es Redundanzen zu schaffen und den Blick für den Kern nicht zu verlieren: Instandhaltung auf einem höchsten Niveau abzuliefern.“

Die Aufsichtsratsvernetzung der EVG-Aufsichtsräte zeigte erneut den hohen Stellenwert des kontinuierlichen Austauschs. Loroch betonte die Notwendigkeit für die Unternehmensmitbestimmung, sich mit den Zukunftsthemen auseinanderzusetzen „Wer zu sehr bewahren will, wird am Ende von der Realität gefressen. Daher gilt es mit aller Kraft zu gestalten.“