Gleisbaumechanik Brandenburg: Unser Druck zeigt Wirkung!

Der Arbeitgeber legt ein neues verbessertes Angebot vor, Montag wird wieder verhandelt und wir setzen den Streik mit sofortiger Wirkung aus! Es tut sich also was im Tarifkonflikt bei der Gleisbaumechanik Brandenburg.

Gruppe von etwa 25 Personen in roten Warnwesten steht vor einem roten Backsteingebäude und hält mehrere rote Fahnen mit dem Aufdruck „EVG – Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft“. In der Mitte wird ein rotes Banner gehalten mit dem gut lesbaren Text „WIR STREIKEN!“ sowie darunter „KEIN ABSCHLUSS OHNE GEWERKSCHAFT“. Einige Personen stehen, andere knien vor dem Banner. Sonniges Tageslicht, gepflasterter Vorplatz und Straße im Vordergrund.

Der Arbeitgeber hat am Freitagvormittag ein neues Angebot vorgelegt. Die Tarifkommission und die EVG haben das Angebot geprüft und als verhandlungsfähig bewertet.

  • Die Tarifbindung bleibt erhalten (also keine Ablösung des Tarifvertrags durch Einzel-Arbeitsverträge)
  • Positive Entwicklungen beim Entgelt

Am Montag (17. August) verhandeln wir wieder. Die EVG-Streikleitung setzt den Streik daher mit sofortiger Wirkung aus.

Wir sehen auf jeden Fall eines: Der Arbeitgeber hat versucht, uns zu ignorieren und den Streik auf die leichte Schulter zu nehmen. Er hat erkannt, dass er damit nicht weiter kommt. Schon jetzt wird deutlich, dass es sich lohnt, Forderungen konsequent zu vertreten.

„Der Arbeitgeber muss noch einen Schnaps nachlegen.“

Besuch Frank Skorzus am 13.08.

Hochmotiviert, ihren Kampf für ein akzeptables Tarifergebnis durchzuziehen, hatten sich die Streikenden der GBM Brandenburg GmbH heute erneut vor der Verwaltung des Arbeitgebers getroffen. Getroffen haben sie zudem Frank Skorzus, Mitglied des EVG-Vorstandes, der die Streikenden in Kirchmöser besucht hatte.

„Ich hoffe mal, dass der Arbeitgeber nach fast vier Wochen Streik verstanden hat, dass er noch nachlegen muss, bevor wir hier diese Sache beenden“. Selbst eine eventuelle Annäherung betrachte die EVG noch nicht als Abschlussfähigkeit. „Es geht nicht darum, irgendein Angebot als Erfolg verkaufen zu können. Es muss eine konkrete materielle Verbesserung geben. Der Arbeitgeber muss also noch einen Schnaps drauflegen. Bevor nicht etwas schriftlich vorliegt und ein Termin gesetzt ist, wird der Streik nicht beendet“, so Frank in Richtung GBM-Geschäftsführung.

Skorzus sieht gerade hier das klassische Risiko eines jeden langen Arbeitskampfes: Eine unverbindliche Gesprächsbereitschaft des Arbeitgebers könnte dazu führen, dass die Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen. Dies könne auch GBM-Taktik sein. „Sobald ihr wieder regulär arbeitet, verliert ihr und die Gewerkschaft einen erheblichen Teil dieses unmittelbaren Druckmittels“. Genau deshalb sei es so wichtig, einen schriftlichen und konkreten Grund für weitere Verhandlungen zu haben.

„Bevor nicht etwas schriftlich vorliegt und ein Termin gesetzt ist, wird der Streik nicht beendet.“ Frank Skorzus, Mitglied des EVG-Vorstandes

Der andauernde Streik erzeugt beim Arbeitgeber in Kirchmöser offenbar zunehmend Druck. Das interpretieren die Kolleginnen und Kollegen aus ihren Kontakten in andere Bereiche und Betriebe, die auf die Arbeit der GBM angewiesen sind. Sie erwarten ein Ende der Verweigerungshaltung der GBM. „Wir wollen einen Tarifvertrag mit unserer Gewerkschaft, der EVG“, so eine Kollegin heute. „Das kann nur besser und vor allem sicherer sein als Einzelverträge“.

