Das Vorhaben von Italo könnte zur Verdrängung führen und dazu, dass zahlreiche Städte vom Schienenfernverkehr abgekoppelt werden – darunter Landeshauptstädte, bedeutende Industriestandorte und touristische Highlights. Der EVG-Vorsitzende Martin Burkert warnt von Rosinenpickerei und schlägt Paketlösungen vor. Italo verspricht neue Verbindungen, neue Züge, neue Arbeitsplätze – und billigere Tickets. Dafür verlangt das Unternehmen langfristige Zusagen bei der Trassenvergabe. Allerdings interessiert sich Italo nur für Strecken, auf denen Geld zu verdienen ist. Berlin-Köln, Hamburg-München: gerne. Aber was ist mit Rostock, Chemnitz oder Aachen? Das Ziel ist maximaler Gewinn und nicht die Daseinsvorsorge in Deutschland.
Heute verdient die DB Fernverkehr auf den Hauptstrecken das Geld, das es ihr ermöglicht, auch Nebenstrecken zu bedienen. Aber: Die Infrastruktur ist ausgereizt und stellenweise überlastet. Die Schienen verdoppeln sich nicht, wenn neue Anbieter auftreten. „Wenn Italo der Deutschen Bahn einige der Hauptstrecken abnimmt, fehlt dieses Geld, und das ganze Fernverkehrssystem gerät ins Wanken“, warnt Martin Burkert.
Fernverkehrshalte drohen wegzufallen – oder massiv ausgedünnt zu werden
Nach Berechnungen der EVG stehen eine Reihe von Fernverkehrsstandorten auf der Kippe. Sehr sicher würde es zum Teil massive Auswirkungen in folgenden Städten geben: Aachen, Augsburg, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Freiburg, Ingolstadt, Jena, Magdeburg, Münster, Norddeich, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Schwerin, Singen, Trier.
Daran hängen Arbeitsplätze: in den Bahnhöfen selbst, in den Zügen natürlich, aber auch in den Werkstätten. Auch die Kunden müssten sich umstellen: Pendler:innen, Geschäftsreisende, Touristen. Deshalb, sagt Martin Burkert, „darf der Verkehrsminister nicht einfach die Hände in den Schoß legen, sondern muss den Wettbewerb fair gestalten. Paketlösungen bei der Streckenzuteilung wären möglich. Wer auf den Hauptstrecken ordentlich Kasse machen will, darf sich nicht zu fein sein, um Städte wie Schwerin, Augsburg oder Jena anzufahren.“ Ansonsten, so der EVG-Vorsitzende, „haben Millionen Bahnkunden dann künftig auf dem Weg zum nächsten Schnellzug stundenlang Zeit, um über Patrick Schnieder nachzudenken."
