Reaktivierungskonzept: „Das Land spaltet das Schienennetz und würgt die Verkehrswende ab!“

Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg hat im Oktober 2026 eine folgenschwere Neuausrichtung bei der Reaktivierung von Schienenstrecken im Land verkündet. Unter dem Deckmantel eines „Neuen Konzepts“ wird das Gesamtportfolio in zwei Tranchen aufgeteilt – mit fatalen Folgen: Elf wichtige Schienenprojekte werden in eine „Tranche 2“ verschoben und damit auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt.

Manuel Amberger

Manuel Amberger

Hierzu erklärt Manuel Amberger, EVG-Vorsitzender in Baden-Württemberg: „Das neue Reaktivierungskonzept des Verkehrsministeriums ist ein Offenbarungseid. Das Land spaltet das Netz in ein Zwei-Klassen-System und versteckt sich hinter unzureichenden Bundesmitteln. Wer die Klimaziele im Verkehrssektor ernst meint, darf beim Netzausbau nicht den Rückwärtsgang einlegen!

Der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) muss das unumstrittene Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in Baden-Württemberg sein. Wir fordern seit langem den konsequenten Ausbau landesweit integrierter, gut aufeinander abgestimmter und vertakteter Nahverkehrsangebote von Bus und Bahn. Landesweit müssen die bestehenden Angebote massiv erweitert werden. Es ist für eine echte Mobilitätsgarantie unerlässlich, alle größeren Orte direkt miteinander zu verbinden – und zwar konsequent über Kreis- und Gebietsgrenzen hinweg! Nur so verhindern wir künftig unnötige Wartezeiten für Bus- und Bahnreisende, die heute noch viel zu oft ihre Freizeit wegen mangelnder Abstimmung der Fahrpläne verschwenden müssen. Dafür müssen auch die Regionalisierungsmittel des Bundes ohne Wenn und Aber vollständig für den SPNV verwendet werden!

Die EVG unterstützt ausdrücklich die Reaktivierungsempfehlungen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Dass das Land nun genau bei diesen Prioritäten den Rotstift ansetzt, ist für uns nicht akzeptabel:

  • International abgehängt: Grenzüberschreitende Schlüsselprojekte wie Breisach – Bundesgrenze (– Colmar/F) und Singen – Bundesgrenze (– Etzwilen/CH), die für europäische Reiseketten elementar sind, werden einfach in die Blockade-Tranche 2 verbannt.
  • Verbindungen mutwillig zerrissen: Während wir die durchgehende Reaktivierung der Strecke Mengen – Stockach fordern, stutzt das Land das Projekt zusammen. Nur die erste Etappe wird priorisiert, während der so wichtige Anschluss nach Mengen auf dem Abstellgleis der Tranche 2 landet.
  • Erfolge nur durch Druck vor Ort: Dass wichtige Meilensteine wie die Talgangbahn (Albstadt-Ebingen – Albstadt-Onstmettingen), die Filderbahn (Filderstadt – Neuhausen) oder die Hermann-Hesse-Bahn (Calw – Weil der Stadt) in Tranche 1 abgesichert sind, ist dem unermüdlichen Kampf der Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu verdanken. Ein Trostpflaster für das restliche Land ist das jedoch nicht.

Eine erfolgreiche und nachhaltige Fachkräfteoffensive in der Bahnbranche gelingt nur über verlässliche Zukunftsperspektiven. Wenn das Land jedoch wichtige Streckenprojekte im Fünfjahrestakt einfriert und wieder auftaut, erzeugt das genau die Existenzunsicherheit, die potenzielle Bewerberinnen und Bewerber abschreckt.

Wir fordern Verkehrsministerin Nicole Razavi auf, diese Zwei-Klassen-Planung sofort zu stoppen. Das Land muss alle von EVG und VDV empfohlenen Reaktivierungsprojekte aktiv und verlässlich vorantreiben. Eine echte Netzwende gibt es nicht zum Nulltarif!“

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