GBM bedeutender Kleinbetrieb mit Marktposition
Das Unternehmen ist auf Bau, Modernisierung und Instandhaltung von Schienenfahrzeugen spezialisiert und arbeitet unter anderem für die Deutsche Bahn. Die Technische Hochschule Brandenburg beschreibt GBM als Unternehmen der General Atomics Europe-Gruppe und nennt den Standort Kirchmöser als zukunftssicheren Standort. In diesem Jahr hat die GBM einen Auftrag zur Modernisierung von 20 weiteren Gleisarbeitsfahrzeugen vom Typ GAF 100 für die DB AG erhalten bzw. öffentlich gemacht. Auch die aktuelle Ausbildungswerbung des Unternehmens ist bemerkenswert: GBM wirbt weiterhin um Nachwuchskräfte und bezeichnet die beruflichen Perspektiven als gut bzw. zukunftssicher.

Besuch Frank Skorzus am 13.08.

GBM-Streik: „Die ganze EVG schaut auf euch“

Montagvormittag in Kirchmöser, die Kolleg:innen bei der Gleisbaumechanik starten in ihre vierte Streikwoche. Zum Wochenbeginn ist erneut ein Besucher bekommen. Und er hat Botschaften mitgebracht – an die Streikenden, aber auch an den Arbeitgeber.

„Es liegt nicht an euch, dass sich dieser Arbeitskampf in die Länge zieht“, sagt Sebastian Rüter, Vorsitzender des EVG-Landesverbandsvorstandes Brandenburg. „Es liegt ausschließlich am Arbeitgeber. Und ich denke, irgendwann wird der Arbeitgeber verstehen, was hier passiert und dass er seine Gewinnziele ohne euch vergessen kann.“ Die Geschäftsführung von GBM, so Sebastian, „weiß, wie er die EVG erreichen kann.“

Er selbst sei am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub sogleich nach Kirchmöser gereist, um die Streikenden zu besuchen und zu unterstützen. „Ich freue mich, dass ihr alle hier auch am Anfang der vierten Woche hier steht. Wir sind wahnsinnig stolz auf euch, dass ihr in einem so relativ kleinen Unternehmen so präsent und so kämpferisch seid. Die ganze EVG schaut auf euch!“

„Irgendwann wird der Arbeitgeber verstehen, was hier passiert und dass er seine Gewinnziele ohne euch vergessen kann.“ Sebastian Rüter, Vorsitzender des EVG-Landesverbandsvorstandes Brandenburg

Auch Enrico Seeher freut sich über die Soli-Botschaften und die Spenden aus der ganzen EVG. „Ich bin wirklich positiv überrascht über die vielen Solidaritätsbekundungen von so vielen Ortsverbänden und Betriebsgruppen und anderen Gremien. Ich sage herzlichen Dank dafür! Es ist toll zu sehen, wie gut unsere Wahrnehmung und wie groß die Solidarität in der EVG ist.“

Enrico ist Vorsitzender der Betriebsgruppe und hat aus dem Urlaub heraus über die Homepage der EVG und über die sozialen Medien das Geschehen in Kirchmöser verfolgt. „Wir sind gut organisiert, die Moral ist gut, ich bin positiv überrascht, dass so viele Kolleg:innen so gut durchhalten und dass die Stimmung immer noch kämpferisch ist.“

Von Anfang an dabei ist Florian Pagels. „Es sind immer genügend Leute vor Ort. Der Arbeitgeber sollte langsam mal die Zeit finden, um sich bei der EVG zu melden, damit wir endlich zu einem Tarifabschluss kommen können“, sagt der junge Kollege, der sich inzwischen auch mehrfach als Streikposten hat aufstellen lassen. „Wir würden eigentlich lieber arbeiten, aber nicht zu diesen Bedingungen. Deswegen halten wir durch – solange, bis ein vernünftiges Angebot vom Arbeitgeber kommt.“

Besuch Sebastian Rüter am 10.08.

„Das gibt noch einmal richtig Schwung“

Streiktag 18 bei Gleisbaumechanik Brandenburg (GBM). Ein besonderer. Denn die Kolleg:innen bekommen Besuch von Kolleg:innen. EVG-Mitglieder aus drei Betriebsgruppen haben sich aufgemacht nach Kirchmöser, um ihre Solidarität zu zeigen und den Streikenden den Rücken zu stärken. Eine Geste, die die Stärke der EVG zeigt.

