Weil er eine Fahrkarte kontrollierte: Prozess nach tödlichem Angriff startet

Tagtäglich sind unsere Kolleg:innen in Bussen, Zügen und Bahnhöfen Angriffen aggressiver Reisender ausgesetzt. Verbale Beleidigungen und tätliche Angriffe - bis hin zu schweren Körperverletzungen. Umso mehr schockierte die Tat vom 2. Februar 2026, bei der ein Kollege sein Leben verlor – weil er eine Fahrkarte kontrollieren wollte.

Es war gegen 17:40 Uhr, als Serkan Çalar, Kundenbetreuer im Nahverkehr, einen Fahrgast bat, seinen Fahrschein vorzuzeigen. Der Regionalzug hatte gerade den Bahnhof Landstuhl in der Westpfalz verlassen. Den Ermittlungen zufolge konnte der damals 26-jährige Täter kein Ticket vorweisen und weigerte sich wohl auch, sich auszuweisen. Als Serkan Çalar den Reisenden daraufhin aufforderte, den Zug am nächsten Bahnhof zu verlassen, kam es zum Angriff. Der Angeklagte soll dem Kundenbetreuer mehrfach mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben. Serkan Çalar erlitt eine schwere Hirnblutung, stürzte zu Boden und musste wiederbelebt werden. Zwei Tage später erlag er seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus.
Der 36-Jährige war alleinerziehender Vater von zwei Kindern und arbeitete schon seit vielen Jahren für die Deutsche Bahn. Sein Tod löste eine Welle der Bestürzung aus. 

Die EVG hatte die Verantwortlichen beim Bund, in den Ländern sowie bei den Verkehrsträgern und Verkehrsverbünden unmittelbar nach der schrecklichen Tat erneut aufgefordert, mehr für die Sicherheit der Beschäftigten zu tun. Neben dem freiwilligen Einsatz von Bodycams halten wir – in Absprache mit unseren fachkundigen Kolleginnen und Kollegen vor Ort – unter anderem eine Doppelbesetzung auch im Nahverkehr für zwingend erforderlich. Kurz darauf wurden verschiedene Modellprojekte initiiert, die von uns teilweise begleitet werden. 

Was passiert in den nächsten Tagen in Zweibrücken? Am ersten Prozesstag wird die Anklage verlesen werden, möglicherweise gibt es auch eine Erklärung des Angeklagten. Weitere Verhandlungstage in dieser Woche sind der Donnerstag und Freitag. Dann sollen Zeugen und Gutachter befragt werden. Wir werden für euch vor Ort sein und berichten.

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