OV Südhessen ehrt langjährige Mitglieder: Zusammen 3.045 Jahre Eisenbahngeschichte

Ein Zeichen der Verbundenheit, der Solidarität und des Stolzes auf die Eisenbahn: Der EVG-Ortsverband Südhessen ehrte am vergangenen Freitag im Alten Schalthaus in Darmstadt seine langjährigen Mitglieder. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die beeindruckenden Jubiläen, sondern auch die aktuellen Herausforderungen für die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner.

Gruppenfoto in einem Innenraum mit 13 Personen. Zwölf Personen stehen in zwei Reihen, eine Person sitzt mittig auf einem Stuhl, eine weitere Person kniet vorne links neben dem Stuhl. Links im Bild steht ein weißes Fahnenbanner mit blauem Logo. Im Hintergrund sind drei hohe Fenster mit Sprossen, Zimmerpflanzen, ein schwarzes Gerät auf einem Stativ sowie gerahmte Bilder an den Wänden zu sehen. Die Personen tragen überwiegend helle Oberteile, Strickjacken, Hemden oder Pullover. Der Boden ist mit hellen Fliesen ausgelegt. Tageslicht fällt durch die Fenster in den Raum.

Es war ein besonderer Anlass, zu dem der OV Südhessen ins Alte Schalthaus nach Darmstadt eingeladen hatte. Zahlreiche Jubilare waren gekommen, um gemeinsam auf viele Jahre Gewerkschaftszugehörigkeit und ein bewegtes Berufsleben bei der Eisenbahn zurückzublicken. Geehrt wurden Mitglieder für 25, 40, 50, 60, 65, 70 und sogar 75 Jahre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft.

Als Gastredner begrüßte der Ortsverband den Mainzer EVG-Geschäftsstellenleiter Lars Kreer. In seiner Rede spannte er den Bogen von den aktuellen Entwicklungen im Bahnverkehr über die schwierige wirtschaftliche Situation bei DB Cargo bis hin zu den zunehmenden Herausforderungen bei der Sicherheit für die Beschäftigten.

Mehr Wettbewerb, aber auch mehr Verantwortung für die Sicherheit
Ein Thema war der bevorstehende Markteinstieg von Italo im deutschen Fernverkehr und die damit verbundenen Veränderungen auf dem Bahnmarkt. Besonders eindringlich sprach Kreer jedoch über die Sicherheit an Bahnhöfen, in Bussen und Zügen – insbesondere mit Blick auf die Beschäftigten im Zugbegleitdienst.

Die Ereignisse rund um den Tod des Kollegen Sercan im Frühjahr dieses Jahres hätten auf erschütternde Weise deutlich gemacht, wie dringend hier gehandelt werden müsse.

„Jeder Eisenbahner weiß, dass die Arbeit bei der Bahn Gefahren mit sich bringt. Dass Kolleginnen und Kollegen in besonders gefahrgeneigten Berufen, beispielsweise bei Arbeiten im Gleisbereich, ihr Leben verlieren können, ist tragisch und jedem von uns bewusst. Aber dass ein Kollege, der als Zugbegleiter schlicht seine Arbeit macht und Fahrkarten kontrollieren möchte, totgeschlagen wird, hat eine neue Dimension erreicht. Das ist ein absoluter Tiefpunkt“, machte Kreer deutlich.

Hier seien sowohl die Politik als auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Es brauche endlich wirksame Maßnahmen, um die Sicherheit der Beschäftigten zu verbessern. Wer täglich für einen funktionierenden Bahnverkehr sorge, müsse seine Arbeit auch ohne Angst vor Übergriffen verrichten können.

DB Cargo: Weitere Einschnitte dürfen kein Selbstzweck sein
Auch die weiterhin angespannte Lage bei DB Cargo nahm breiten Raum in der Rede ein. Trotz bereits erheblicher Einschnitte und Sparmaßnahmen komme das Unternehmen wirtschaftlich nicht in die Spur. Betriebsräte hätten bereits den Abbau von rund 5.000 Arbeitsplätzen begleiten müssen. Weitere 5.500 Arbeitsplätze stünden bis zum Jahr 2030 auf der Kippe.

Besonders unverständlich sei, dass DB Cargo nach all diesen Maßnahmen nun offenbar auch im laufenden Jahr die schwarze Null verfehlen werde. Verluste von Auslandsgesellschaften, beispielsweise in Großbritannien, seien offenbar nicht ausreichend berücksichtigt worden und brächten das Unternehmen zusätzlich unter Druck. Die wirtschaftliche Entwicklung drohe damit, DB Cargo an den Rand einer existenzbedrohenden Situation zu führen.

Die Arbeitgeberseite habe Betriebsräte und EVG inzwischen zu Gesprächen aufgefordert, in denen auch über die bestehenden Tarifverträge und weitere Einschnitte gesprochen werden solle.
In den Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen sei allerdings bereits deutlich geworden, dass die Beschäftigten nicht bereit seien, weitere Zugeständnisse ohne klare Perspektive zu machen. „Ungedeckte Schecks für das Management wird es nicht geben“, so die klare Botschaft aus der Belegschaft.

Jahrzehnte der Treue und Verbundenheit
Bei aller Diskussion über die aktuellen Herausforderungen stand an diesem Tag aber vor allem eines im Mittelpunkt: die Menschen, die der Eisenbahn und ihrer Gewerkschaft über Jahrzehnte die Treue gehalten haben.

Die Ehrung langjähriger Mitglieder sei immer auch ein Ausdruck von Stolz darauf, Eisenbahnerin oder Eisenbahner gewesen zu sein. Die Jubilare hätten die Entwicklung der Bahn über viele Jahrzehnte miterlebt, Veränderungen gestaltet und sich gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft für die Interessen der Beschäftigten eingesetzt.

Für ihre langjährige Mitgliedschaft erhielten die Geehrten neben den Urkunden und den entsprechenden Ehrennadeln auch liebevoll zusammengestellte Präsente. Wein und Präsentkörbe sorgten für zusätzliche Freude. Damit die Ehrengaben auch bequem nach Hause transportiert werden konnten, gab es obendrein Rucksäcke. Für die Mitglieder mit 70-jähriger Gewerkschaftszugehörigkeit wartete eine besondere Auszeichnung: eine eigens überreichte Medaille.

Ein besonderer Moment galt auch der Vorsitzenden des Ortsverbands Südhessen, Yetgin Aslan. Sie selbst blickt in diesem Jahr auf 25 Jahre Mitgliedschaft in der EVG zurück. Dass ihr ausgerechnet Lars Kreer persönlich zu diesem Jubiläum gratulieren konnte, war dabei kein Zufall: Er war es, der sie vor 25 Jahren für die Gewerkschaft gewonnen hatte.

Beim gemeinsamen Mittagessen blieb anschließend genügend Zeit für persönliche Gespräche, Erinnerungen und den Austausch zwischen den Generationen.

Die Jubilarehrung machte einmal mehr deutlich, was die EVG auszeichnet: Zusammenhalt, Solidarität und eine starke Gemeinschaft, die über Generationen hinweg trägt. 25, 40, 50, 60, 65, 70 oder sogar 75 Jahre Mitgliedschaft sind weit mehr als eine Zahl – sie stehen für ein ganzes Stück Eisenbahngeschichte und für eine Verbundenheit, auf die die Gewerkschaft stolz sein kann.

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