Dieser Donnerstagvormittag fühlt sich nicht nur hochsommerlich warm an. Sondern auch sehr rot. Sehr kämpferisch. Und sehr EVG. Denn nicht nur haben sich erneut mehrere Dutzend EVG-Mitglieder vor dem Verwaltungsgebäude der GBM eingefunden. Plötzlich wird es laut, ein unerwarteter kleiner Demo-Zug biegt von der Straße aus ein, mit roten Streikwesten, Fahnen, Rasseln und Tröten. Applaus brandet auf. EVG-Mitglieder der Betriebsgruppen von Abellio, WestfalenBahn und Eurobahn haben ein gemeinsames Seminar in Berlin unterbrochen, um den streikenden Kolleg:innen in Kirchmöser einen Besuch abzustatten.

„Schön, dass ihr da seid.“ Hände werden geschüttelt. Zwei Minuten später haben sich die Überraschungsbesucher unter die Besuchten gemischt, es beginnen überall lebhafte Gespräche. Die Besuchenden haben Streikerfahrung, wie Rico Heinemann in einer kurzen Begrüßungsansprache sagt, BG-Vorsitzender von Abellio: „Vor drei Jahren haben wir 52 Stunden am Stück gestreikt. Aber was ihr hier abreißt, ist aller Ehren wert und hat unsere volle Unterstützung.“

„Ich halte noch lange durch“, sagt ein GBM-Kollege. „Und wenn ich im Winter hier mit Feuertonnen stehe.“ Ein anderer Kollege definiert klar den Kern des Konflikts: „Wir streiken, weil der Arbeitgeber nicht mit der EVG reden will.“ Die individuellen Angebote der Geschäftsführung an die einzelnen Beschäftigten zeigten, dass es GBM wirtschaftlich gut geht. „Aber wir wollen weiter die EVG im Rücken haben. Was nützen individuelle Zusagen, wenn die nur bis 2028 gelten? Was passiert danach? Nur mit einer Gewerkschaft kann man den Tarifvertrag weiterentwickeln.“ Eine andere Kollegin sieht die Deutsche Bahn auch in diesem Tarifkonflikt in der Pflicht. „GBM ist Dienstleister für die InfraGO. Aber der Service liegt mittlerweile völlig lahm. InfraGO sollte langsam mal Stress machen.“

Susanne Bauer ist erst vor kurzem aus dem Urlaub zurück und hat keine Sekunde gezögert, sich dem Streik anzuschließen. „Ich bin voll motiviert, mich mit meinen Kollegen zusammen dafür einzusetzen, dass wir fair bezahlt werden: nach Tarif. Es geht um mehr Entgelt, aber auch um Wertschätzung. Ich nehme am Streik teil, weil ich auch ein klares Statement on Richtung Geschäftsführung setzen will: Dass es so nicht geht.“ Den Besuch der drei BGen wertet sie als „wirklich tolle Überraschung“ und ein weiterer Kollege meint: „Das gibt uns nach fast drei Wochen noch einmal richtig Schwung.“

Früher Nachmittag, die Kolleg:innen aus NRW und Sachsen-Anhalt machen sich wieder auf den Weg nach Berlin. Auch sie nehmen ein gutes Gefühl mit. „Wir haben uns hier sehr willkommen und sehr wohl gefühlt. Und wer weiß, vielleicht werden wir in unserer bevorstehenden Tarifrunde auch Unterstützung aus anderen Betriebe brauchen.“   

„Ihr seid kein Kosten- sondern ein Erfolgsfaktor“

30.07. Besuch von Martin Burkert

Im Tarifkonflikt mit der Gleisbaumechanik Brandenburg GmbH (GBM) in Kirchmöser greift der Arbeitgeber in die Trickkiste mit der Aufschrift „Unfair“. Allerdings hat dies keinen Erfolg auf die Motivation der Kolleginnen und Kollegen im Ausstand. Im Gegenteil. Davon konnte sich am Donnerstag auch der EVG-Vorsitzende Martin Burkert überzeugen.   

