Viele der Teilnehmenden waren zuvor bei Abellio beschäftigt und werden im Zuge eines erneuten Betriebsübergangs nach § 613a BGB künftig bei der DB Regio tätig sein. Dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Seminar.
Schon zu Beginn war klar: Dieses Seminar war keines zum Zurücklehnen. Der Titel „Tarifpolitik und Tarifverhandlungen“ klang theoretisch, die Inhalte waren es nicht.
Verstehen, was konkret passiert
Im Mittelpunkt standen grundlegende Fragen mit direktem Bezug zur betrieblichen Realität: Was bedeutet Tarifpolitik heute konkret? Warum gelten bestimmte Regelungen plötzlich nicht mehr? Welche Rolle spielt das Tarifeinheitsgesetz?
Schnell wurde deutlich, dass es sich dabei nicht um abstrakte Debatten handelt, sondern um Themen, die den Arbeitsalltag unmittelbar betreffen.
Den eigenen Betrieb im Blick
Im nächsten Schritt ging es in die praktische Arbeit. Gemeinsam erstellten die Teilnehmenden eine Betriebslandkarte: Wo sind Kolleginnen und Kollegen eingesetzt? Wo bestehen starke Strukturen – und wo gibt es Handlungsbedarf?
Darauf aufbauend wurden die geltenden Regelungen analysiert: Welche Tarifverträge finden Anwendung? Wo sind sie festgeschrieben? Welche Herausforderungen ergeben sich aus unterschiedlichen tariflichen Grundlagen? Die zentrale Erkenntnis: Tarifpolitik wirkt direkt im Betrieb – und nicht losgelöst davon.
Vom Reden ins Handeln
Ein Schwerpunkt lag auf dem anstehenden Betriebsübergang von Start Mitteldeutschland zur DB Regio. Statt theoretischer Diskussionen stand die konkrete Vorbereitung im Vordergrund: Themen wurden gesammelt, Fragen strukturiert und erste Aktionen geplant.
Im Fokus standen dabei unter anderem: Was bewegt die Kolleginnen und Kollegen? Wo ist Präsenz erforderlich? Wie gelingt der direkte Austausch im Betrieb? Am Ende stand kein Konzept für die Schublade, sondern ein klarer Plan für die nächsten Schritte.
Berlin: Wenn Praxis auf Politik trifft
Am Donnerstag führte das Seminar nach Berlin in die Zentrale der EVG. Dort fand ein offener Austausch mit der stellvertretenden Vorsitzenden Cosima Ingenschay statt.
Die Teilnehmenden schilderten ihre Erfahrungen, insbesondere den Wegfall tariflicher Leistungen durch die Verdrängung von Tarifverträgen. Viele Fragen blieben nicht ohne Antwort, zugleich wurde deutlich, wie komplex und politisch umkämpft die Situation rund um das Tarifeinheitsgesetz ist.
Cosima Ingenschay ordnete die Themen ein und machte die Haltung der EVG klar: Die EVG wird keine Spaltung unter den Kolleginnen und Kollegen mittragen. Ziel ist es, Gemeinschaft zu stärken sowie Betriebsfrieden zu sichern und wiederherzustellen. Eine Abbedingung des Tarifeinheitsgesetzes kommt für die EVG nur unter fairen und vergleichbaren Voraussetzungen in Betracht – oder gar nicht. Ein besonderer Dank gilt Cosima Ingenschay für den offenen Austausch und die Zeit für die Diskussion.
Gespräch im Deutschen Bundestag
Im Anschluss besuchten die Teilnehmenden den Deutschen Bundestag und tauschten sich mit dem Bundestagsabgeordneten Martin Kröber aus. Im Mittelpunkt standen zentrale Themen aus dem Arbeitsalltag, darunter: Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen, Umgang mit Schwarzfahren und dessen rechtliche Einordnung, Zugangssicherung von Bahnhöfen, Zuständigkeiten von Bundespolizei, DB Sicherheit und kommunalen Ordnungsbehörden, Perspektiven für klare und verlässliche Sicherheitsstrukturen.
Der Austausch war offen und praxisnah. Deutlich wurde, dass die Herausforderungen bekannt sind – entscheidend bleibt die Entwicklung verlässlicher Lösungen. Abgerundet wurde der Besuch durch eine Führung durch die Katakomben des Bundestages sowie den Besuch der Kuppel mit Blick über Berlin.
Zurück in Kagel – zurück in den Betrieb
Am Freitag wurde das Seminar gemeinsam ausgewertet. Neben zahlreichen fachlichen Impulsen bleibt vor allem eine Erkenntnis: Starke Tarifpolitik entsteht nicht von selbst.
Sie braucht engagierte Kolleginnen und Kollegen, die informieren, erklären, ansprechbar sind und andere mitnehmen. Gerade in Zeiten des Wandels zeigt sich, wie wichtig eine starke Organisation im Betrieb ist. Denn klar ist auch: Nur gemeinsam lässt sich etwas bewegen.
Seminar in Kagel: Mitten im Wandel - Tarifpolitik praxisnah
Ende April trafen sich Kolleginnen und Kollegen von Start Mitteldeutschland zu einem intensiven Seminar in Kagel. Mit dabei waren betriebliche Interessenvertreter aus verschiedenen Unternehmen, darunter die Betriebsgruppenvorsitzenden von Abellio und DB Regio Halle.











