Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz: Mehr als ein leerer Güterwagen

Ende April fand eine Gedenkstättenfahrt der EVG Frauen nach Auschwitz statt. Teilnehmerin Corina Popescu-Petre schildert in nachdenklichen Zeilen ihre Eindrücke.

Ein hölzerner, braun‑roter Güterwagen steht auf Schienen im Freien. Der Wagen hat vertikale Metallstreben, sichtbare Holzplanken, eine seitliche Schiebetür, Trittbretter und Metallkupplungen an den Stirnseiten. Der Himmel ist blau mit wenigen Wolken, seitlich sind Grasflächen und Zaunelemente zu sehen.

Bevor die Menschen hier ankamen, hatten sie bereits die Hölle durchlebt. Noch bevor sie in die Waggons gestoßen wurden, waren sie gejagt worden - wie Tiere: durch Häuser und Städte, überall dort, wo sie Schutz suchten. Schließlich wurden sie geschubst und gequetscht, um Platz für immer mehr Menschen zu schaffen.

In den Güterwagen kämpften sie ums Überleben, getragen von der Hoffnung auf Rettung, ohne zu ahnen, dass der Tod sie früher oder später einholen würde. In einem einzigen Waggon trafen unzählige Charaktere, Lebensgeschichten und Emotionen aufeinander: Angst, Verzweiflung, Furcht, Hoffnung – und Hoffnungslosigkeit. Nicht alle überlebten die Fahrt. Doch der Kampf ums Überleben und die Illusion einer besseren Zukunft hielten viele am Leben.

Bei der Ankunft in Auschwitz empfanden manche vielleicht Erleichterung – das vermeintliche Ende ihrer Leiden. Doch eine Erlösung blieb aus. Stattdessen begann ein neues, noch größeres Grauen.

Begleitet wurde die Fahrt von einem Seminar zum Thema „Frauen im Nationalsozialismus“. Es beschäftigte sich mit der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten und mit dem Schicksal verschiedener Häftlingsgruppen. Im Fokus standen zudem Täterinnen wie SS-Aufseherinnen, aber auch Krankenschwestern, Sekretärinnen und Lehrerinnen. In der anschließenden Diskussion ging es um die Fragen: Wer war Täterin, wer Mitläuferin? Ein weiterer Schwerpunkt war der Widerstand im und um das Lager.

Die Seminarwoche brachte viele neue Erkenntnisse für die Teilnehmerinnen sowie für die Referentinnen Erika Albers und Jitka Schäfer. Viele der Beteiligten wollen sich weiter intensiv mit dem Thema befassen.

Die Geschichte darf sich nicht wiederholen. Jeder Widerstand und jede Aktion gegen Rassismus und Antisemitismus sind notwendig und lohnenswert.

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