„Wer glaubt, man könne den Zusammenhalt dieser Belegschaft aussitzen oder euch gegeneinander ausspielen, der irrt“, ruft Burkert vor dem Sitz der GBM-Geschäftsführung. Auch durch die geschlossenen Fenster ist seine Botschaft hoffentlich auch in der Chefetage klar zu vernehmen. Trillerpfeifen, Rasseln und Pfiffe der Streikenden unterstützen sie und machen unmissverständlich klar: Die Belegschaft steht zusammen.

Für Burkert war es wichtig, die Streikenden persönlich zu bestärken. „Wir meinen es ernst und werden nicht nachlassen, diesen Tarifstreit in eurem Sinne erfolgreich zu beenden.“ Zugleich machte er deutlich, welchen Stellenwert die Arbeit der Beschäftigten für die Zukunft der Eisenbahn hat.

Wenn über die Zukunft der Eisenbahn gesprochen wird, werden sie oft vergessen wird: Sanierung und Erneuerung funktionieren nicht ohne Menschen, die ihr Handwerk beherrschen. „Deshalb seid ihr, die Kolleginnen und Kollegen der GBM, kein Kostenfaktor. Ihr seid der Erfolgsfaktor.“ Dass die Auftragsbücher gut gefüllt und die Bilanzen positiv seien, komme nicht von ungefähr. „Es ist absolut gerechtfertigt, wenn ihr fair am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden wollt.“

Während die Beschäftigten für einen Tarifvertrag kämpfen, verschärft die Geschäftsführung offenbar weiter den Konflikt. Beschäftigte berichten übereinstimmend, ihnen sei sinngemäß vermittelt worden, wer unzufrieden sei, könne das Unternehmen verlassen, es würden Individualverträge angeboten und Auszubildende hätten den Eindruck gewonnen, eine Unterstützung des Arbeitskampfes könne ihrer späteren Übernahme schaden. Die EVG nimmt diese Schilderungen sehr ernst.

Besonders kritisch sieht die EVG Hinweise, wonach während des laufenden Arbeitskampfes Leiharbeitskräfte für bestreikte Bereiche eingesetzt oder deren Einsatz vorbereitet werden könnten. Sollte sich dies bestätigen, wird die Gewerkschaft den Vorgang rechtlich prüfen lassen.

Die EVG appelliert erneut an die Geschäftsführung der GBM, den Konflikt nicht weiter zu eskalieren. Ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen sollte seine Zukunft gemeinsam mit seinen Beschäftigten gestalten, nicht gegen sie.

Die GBM gehört zu den bedeutenden Herstellern von Gleisbau- und Schieneninstandhaltungstechnik in Deutschland. Zu ihren wichtigsten Auftraggebern zählt die Deutsche Bahn. Auch hier wurde bereits signalisiert, dass man den Tarifkonflikt aufmerksam verfolgt. 

Für die Beschäftigten in Kirchmöser geht deshalb eine einfache Botschaft an den Arbeitgeber: Wer einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb dauerhaft sichern will, darf diejenigen nicht kleinrechnen, die das jeden Tag möglich machen.

„Tarifflucht geht mit uns gar nicht“

Streiktag 3 bei GBM Gleisbaumechanik Brandenburg. Zeit, noch einmal die Entschlossenheit der Streikenden zu untermauern. Zeit, auf die Straße zu gehen. Mit einer Demonstration und einer Kundgebung zeigt die EVG, zeigen die Beschäftigten, dass es ihnen ernst ist.

„Leute, wann jeht’s los?!“, schallt es über den Parkplatz gegenüber dem Verwaltungsgebäude der GBM. Hier haben sich am Donnerstag um 10 Uhr schon einige Kolleg:innen versammelt. Tag 3 des Arbeitskampfes bei GBM, und die Stimmung ist weiterhin gut. Erst werden rote T-Shirts mit der Aufschrift „Ohne Tarif – ohne uns.“ verteilt. Und dann geht’s los: Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung.

Nicht nur die alte Dampflok, an der wir vorbeiziehen, zeugt von der großen Eisenbahntradition Kirchmösers. Die Straßen heißen hier Bahntechnikerring oder Zum Alten Lokwerk. Seit über 100 Jahren lebt und wächst Kirchmöser mit der Eisenbahn. GBM ist ein Teil davon. Und so soll es bleiben – das zeigen auch die Reaktionen der Passant:innen. Daumen werden gereckt, es wird gehupt und gewunken.

