„Wir sind Sprachrohr für alle“

Die erste Runde der Aufsichtsratswahlen bei Transdev sind absolviert. In den Betrieben sind die Delegierten gewählt worden. Diese kommen Ende August in Berlin zur Wahlversammlung zusammen, um die Vertreter:innen der Arbeitnehmenden im Kontrollgremium zu wählen. Dieses zweistufige Verfahren ist laut Mitbestimmungsgesetz notwendig, da der Transdev-Konzern inzwischen mehr als 8.000 Beschäftigte hat.

Torsten Leuschner und Isidoro Peronace

Die Spitzenkandidaten der EVG sind Torsten Leuschner, gelernter Lokführer und Betriebsrat bei der Bayerischen Oberlandbahn. Er kandidiert auf einer Betriebsräteliste, die von EVG und ver.di eingereicht wurde. Als Gewerkschaftsvertreter kandidiert Isidoro Peronace auf Platz 1 der EVG-Liste; er ist gelernter Eisenbahner und leitet die EVG-Geschäftsstelle München.

Torsten, du bist bereits seit 5 Jahren Mitglied im Transdev-Aufsichtsrat. Gab es in dieser Zeit Themen, an denen man festmachen kann: Gut, dass es einen Aufsichtsrat gibt?

Torsten: Das kann ich ganz klar bejahen. Bei Ausschreibungen sei es im Bus- oder im Bahnbereich, haben wir uns schon intensiv in die Diskussion eingebracht. Da ist es manchmal gar nicht so einfach, sich gegen die Anteilseiger durchzusetzen, aber wir haben es bisher immer geschafft und das hat seine Vorteile gehabt. Und natürlich ist es wichtig, dass wir auf die Zahlen gucken, die Jahresabschlüsse etc.

Isidoro: Die Risikofaktoren bei Ausschreibungen nehmen ja zu, allein durch die marode Infrastruktur. Dann hat man eventuell Personal, das man nicht einsetzen kann, das ist natürlich ein Risiko. Da wird dann eben geschaut, wo lohnt es sich zu investieren, wo kann man sein Geld vermehren? Als Vertreter der Beschäftigten im Aufsichtsrat haben wir ja das Interesse, ein gesundes Unternehmen zu haben, das wächst, aber wir wollen die vorhandenen, sicheren und gut tarifierten Arbeitsplätze auch schützen. Da sehe ich unsere Rolle.  

Was sind denn die wesentlichen Argumente, warum de EVG in den Aufsichtsrat gehört?

Isidoro: Wir kennen das breite Spektrum aller Berufsgruppen. Ich denke, das macht uns als EVG aus, dass wir uns nicht einzelne Bereiche angucken, sondern von der Fachreinigungskraft bis zur Holding alles vertreten und Sprachrohr für alle sind. Der jüngste Tarifvertrag der GDL hat wieder gezeigt: das ist und bleibt eine Lokführergewerkschaft. Wir sind für alle da.

Torsten: Dem kann ich mich nur anschließen. Transdev ist das größte Eisenbahnunternehmen in Deutschland nach der Deutschen Bahn und da müssen wir als EVG den Anspruch haben, so stark wir möglich vertreten zu sein und keine Probleme mit der anderen Gewerkschaft zu haben, und da sind wir auf einem guten Weg. In den Betrieben, in denen die GDL die Mehrheit hatte, haben sie sich nur um die Lokführer gekümmert und alle anderen links liegen gelassen. Das muss für uns Ansporn sein, es besser zu machen: eine Politik für alle, in der Tarifpolitik, in den Betriebsgruppen und auch im Aufsichtsrat.

Isidoro: Mir ist auch die enge Zusammenarbeit mit verdi wichtig. Wir sind Schwestergewerkschaften unter dem gemeinsamen Dach des DGB, für uns gibt es auch nicht die Sparte Schiene und die Sparte Straße – Transdev ist im öffentlichen Nachverkehr unterwegs und das funktioniert nur mit Schiene und Straße gemeinsam.

Torsten: Wir arbeiten mit ver.di ja schon die letzten 4, 5 Jahre sehr intensiv zusammen und das funktioniert einwandfrei.

Welche Herausforderungen kommen in den nächsten fünf Jahren auf Transdev zu?

Torsten: Vor allem die Stabilisierung des Bahngeschäfts, da gibt es noch einige problematische Firmen. Ein gewisses Wachstum braucht ein Unternehmen, aber wir sehen, dass der neue Mehrheitseigner, die Rethmann-Gruppe, daran auch ein Interesse hat. Wir reden da von On-Demand-Verkehren, von fahrerlosen Fahrzeugen, von Seilbahn-Verkehren. An Transdev Vertrieb sieht man, dass das Unternehmen insgesamt zukunftsfähig ausgerichtet ist, das muss ausgebaut werden.

Isidoro: Rethmann hat Interesse am Deutschland-Geschäft, das sehen wir. Wir haben hier gute Tarifverträge, ob Schiene oder Bus, da muss Transdev den Vergleich mit der Deutschen Bahn nicht scheuen. Gerade deswegen muss man schauen, dass diese gut tarifierten Arbeitsplätze nicht bedroht werden von neuen, nicht tarifgebundenen Unternehmen. Transdev Vertrieb muss man auch positiv erwähnen: Während sich die Deutsche Bahn immer mehr zurückzieht, investiert Transdev in diesen Bereich und verkauft Tickets am Schalter und bleibt so vor Ort Ansprechpartner für die Kunden. So geht’s also auch. Das zeigt: Man muss sich nicht aus allem zurückziehen. Und dabei wollen wir als EVG künftig auch ein konstruktiver Partner sein. 

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