Hört zu! Es ist Zeit für Fachleute

31 Grad im Zug sind doch angenehm bei 40 Grad Außentemperatur? Solche Zynismen von Führungskräften durften sich Kolleg*innen während der extremen Hitzewelle Ende Juli anhören. Die EVG und ihre Betriebsräte reagieren. Wir zeigen auf, wie die Situation vor Ort wirklich ist – und wovon viele Führungskräfte offenbar keine Ahnung haben.

Allein an einem Tag fielen, vor allem durch Versagen der Klimaanlagen bei Temperaturen bis zu 40 Grad, 88 Züge ganz und 111 zum Teil aus. Folge: Andere Züge waren überfüllt, drangvolle Enge auch auf Bahnhöfen, zunehmende Aggressivität von Reisenden. Bei der Räumung eines liegen gebliebenen ICE kam es zu Übergriffen auf das Zugpersonal.

Das kann nicht ohne Konsequenzen bleiben

Wir müssen uns auf längere und heißere Sommer einstellen. Aber auch bei 15 Grad ist die Situation inzwischen vielfach unzumutbar – und dies nicht nur in den Zügen, sondern auch in den Bussen, im Gleisbau, in den Werkstätten, in vielen Büros…

Die EVG ruft daher die Beschäftigten auf, die wahren Zustände vor Ort zu schildern. Und eure Ideen für konkrete Verbesserungen aufzuschreiben. Berater hat die Bahn in den vergangenen Jahren genug gehabt. Jetzt ist es Zeit für Fachleute. Und das seid Ihr, wenn es um die Arbeitsbedingungen geht. Denn Ihr wisst, wie die Situation ist und was konkret verbessert werden kann. Ziel ist, einen Problematlas zu erstellen, der Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt. Meldet euch unter: fachleute@evg-online.org.

Videoaufruf: Missstände melden!

Zeit für Fachleute - Sag uns, was schief läuft!

Aufruf

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Die bestürzenden Rückmeldungen nach spontanem EVG-Aufruf

„ICE 629. Wir waren auf dem 30er Zugteil. Das FIS funktionierte nicht, heißt die Wagennr. usw. wurden nicht angezeigt. Dazu waren wir falsch herum gereiht. Panik bei den Reisenden, ein Großteil falsch eingestiegen. Wir wurden mit Fragen und Sprüchen bombardiert (verständlich). Im 20er Zugteil fielen 3 Klimaanlagen aus. Leute wurden zu uns geschickt aber wir hatten selbst keinen Platz mehr. Alle sauer, klar. In Frankfurt dann der Oberknaller: der Zugchef und sein B2 meldeten sich Dienstunfähig, weil wir alle an unsere Grenzen gekommen sind. Diese Zustände sind grottig. Kommunikation ist auch nicht vernünftig vorhanden.“

„Meine Kollegen und ich hatten in den letzten Tagen etliche Klimaanlagenausfälle. Hierbei mussten wir immer wieder räumen und viele Fahrgäste auf andere Züge verweisen. Wir wurden angeschrien, Beleidigungen von Idioten, über Nutte, Behinderter, Schwuchtel und Türkenschlampe sowie auch Gewaltandrohungen. Alles in allem war diese Woche eine Schande! So geht man nicht mit seinen Mitarbeitern um, der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht, die er in meinen Augen absolut ignoriert hat.“

„Es werden Flaschen geworfen, Flaschen zerbrochen mit der Androhung, einem die Flasche über den Kopf zu hauen. Morddrohungen und Drohung an den Familienraum häufen sich ebenso wie die Respektlosigkeit. Die Gewaltbereitschaft gegenüber uns ist in den letzten 2 bis 3 Wochen enorm angestiegen.“

„Auf dem Rückweg kam mir kurz nach Stuttgart eine weinende Mutter mit Ihrem Säugling entgegen und beschimpfte mich, dass es unzumutbar wäre und sie hätte ja den Säugling. Sie versuchte mich dann zu schlagen.“

„Zu guter Letzt schläft man in einer auswärtigen Übernachtung in Hotels ohne Klimaanlage in sehr warmem Zimmer, in manchen Hotels bekommt man die Zimmer ohne Klima, mit der Antwort der Hotelmitarbeiter "die Bahn hat kein klimatisiertes Zimmer gebucht"... Das ist in meinen Augen genauso menschenunwürdig. Vor allem wenn man bedenkt, dass man seine Freizeit im Sinne/Auftrag der Bahn dort verbringt.“