Ortsverbandsvorsitzender Patrick Peuker machte gleich zu Beginn deutlich, dass Sicherheit für die EVG nicht verhandelbar sei. Er forderte die in Sichtweite tagenden Länderverkehrsminister auf, endlich aktiv zu werden. Vor zwei Monaten sei der Kollege Serkan Çalar im Dienst totgeschlagen worden; statt konkrete Maßnahmen zum dauerhaften Schutz der Kolleginnen und Kollegen zu beschließen, werde weiterhin darüber gestritten, wer wie viel Geld zur Verfügung stellen müsse. „Jedes Menschenleben ist mehr wert als Geld. Wir wollen nicht der Spielball der Politik sein“, betonte Patrick Peuker.
Auch Tizian Wildegger erwartete als Vertreter des DGB ein deutliches Signal der Politik. Die Beschäftigten müssten ihre wichtige Arbeit erfüllen können, ohne um Leib und Leben fürchten zu müssen. „Dazu braucht es moderne Sicherheitskonzepte und politische Rückendeckung“, sagte er.
Dass Sicherheit nicht am Budget scheitern dürfe, erklärte auch der Augsburger EVG-Geschäftsstellenleiter Michael Ferber. Er war – wie seine Kollegen aus München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg – nach Lindau gekommen, um die Bedeutung der Veranstaltung zu unterstreichen und sie zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern zu organisieren.
Dirk Richter, Vorsitzender des EVG-Landesverbandsvorstandes Bayern, erinnerte noch einmal an die Forderungen der EVG. Diese gingen über eine 100-prozentige Besetzungsquote im Regionalverkehr und eine Doppelbesetzung auf kritischen Strecken hinaus. Neben Bodycams, die auch Ton aufzeichnen müssten, sei über eine präventive, flächendeckende Videoüberwachung in den Bahnhöfen nachzudenken.
Auch der Fernverkehr und der Busverkehr müssten mitgedacht werden. „Eine geschlossene Fahrerkabine, die im Bus vor Übergriffen schützt, und ein fälschungssicheres, einheitliches Deutschlandticket sind Forderungen, deren Umsetzung uns wichtig ist“, so Richter. Im Fernverkehr lehne die EVG die aktuelle 1:1-Besetzung ab. Bei den Lokführern kritisierte er, dass diese an den Endstationen meist allein durch den Zug gehen müssten, um sicherzustellen, dass alle Fahrgäste ausgestiegen sind. Das sei insbesondere in den Abend- und Nachtstunden problematisch und gefährlich. Insofern sei ein deutliches Mehr an Sicherheitskräften erforderlich – sowohl im Bereich der DB-eigenen Sicherheit als auch durch Polizeibeamte. Für dieses Ziel setze sich die EVG schon lange ein.
Das Thema Sicherheit sei auch für Michael Korte entscheidend. Der Zugbegleiter zeigte – als stolzes EVG-Mitglied, wie er sagte – noch einmal auf, welchen Belastungen die Kolleginnen und Kollegen seit Jahren ausgesetzt sind. Angefangen bei der Corona-Zeit und den damit verbundenen Einschränkungen bis hin zum Deutschlandticket, das beispielsweise völlig unterschiedliche Regelungen zur Fahrradmitnahme mit sich bringt – all das führe tagtäglich zu Auseinandersetzungen mit Reisenden, die immer häufiger nicht nur verbal, sondern auch körperlich übergriffig würden.
„Ich bin schon mit 150 Fußballfans, die für ihre Gewaltbereitschaft berüchtigt sind und immer wieder ganze Züge auseinandernehmen, allein von München bis Memmingen unterwegs gewesen. Das ist nicht akzeptabel“, sagte er. „Der Schutz der Beschäftigten darf nicht an Kosten scheitern. Unsere Sicherheit ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für unsere Arbeit.“ Gewalt sei kein Kavaliersdelikt. Viele KIN liebten ihren Beruf, hätten aber Angst, im Stich gelassen zu werden.
Die Politik müsse endlich handeln, darin waren sich alle EVG-Mitglieder einig, die zur Protestdemo nach Lindau gekommen waren. Unterstrichen wird diese berechtigte Forderung durch die Petition der EVG, die in Lindau an den bayerischen Verkehrsminister übergeben wurde. Dieser zeigte Verständnis, verwies jedoch auf fehlende finanzielle Mittel. Genau dieses „Verantwortungs-Pingpong“ will die EVG nicht länger akzeptieren und erhöht deshalb den Druck auf die politisch Verantwortlichen. Im ganzen Land finden derzeit EVG-Veranstaltungen für mehr Sicherheit bei Bus, Bahn und in den Bahnhöfen statt.
Mehr Schutz für Beschäftigte: EVG erhöht Druck auf Verkehrsminister
Ein paar Minuten Zeit hatte er dann doch, der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), um – trotz vollen Terminkalenders – die Petition der EVG für mehr Sicherheit bei Bus, Bahn und in den Bahnhöfen entgegenzunehmen. Zur Frühjahrssitzung waren die Verkehrsminister der Länder diesmal auf der Insel Lindau zusammengekommen – für den EVG-Ortsverband Kempten/Lindau Anlass genug, zu einer Protestkundgebung aufzurufen.




