Bundesfrauenleitung: Sozialstaatsabbau trifft Frauen zuerst

Bei ihrer Sitzung in Fulda diskutierte die Bundesfrauenleitung (BuFL) aktuelle politische Entwicklungen und die Folgen geplanter Reformen für Frauen und Familien.

Gruppe von etwa 30 Personen auf einer außenliegenden Metalltreppe an einem Gebäude. Mehrere Personen stehen entlang des Geländers und blicken zur Kamera. In der Mitte hält eine Person eine weiße Fahne mit dem Aufdruck „EVG FRAUEN“. Im Hintergrund sind Bäume und herbstlich gefärbte Vegetation zu sehen.

Was erwarten die Menschen eigentlich von ihrem Sozialstaat – und was plant die Bundesregierung? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die BuFL bei ihrer Sitzung in Fulda. Mira Christiansen stellte die Ergebnisse des Sozialstaatsradars 2026 vor und ordnete die aktuellen Reformvorhaben aus frauen- und gleichstellungspolitischer Sicht ein.

Die Ergebnisse zeigen: Die Menschen wünschen sich Sicherheit, Solidarität und verlässliche soziale Leistungen. Gleichzeitig stehen weitreichende Reformen an, unter anderem beim Elterngeld, bei der Pflege und bei weiteren Familienleistungen.

Besonders Frauen werden die Folgen eines Sozialstaatsabbaus früh und überproportional zu spüren bekommen. Sie übernehmen häufiger unbezahlte Sorgearbeit, arbeiten öfter in Teilzeit und verdienen im Durchschnitt weniger. Werden soziale Leistungen gekürzt und Aufgaben stärker in die Familien verlagert, drohen geringere Einkommen, schlechtere Karrierechancen und in der Folge niedrigere Rentenansprüche. Das Risiko von Altersarmut wird weiter steigen.

Cosima Ingenschay, stellvertretende EVG-Vorsitzende, kritisiert die politischen Entwicklungen: „Wer soziale Leistungen kürzt, verschärft bestehende Ungleichheiten. Die Folgen tragen besonders häufig Frauen und Familien. Statt ihnen weitere Lasten aufzubürden, brauchen wir verlässliche soziale Sicherung und bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Auch Nadja Houy, Vorsitzende der EVG-Bundesfrauenleitung, betont die Bedeutung des gemeinsamen Engagements für Gleichstellung: „Gleichstellung kommt nicht von allein. Wir müssen uns gemeinsam mit dem DGB dafür einsetzen, dass Frauen die gleichen Chancen haben und politische Entscheidungen nicht zu ihren Lasten getroffen werden.“

In ihrer Sitzung diskutierten die Frauen gemeinsam mit ihren Gästen aktuelle gewerkschafts- und gesellschaftspolitische Herausforderungen und deren Bedeutung für Frauen. Samuel Beuttler-Bohn beleuchtete die aktuelle Rentenpolitik und ihre Auswirkungen auf Frauen. Cosima Ingenschay informierte über aktuelle Entwicklungen in der EVG und verkehrspolitische Themen bei der Deutschen Bahn. Marco Rafolt zeigte auf, wie gewerkschaftliche Strukturen im Falle rechtsautoritärer Landesregierungen handlungsfähig und widerstandsfähig bleiben können. Fabian Stieb stand der Bundesfrauenleitung zudem für Fragen zu den Betriebsratswahlen aus Frauenperspektive zur Verfügung.

Abschließend berichteten die Kolleginnen aus den einzelnen Arbeitskreisen über ihre aktuellen Themen und Aktivitäten. Ein weiterer Ausblick galt dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November 2026. Die BuFL plant eine Aktion, die auf unterschiedliche Formen von Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen soll – auch auf solche, die nicht unmittelbar sichtbar sind.

Die BuFL widmete sich der Überarbeitung ihres Leitantrags „Frauen“ und brachte viele Ideen ein, um die frauen- und gleichstellungspolitische Arbeit der EVG weiterzuentwickeln und auf die kommenden Herausforderungen auszurichten.

Die Sitzung war mal wieder geprägt von einer offenen, engagierten Diskussion und einem spürbar guten Zusammenhalt. Die Kolleginnen sind sich einig, dass es mehr Frauen in Entscheidungspositionen braucht, um gleichstellungspolitische Anliegen stärker einzubringen und konkrete Maßnahmen voranzubringen. Ob transparente Entgeltstrukturen, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle oder gleiche Chancen in allen Bereichen – Gleichstellung muss aktiv gestaltet werden. Dafür will sich die Bundesfrauenleitung gemeinsam und mit Nachdruck einsetzen.

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