Außerdem ging es um die derzeit gefährdete Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie, deren Umsetzung durch die Bundesregierung von der EVG und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gefordert wird.
Ausgetauscht wurde sich auch über die Gewalt und Belästigung gegenüber Frauen im Verkehrssektor, die in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Anlass war eine aktuelle ETF-Umfrage unter den im Verkehrssektor beschäftigten Frauen. Diese kommt zu dem Schluss, dass über 70 Prozent der befragten Frauen im Verkehrssektor von entsprechenden Erfahrungen am Arbeitsplatz betroffen sind, im Bahnsektor sind es sogar über 80 Prozent. Mehr als 60 Prozent der befragten Frauen haben bereits darüber nachgedacht, die Verkehrsbranche zu verlassen.
Zugleich machen zahlreiche Beispiele guter Praxis deutlich, dass dieser Entwicklung wirksam begegnet werden kann. Von solchen Erfolgsmodellen berichteten die Vertreterinnen unserer europäischen Schwestergewerkschaften. So haben beispielsweise die ETF und die europäischen Sozialpartner mit dem „Women in Rail Agreement“ erstmals einen europäischen Rahmen für Gleichstellung, Respekt und die stärkere Beteiligung von Frauen im Bahnsektor geschaffen.
Unsere Stuttgarter Kollegin Yasemin Öz, Betriebsratsvorsitzende der DB InfraGO AG, vertrat die EVG im Gremium und nannte Best-Practice-Beispiele in der deutschen Bahnbranche, die zeigen, wie diesen Entwicklungen wirksam begegnet werden kann:
Die Deutsche Bahn etwa lebt gute Praxis durch eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Diskriminierung und sexueller Belästigung, Melde- und Untersuchungsverfahren, Schutzmaßnahmen für Betroffene und Hinweisgeber, Sensibilisierungsmaßnahmen sowie klar definierte Verantwortlichkeiten für Führungskräfte. Strukturelle Probleme wie Stereotype, Voreingenommenheit und asymmetrische Machtverhältnisse sollen hierbei explizit berücksichtigt werden.
Die persönliche Erfahrung von Öz, die wie viele andere Frauen „fast täglich mit Situationen konfrontiert (ist), die von Stereotypen, Sexismus und unbewussten Vorurteilen geprägt sind“, unterstreicht die Notwendigkeit einer solchen Herangehensweise.
Aus Sicht der EVG sind solche Ansätze deshalb ausdrücklich zu begrüßen und müssen konsequent fortgeführt werden. Die Verhinderung von Belästigung darf dabei nicht in der Verantwortung der Opfer liegen. Führungskräfte und Personalabteilungen müssen aktiv respektvolle Arbeitsumgebungen schaffen, bei unangemessenem Verhalten eingreifen und für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen werden können. Dieser Wandel von der Reaktion auf Vorfälle hin zu deren Prävention ist entscheidend.
Die Best-Practice-Beispiele zeigen: Wo Frauen sich organisieren, vernetzen und gemeinsam für Verbesserungen eintreten, entstehen die Kraft und der Zusammenhalt, die notwendig sind, um nachhaltige Veränderungen durchzusetzen. Betriebsräte, Jugend- und Auszubildendenvertreter:innen, Frauenausschüsse und Gewerkschaften müssen dabei aktiv in die Diskussionen über Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung einbezogen werden.
ETF-Frauenausschuss: Gemeinsam gegen zunehmende Gewalt im Verkehrssektor
Am 29. und 30. Oktober kam die EVG mit ihren europäischen Schwestergewerkschaften in Brüssel für die Plenarsitzung des ETF-Frauenausschusses zusammen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem die Herausforderungen, welche die Künstliche Intelligenz für Frauen im Verkehrssektor mit sich bringt.
