Auch durch die EVG durchgeführten, strukturierte Interviews aus dem Jahr 2021 ließen erkennen, dass viele der damals angestoßenen Maßnahmen offenbar keinen nachhaltigen Charakter entwickelt haben. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass es weiterhin an durchgängigen Konzepten für Qualifizierung, Wissensaufbau und attraktive Fachkarrieren fehlt.
Die aktuellen Schilderungen jüngerer Kolleg:innen bestätigen diesen Eindruck auf eindrucksvolle Weise. Sie zeigen, dass zentrale Handlungsfelder, die seit vielen Jahren bekannt sind, aus Sicht vieler Beschäftigter noch immer nicht ausreichend bearbeitet wurden.
Unsere Kernforderungen
- Qualifizierung strategisch stärken
Strukturierte Einarbeitung, kontinuierliche Weiterbildung und attraktive Fachkarrieren systematisch ausbauen.- Wissen sichern
Erfahrungswissen durch Mentoring, ausreichend Einarbeitungszeit und einen gelebten Wissenstransfer erhalten.- Eigene Kompetenzen ausbauen
Nachwuchs fördern, interne Fachkompetenz stärken und technologische Systemkompetenz langfristig sichern.- Fachkräfte langfristig binden
Verlässliche Entwicklungsperspektiven schaffen und fachliche Exzellenz sichtbar anerkennen.
Die EVG-Fachgruppe Ingenieur:innen wird diese Themen gemeinsam mit weiteren aktuellen Fragestellungen in Arbeitsgruppen vertieft analysieren. Ziel ist es, Ursachen und Zusammenhänge systematisch herauszuarbeiten und konkrete Lösungsansätze für Qualifizierung, Wissenstransfer und den langfristigen Erhalt technischer Kompetenzen aufzuzeigen. Weiter werden dadurch tarifpolitische Forderungen abgeleitet und formuliert oder andere geeignete Formate erarbeitet, um unsere Einsichten betrieblich voranzubringen.
Die Herausforderungen sind bekannt
Die Anforderungen an die Bahn wachsen kontinuierlich. Hohe Instandhaltungsrückstände, umfangreiche Korridor- und Großprojekte, die Umsetzung technischer Innovationen sowie der demografische Wandel stellen den Konzern vor große Aufgaben. Gerade unter diesen Rahmenbedingungen ist es entscheidend, die eigene technische Kompetenz nachhaltig zu stärken und gezielt in Nachwuchs, Qualifizierung und Personalentwicklung zu investieren.
Dies betrifft nicht nur Berufseinsteiger:innen, sondern ebenso Kolleg:innen, die beispielsweise aus der Automobilindustrie oder anderen technischen Branchen zur Bahn wechseln. Sie bringen wertvolle Erfahrungen, neue Perspektiven und ein hohes Maß an technischem Know-how mit. Damit dieses Potenzial im komplexen Bahnsystem seine volle Wirkung entfalten kann, braucht es eine strukturierte Einarbeitung, ausreichend Zeit zum Ankommen und aufeinander abgestimmte Qualifizierungsangebote.
Qualifizierung ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess
Aus Sicht der EVG-Fachgruppe Ingenieur:innen ist Qualifizierung kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Entwicklungsprozess. Dazu gehören ein professionell gestaltetes Onboarding, praxisnahe Weiterbildungsangebote und langfristige Entwicklungsperspektiven – idealerweise eingebettet in eine attraktive Fachkarriere.
Qualifizierung stärkt nicht nur Fachwissen und Handlungssicherheit. Sie fördert ebenso die bereichsübergreifende Zusammenarbeit, erhöht die Identifikation mit dem Unternehmen und trägt wesentlich dazu bei, Beschäftigte langfristig zu binden.
Wissen sichern – Zukunft gestalten
Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen gewinnen Wissenstransfer und Kompetenzsicherung zunehmend an Bedeutung. Mit jedem Ausscheiden erfahrener Kolleg:innen droht wertvolles Erfahrungswissen verloren zu gehen. Deshalb braucht es ausreichend Zeit für Einarbeitung, Mentoring und eine systematische Weitergabe von Wissen.
Für Ingenieur:innen reicht es dabei nicht aus, bestehende Lösungen lediglich zu übernehmen. Technische Zusammenhänge müssen verstanden, hinterfragt und weiterentwickelt werden. Nur so lässt sich die technische Systemkompetenz langfristig sichern und den zukünftigen Herausforderungen anpassen.
Investitionen in Aus- und Weiterbildung zahlen sich in vielfacher Hinsicht aus: Sie stärken Motivation und Bindung der Beschäftigten, verbessern Qualität und Effizienz, reduzieren Fehler und erhöhen zugleich die Unabhängigkeit von externen Dienstleistungen. Darüber hinaus steigern sie die Attraktivität der Bahn als Arbeitgeber und leisten einen wichtigen Beitrag zur Gewinnung qualifizierter Fachkräfte.
Fachkräfte entstehen nicht über Nacht. Sie müssen gewonnen, qualifiziert, begleitet und langfristig an das Unternehmen gebunden werden. Investitionen in Menschen sind daher keine kurzfristigen Kosten, sondern eine strategische Zukunftsinvestition. Wer heute konsequent in Qualifizierung, Wissenserhalt und Personalentwicklung investiert, schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Schiene auch morgen leistungsfähig, innovativ und wettbewerbsfähig bleibt. Dafür setzt sich die zentrale Fachgruppe der Ingenieur:innen der EVG mit vollster Überzeugung ein!
Diskutiere mit uns!
Wie erlebst du den Wissenstransfer und die fachliche Entwicklung in deinem Arbeitsbereich? Welche Erfahrungen hast du mit Einarbeitung, Qualifizierung oder Fachkarrieren gemacht?
Wir freuen uns auf deine Anregungen und den gemeinsamen Austausch unter Norbert.Paulat@deutschebahn.com und Betriebliche.Mitbestimmung@evg-online.org.
