Die Themen Rente, Gesundheit und Pflege betreffen früher oder später fast alle Beschäftigten und gewinnen mit zunehmendem Alter weiter an Bedeutung. Deshalb informierte die EVG in einer gemeinsamen Veranstaltung mit Expert:innen aus den Bereichen Alterssicherung, Gesundheitsversorgung und Unfallversicherung über aktuelle Entwicklungen und wichtige Handlungsmöglichkeiten.
Carina Wibbing, Dezernentin der Knappschaft-Bahn-See (KBS), stellte die aktuellen Herausforderungen der gesetzlichen Rentenversicherung vor. Im Zentrum standen die Vorschläge der Alterssicherungskommission der Bundesregierung. Dabei machte sie deutlich, dass die gesetzliche Rente auch künftig die wichtigste Säule der Alterssicherung bleibt. Ergänzend stellte Gewerkschaftssekretär Samuel Beuttler-Bohn klar, dass sich die Gewerkschaften vehement gegen die geplante Abschaffung der Rente nach 45 Jahren stellen. Zudem zeigte er auf, dass die Vorschläge der DGB-Rentenkommission zeigen, wie deutlich höhere Renten gerecht finanziert werden könnten.
Dominik Dany, Vorstand bei der BAHN-BKK, blickte angesichts aktueller Gesetzesreformen auf die wachsenden Herausforderungen im Gesundheitssystem. So verschärft das neue GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz den Spardruck für die Krankenkassen spürbar, andererseits steigen die Leistungsausgaben, besonders im Bereich Krankenhäuser. Weiteres Thema war die politische Debatte zur Reduzierung der Krankenkassenanzahl, die Ende des Jahres mit einem neuen Gesetz drohen könnte.
Ergänzend dazu forderte Gewerkschaftssekretärin Nathalie Nieding einen grundlegenden Kurswechsel in der Gesundheitspolitik. Es sei nicht gerecht, die finanzielle Last einseitig immer weiter auf die Versicherten abzuwälzen. Stattdessen brauche es eine tiefgreifende Strukturreform mit dem Ziel einer Bürgerversicherung. Nur so könne das duale Krankenversicherungssystem abgelöst und die Zwei-Klassen-Medizin beendet werden.
Ein ebenso intensiver Austausch fand zu den wachsenden Herausforderungen in der sozialen Pflegeversicherung statt. Die Befürchtung ist groß, dass die Bundesregierung ein Sparpaket mit Leistungskürzungen, zusätzlichen Kosten und höheren Beiträgen zulasten der Versicherten auf den Weg bringt. Plänen der Koalition zu Einsparungen bei Pflegebedürftigkeit, zum Beispiel beim Pflegegrad 1, erteilte die EVG eine Absage.
Aus dem Bereich der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) berichtete Jan Hetmeier, Abteilungsleiter Arbeitsschutz und Prävention. Er betonte die Bedeutung der UVB beim Thema psychische Erkrankungen und Traumatisierungen durch berufliche Ereignisse. Viele Kolleg:innen berichten von Gewalt und Bedrohungen von Kunden während der Bahnfahrt. Aber auch Suizide, die Lokführer:innen direkt miterleben müssen, können traumatische Erlebnisse darstellen. Am Ende zeigte Hetmeier, wie wichtig das Thema Prävention hier ist, damit die Kolleg:innen auf schwierige Situationen mental vorbereitet sind.
Der Vorsitzende der NRW-EVG, Neithard von Böhlen, stellte die schwierige Situation nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt dar. Er betonte die Bedeutung, wie wichtig es ist, dass die Gewerkschafter:innen hier klare Kante zeigen öffentlich. Schon jetzt zeigen sich, dass die Arbeit der Gewerkschaften teils behindert werde. Für die EVG ist klar: Neonazis dürfen nicht die politische Führung in Deutschland übernehmen und müssen mit dem vehementen Widerstand der Gewerkschaften rechnen.
Abgerundet wurde die Tagung wieder durch den Austausch mit den Sozialpartner:innen der EVG. Diese informierten die Teilnehmenden knackig über aktuelle Angebote und anstehende Veränderungen. Somit konnten alle mit vielen neuen Informationen nach Hause fahren. Die nächste Sozialpolitische Tagung der EVG findet 2027 in einem Online-Format statt.
Die Veranstaltung zeigte erneut, wie eng die Themen Arbeit, Gesundheit und soziale Sicherheit miteinander verbunden sind. Die EVG wird sich auch künftig dafür einsetzen, dass ihre Mitglieder umfassend informiert werden und eine starke soziale Absicherung erhalten. Denn eine gute Gesundheitsversorgung, eine verlässliche Pflege und eine anständige Rente sind entscheidende Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben und einen würdigen Ruhestand.
Sozialpolitische Tagung in Bielefeld: Ernste Themen und große Herausforderungen
Über 60 engagierte Kolleg:innen trafen sich wie jedes Jahr zur großen sozialpolitischen Tagung der EVG und EVA-Akademie. Dieses Jahr fand sie vom 29. September bis 1. Oktober in Bielefeld statt. Die Moderation der Veranstaltung übernahm erneut in bewährter wertschätzender Art und Weise Alexander Kiel.





