„Corona-Kinderkrankengeld“ beschlossen - Finanzierung problematisch

Die bereits angekündigte Anpassung beim Kinderkrankengeld kommt. Der Bundesrat hat am Montag das Vorhaben in einer Sondersitzung bestätigt.

Damit gilt der Anspruch auf Kinderkrankengeld auch bei Pandemie-Schließungen von Betreuungseinrichtungen und nicht mehr nur bei Krankheit des Kindes. Außerdem wurde die maximale Anzahl der Tage auf 20 Tage pro Kind und Elternteil bzw. 40 Tage bei Alleinerziehenden erweitert.

„Die jetzt beschlossene Ausweitung ist eine Weichenstellung in die richtige Richtung“, so EVG-Vize Martin Burkert, „gerade auch, weil hier endlich mal gesetzlich klargestellt wird, dass Homeoffice und Kinderbetreuung einander ausschließen.“ Die neue Regelung sieht auch hier einen Anspruch auf das Kinderkrankengeld vor. (Mehr zu den genauen Regelungen siehe FAQ unten)

Die Erweiterungen des Kinderkrankengeldes werden in Kürze auch auf die Bundesbeamt*innen übertragen. Eine (ggf. in Details abweichende) Regelung durch das zuständige Bundesinnenministerium ist zunächst abzuwarten.

„Die vorgesehene Entlastung der Eltern gelingt allerdings nur, wenn sowohl die Bescheinigung durch die Einrichtungen als auch die Auszahlung durch die Kassen möglichst unbürokratisch abläuft.

Besonders kritisch sieht die EVG die Finanzierung. „Die Zahlung des Kinderkrankengeldes für die Betreuung von gesunden Kindern ist nicht Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen. Diese werden aktuell ohnehin schon durch die Pandemie stark belastet. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und muss vom Bund mit Steuermitteln finanziert werden“, so Burkert.

Die EVG hatte das Vorhaben bereits bei Ankündigung als Ergänzung begrüßt und dabei die grundsätzliche Bezugsdauer sowie die Altersgrenze beim Kinderkrankengeld kritisiert.

FAQ Corona-Kinderkrankengeld

Wie lange gilt diese Regelung?

05. Januar - 31. Dezember 2021 (rückwirkend)

Welche Fälle sind abgedeckt?

  • Kind erkrankt (wie bisher)
  • Betreuung aufgrund von Schul- und Kitaschließung
  • Quarantäneanordnung
  • Einschränkung der Betreuungsangebote
  • Wenn Behörden den Zugang zur Kita einschränken bzw. empfohlen wird das Kind zu Hause zu lassen
  • Aufhebung der Präsenzpflicht an den Schulen
  • Schließung/Einschränkung der Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

Wie ist der Umfang (für das gesamte Jahr 2021)?

  • 20 Tage pro Kind und Elternteil/40 Tage pro Kind für Alleinerziehende
  • Maximal 45 Tage pro Jahr pro Elternteil/90 Tage für Alleinerziehende

Was sind die Voraussetzungen?

  • Eltern und Kinder gesetzlich krankenversichert
  • Die Erweiterungen des Kinderkrankengeldes werden in Kürze auch auf die Bundesbeamt*innen übertragen. Eine Regelung durch das zuständige Bundesinnenministerium ist zunächst abzuwarten.
  • Keine andere Betreuungsperson im Haushalt
  • Kinder jünger als 12 Jahre oder mit Behinderung
  • Bescheinigung der Betreuungseinrichtung, dass diese geschlossen bzw. nur eingeschränkt geöffnet ist (Bei Erkrankung weiterhin Attest / Beantragung über die Krankenkassen)

Download Musterbescheinigung: Nachweis über Nicht-Inanspruchnahme von Kita/Kindertagespflege/Schule bei Beantragung von Kinderkrankengeld 

Auch Eltern, denen es mögliche wäre, von Zuhause zu arbeiten („Homeoffice“), dies aber nicht mit der Kinderbetreuung vereinbaren können, haben einen Anspruch auf das Kinderkrankengeld.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?

  • 90% des ausgefallenen Nettoeinkommens
  • 100% des ausgefallenen Nettoeinkommens bei einmaliger Zahlung (z.B. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld) in den letzten 12 Monaten
  • Allerdings begrenzt auf 70% der Beitragsbemessungsgrenze (112,88 €/Tag)
  • Vom ermittelten (Brutto)-Kinderkrankengeld werden Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung in Höhe des üblichen Arbeitnehmer*innen-Beitragssatzes abgezogen. Den Rest der fälligen Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitgeberanteil) trägt die Krankenkasse.

Der Anspruch auf Entschädigung für Eltern nach dem Infektionsschutzgesetz (§ 56 Abs. 1a IfSG) bleibt bestehen. Während des Bezugs des Kinderkrankengeldes besteht kein Anspruch auf Entschädigung nach dem IfSG. Die Leistungen können nicht zeitgleich genutzt werden, aber hintereinander.