Medienberichte greifen aktuell vor allem drei Punkte auf:
- mögliche Anhebung des Renteneintrittsalters bis 70
- stärkere finanzielle Anreize für längeres Arbeiten
- höhere Abschläge bei früherem Rentenbeginn
Zudem wird laut Presse diskutiert, ob längeres Arbeiten stärker belohnt und Frühverrentung unattraktiver gemacht werden soll. Auch eine breitere Einbeziehung weiterer Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung wird öffentlich thematisiert.
Für unsere Kolleg:innen sind diese Vorschläge kritisch zu bewerten. Wer jahrzehntelang im Schichtdienst oder unter hoher körperlicher und psychischer Belastung gearbeitet hat, kann nicht einfach länger im Job bleiben.
Viel Wissenschaft, wenig Praxis
Die jetzige Kommission ist stark wissenschaftlich besetzt. Der ehemalige Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise und die Sozialrechtsprofessorin Constanze Janda führen das 13-köpfige Gremium. Gewerkschaften sind jedoch nicht beteiligt. Das ist aus Sicht der EVG ein absolutes No-Go, ein Schlag ins Gesicht von allen aktuellen und ehemaligen Arbeitnehmer:innen. Ihre Interessen werden schlicht und einfach nicht vertreten in der Kommission.
Ziel der Rentenkommission ist es, ein „Gesamtversorgungsniveau“ zu definieren – also das Zusammenspiel von gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge. Doch eine stärkere Verschiebung hin zu privater Vorsorge wird gesellschaftlich zurecht kontrovers diskutiert. Dies kann am Ende nicht die Lösung. Die EVG fordert dagegen die Stärkung der gesetzlichen und der betrieblichen Alterssicherung.
Gewerkschaftliche Perspektive in der öffentlichen Diskussion
Parallel und als Antwort darauf hat der DGB eine eigene Rentenkommission ins Leben gerufen. Den Vorsitz hat die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi übernommen. Neben namhaften Wissenschaftler:innen sind Personen wie Kevin Kühnert (SPD) oder Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen) vertreten. Die EVG wird sich daran aktiv beteiligen und setzt klare Schwerpunkte:
- Stärkung der gesetzlichen Rente
- bessere Absicherung für belastende Berufe und Schichtarbeitende
- verlässliche betriebliche Altersvorsorge mit verpflichtender Arbeitgeberbeitrag
- sozial abgesicherte Übergänge in den Ruhestand
Bedeutung für EVG-Senior:innen
Auch heutige Rentner:innen verfolgen die Debatte mit berechtigtem Interesse. Denn politische Entscheidungen zur Rentenfinanzierung, zum Rentenniveau und zu Rentenanpassungen wirken sich langfristig auf Kaufkraft und soziale Sicherheit im Alter aus.
Die Sicherung stabiler Renten bleibt eine zentrale gesellschaftliche Frage – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.
Fazit: Klare Position in einer aufgeheizten Debatte
Aus Sicht der EVG darf die Lösung nicht lauten: länger arbeiten und weniger Rente. Stattdessen braucht es eine starke gesetzliche Rente, faire Regelungen für belastende Berufsgruppen und sichere Übergänge in den Ruhestand. Zudem müssen auch künftig die Renten grundsätzlich entsprechend der Löhne steigen. Nur so bleibt Alterssicherung verlässlich – für heutige Senior:innen ebenso wie für kommende Generationen.
