Klare Worte an die Politik: Sicherheit, Verlässlichkeit und Perspektiven für die Beschäftigten der Bahn

Im Gespräch mit dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Matthias Miersch, dem Bundestagsabgeordneten Martin Kröber, Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann sowie zahlreichen Betriebsrätinnen und Betriebsräten der Deutschen Bahn ging es vor allem um die konkreten Sorgen und Erwartungen der Beschäftigten.

Mehrere Personen sitzen und stehen an rechteckig angeordneten Tischen in einem hellen Raum mit großen Fenstern. Eine stehende Person spricht zur Gruppe. Auf den Tischen stehen Gläser, Karaffen, Tassen, Notizmaterial und Namensschilder. Im Hintergrund sind Fenster, Vorhänge und eine Straßenansicht zu sehen.

Thomas Brandt, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der DB InfraGO AG, machte dabei deutlich, was aus seiner Sicht notwendig ist: Wer eine starke Schiene will, muss auch den Menschen, die sie jeden Tag am Laufen halten, Sicherheit, Verlässlichkeit und eine langfristige Perspektive geben.

Sicherheit ist nicht verhandelbar
Besonders deutlich sprach Brandt die zunehmenden Übergriffe auf Beschäftigte und die spürbare Verrohung im gesellschaftlichen Umgang an. Wer Verantwortung für Reisende, Infrastruktur und den Bahnbetrieb übernimmt, muss seinen Arbeitsplatz sicher erreichen und auch wieder sicher verlassen können. Gewalt, Bedrohungen und Beleidigungen dürfen nicht als Berufsrisiko hingenommen werden.
Vor allem Beschäftigte mit direktem Kundenkontakt, etwa Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter, Servicekräfte oder Mitarbeitende der DB Sicherheit, erleben immer häufiger Bedrohungen und körperliche Angriffe. Auch Bahnhöfe sind Arbeitsplätze – und müssen entsprechend sicher sein.

„Ein Angriff auf unsere Kolleginnen und Kollegen ist kein Kavaliersdelikt.“ Thomas Brandt, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der DB InfraGO AG

Aus Sicht der Interessenvertretungen braucht es deshalb mehr Sicherheitskräfte, funktionierende Sicherheitskonzepte und eine enge Zusammenarbeit von Bundespolizei, Ländern und Unternehmen. Dazu gehören auch konsequente strafrechtliche Folgen für Angriffe auf Beschäftigte.

Brandt kritisierte die aus seiner Sicht unzureichenden Konsequenzen für Straftäter: „Ein Angriff auf unsere Kolleginnen und Kollegen ist kein Kavaliersdelikt.“ Sicherheit dürfe dabei keine Frage des Einsatzortes sein. Ob im Zug, auf dem Bahnsteig, im Reisezentrum, im Stellwerk oder in der Infrastruktur: Jede Kollegin und jeder Kollege hat das Recht, gesund von der Arbeit nach Hause zu kommen.

Die Bahn darf nicht zum Feindbild werden
Brandt machte zudem deutlich, dass auch das öffentliche Bild der Bahn Auswirkungen auf die Beschäftigten hat. Kritik an politischen Versäumnissen, Managemententscheidungen oder strukturellen Problemen sei selbstverständlich legitim. Problematisch werde es aber, wenn daraus eine pauschale Abwertung entsteht und Beschäftigte für Probleme verantwortlich gemacht werden, die sie weder verursacht haben noch allein lösen können.

Gerade die Kolleginnen und Kollegen in Zügen und Bahnhöfen bekommen den Frust vieler Reisender unmittelbar ab. Deshalb tragen Politik, Unternehmensführung und Medien auch Verantwortung dafür, wie über die Bahn gesprochen wird. Kritik muss möglich sein. Sie darf aber nicht zu einem Klima beitragen, in dem Respektlosigkeit oder Gewalt gegenüber Beschäftigten als normal gelten. Die Kolleginnen und Kollegen sind nicht das Problem der Bahn – sie sind diejenigen, die das System trotz seiner Probleme jeden Tag am Laufen halten.