„Das Problem ist, dass dieser Arbeitgeber uns nicht mag.“ Justin Witzeck, Verhandlungsführer der EVG. 

Auf der abschließenden Kundgebung, wieder vor dem Verwaltungsgebäude, gießt Andrea Wylegala den Streikenden Beton in den Rücken. „Respekt dafür, dass ihr diesen Arbeitskampf so durchsteht“, sagt sie, die den Wahlkreis Potsdam im Bundesvorstand vertritt. Scharf kritisiert sie die Strategie des Arbeitgebers, den Kolleg:innen individuelle Arbeitsverträge anzubieten. „Das ist Tarifflucht, und das geht mit uns gar nicht.“ Sie erinnert daran, dass GBM ein wichtiger Partner der Deutschen Bahn ist und dass die DB wesentlich mit öffentlichen Geldern arbeitet. „Und öffentliche Gelder an Dienstleister weitergeben, die nicht tarifgebunden sind? Darüber muss man sich dann mal Gedanken machen.“

„Das Problem ist, dass dieser Arbeitgeber uns nicht mag“, unterstreicht auch der Verhandlungsführer der EVG, Justin Witzeck. „Geld ist ja offenbar da. Er will aber beweisen, dass es auch ohne Gewerkschaft geht. Damit dürfen sie nicht durchkommen, sonst probieren sie es wieder und wieder. Deswegen müssen wir diesen Arbeitskampf gewinnen und können das auch.“

Kaum aus dem Urlaub zurück, nimmt Florian Pagel am Streik und an der Demo teil. „Ich sehe nicht ein, dass wir ohne tarifliche Vereinbarung hier individuelle Arbeitsverträge haben sollen. Ohne die EVG wird es keine Vereinbarung geben“, sagt er. „Der AG sollte jetzt auf die EVG zugehen und ein Angebot unterbreiten, dann können wir auch zu einer Einigung kommen.“

„Ich will den Arbeitgeber jetzt nicht einfach so durchkommen lassen, so wie er uns entgegengetreten ist." Benjamin Künn.

Einen individuellen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, kommt auch für Susann Woyn nicht in Frage. „Wir wissen ja nicht, was nach 2028 passiert.“ Denn solange garantiert der Arbeitgeber die Lohnerhöhung, die er den Beschäftigten zusagt. Danach aber soll „geprüft werden“, ob es weitere Entgeltsteigerungen gibt. „Mit der EVG sind wir abgesichert, dass es immer gute Tarifsteigerungen geben wird.“ Für Susann ist es das erste Mal, dass sie an einem unbefristeten Streik teilnimmt „und es ist schon ein komisches Gefühl. Ich sehe aber, dass wir alle sehr gut zusammenhalten.“

Der Zusammenhalt ist da. Hier und heute macht der Arbeitgeber keine Punkte. Von Tag zu Tag hat die Zahl der Streikenden zugenommen, und wenn nächste Woche wieder einige Kolleg:innen aus dem Urlaub zurückkommen, wird die Zahl nochmal steigen. Unsere Streikfront steht. Und ist sogar noch etwas fester geworden: Zwei Kollegen sind heute in die EVG eingetreten. Einer von ihnen ist Benjamin Künn. „Ich will den Arbeitgeber jetzt nicht einfach so durchkommen lassen, so wie er uns entgegengetreten ist. Auch wenn es wehtut. Deswegen reihe ich mich hier ein.“

Die Beschäftigten der GBM befinden sich seit Dienstag mit Unterstützung der EVG im Ausstand. Vier vorausgegangene Warnstreiks hatten den Arbeitgeber nicht dazu bewegt, auf die tariflichen Forderungen der EVG einzugehen.

Zu den Forderungen an die GBM zählen unter anderem eine spürbar bessere Entlohnung, höhere Ausbildungsvergütungen, die Einführung des EVG-Wahlmodells mit der Möglichkeit, zwischen mehr Geld, einer Arbeitszeitverkürzung oder drei zusätzlichen Urlaubstagen zu wählen, sowie faire Arbeitsbedingungen und soziale Sicherungsregelungen.

Demo in Kirchmöser, 23. Juli

Fotos vom Auftakt am 21. Juli

Solidaritätsbekundungen

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