InfraGO braucht langfristige Finanzierungssicherheit
Ein weiterer Schwerpunkt war die Finanzierung der DB InfraGO AG. Brandt appellierte an die Politik, endlich einen verlässlichen und langfristigen Finanzierungsrahmen für die Schieneninfrastruktur zu schaffen. Ein Netz, das über Jahrzehnte modernisiert werden muss, könne nicht auf der Grundlage kurzfristiger Haushaltsentscheidungen geplant werden.

Die Forderung nach einer mehrjährigen, gesetzlich abgesicherten Finanzierung bleibt deshalb bestehen. Erneut diskutiert wurde auch eine Fondslösung nach internationalem Vorbild, unter anderem mit Blick auf Österreich. Brandts Botschaft an die politischen Entscheidungsträger war eindeutig: „Nun muss endlich etwas Substanzielles kommen.“

DB Cargo: Strukturentscheidungen haben Gesichter
Wie stark politische und unternehmerische Entscheidungen die Menschen vor Ort treffen, zeigte auch die Diskussion über die Entwicklung der DB Cargo am Standort Halle. Frank Strowicki machte deutlich, dass die rückläufige Auftragslage und Abbestellungen inzwischen auch Auswirkungen auf die Beschäftigung in den Werkestrukturen haben.

Dabei geht es nicht nur um betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Es geht um berufliche Perspektiven, Familien und die Zukunft ganzer Regionen. Wenn gut ausgebildete junge Menschen ihre Heimat verlassen, weil sie dort keine Perspektive mehr sehen, verliert nicht nur ein Unternehmen Fachkräfte. Auch die Region verliert Zukunftspotenzial.

Deshalb brauche es ein klares politisches Bekenntnis zum Schienengüterverkehr und insbesondere zum Einzelwagenverkehr. Wer mehr Güter auf die Schiene bringen wolle, müsse dafür auch die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Digitalisierung braucht Verlässlichkeit
Auch die Digitalisierung der Infrastruktur wurde kritisch diskutiert. Enrico Spittel hinterfragte die Abschaffung des eigenständigen Digitalvorstandsressorts bei der DB InfraGO AG. Angesichts der politischen Forderung nach einer schnelleren Digitalisierung der Schiene müsse geprüft werden, ob solche organisatorischen Entscheidungen diesem Anspruch gerecht werden.

Digitalisierung braucht klare Verantwortung, ausreichende Ressourcen, Kompetenz und Kontinuität. Wer mehr Tempo fordert, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen.

Eine starke Bahn braucht starke Beschäftigte
Der Austausch hat gezeigt, wie eng die verschiedenen Zukunftsthemen der Bahn miteinander verbunden sind. Sicherheit, Wertschätzung der Beschäftigten, eine langfristige Finanzierung der Infrastruktur, der Schienengüterverkehr, regionale Beschäftigung und die Digitalisierung entscheiden gemeinsam darüber, wie zukunftsfähig die Schiene ist.

Für die Interessenvertretungen ist deshalb klar: Veränderungen werden mitgestaltet. Gleichzeitig wird dort widersprochen, wo Entscheidungen zulasten der Beschäftigten oder der Zukunft der Bahn gehen. Die Beschäftigten erwarten keine Sonntagsreden, sondern konkrete Entscheidungen. Sie erwarten Sicherheit und Respekt, verlässliche Perspektiven und politische Rahmenbedingungen, die gute Arbeit ermöglichen. Denn eine leistungsfähige Bahn entsteht nicht allein durch Investitionsprogramme, Organisationsstrukturen oder politische Zielbilder. Sie entsteht durch die Menschen, die sie jeden Tag tragen. Deshalb müssen ihre Sicherheit, ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft bei politischen Entscheidungen im Mittelpunkt stehen.

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