Nach der Begrüßung durch Abellio-Geschäftsführer Sven Jamelle und einer Führung durch die Werkstatt unter Leitung von Werkstattleiter Carsten Meinicke diskutierten Vertreter:innen der EVG, Beschäftigte aus verschiedenen Eisenbahnunternehmen sowie die Europaabgeordnete über die drängenden verkehrspolitischen Themen der Branche.
Die EVG machte deutlich, dass der erhebliche Sanierungsbedarf der Schieneninfrastruktur eine Folge jahrelanger Unterfinanzierung ist und maßgeblich zu den aktuellen Problemen bei der Pünktlichkeit beiträgt. Gleichzeitig verwies die Gewerkschaft darauf, dass Eisenbahnverkehrsunternehmen trotz infrastrukturbedingter Verspätungen häufig mit finanziellen Sanktionen belastet werden. Die EVG fordert deshalb eine verlässliche und langfristige Finanzierung der Schieneninfrastruktur über mehrere Jahre hinweg.
Ein weiterer Schwerpunkt war die zunehmende Gewalt und Aggression gegenüber Beschäftigten im öffentlichen Verkehr. Die EVG stellte die Ergebnisse ihrer jüngsten Befragungen sowie ihre Forderungen an Politik und Unternehmen vor. Dazu gehören insbesondere eine Doppelbesetzung der Züge sowie das Ende von Alleinarbeit im Kunden- und Sicherheitsbereich. Eine betroffene Kollegin berichtete eindrucksvoll von ihren persönlichen Erfahrungen.
Ebenfalls diskutiert wurden die Ausschreibungspraxis und der Wettbewerb im Schienenpersonennahverkehr, die Auswirkungen steigender Trassenpreise, die Entwicklungen im Fernverkehr durch neue Marktteilnehmer sowie die schwierige Situation von DB Cargo und deren Bedeutung für den europäischen Schienengüterverkehr.
Einigkeit bestand darüber, dass der Schienenpersonen- und Schienengüterverkehr Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ist und auf nationaler wie europäischer Ebene verlässliche politische Rahmenbedingungen benötigt.
Auch zu aktuellen europäischen Gesetzgebungsvorhaben, darunter die Themen Rail Ticketing, multimodales Buchen, die Train Drivers Directive sowie militärische Mobilität und Schienengüterverkehr, fand ein intensiver Austausch statt. Dieser soll nach der Sommerpause in Brüssel fortgesetzt werden.
Für die EVG nahmen Vertreter:innen des Landesverbands Sachsen-Anhalt, der Geschäftsstelle Halle, verschiedener Betriebsgruppen sowie aus den Bereichen Europa und Internationales an dem Gespräch teil. Die EVG, der Landesverband Sachsen-Anhalt und die Geschäftsstelle Magdeburg begrüßen den weiteren Dialog mit der Europaabgeordneten.
EVG im Austausch mit Europaabgeordneter Alexandra Mehnert in Sangerhausen
Auf Einladung der EVG besuchte die Europaabgeordnete Alexandra Mehnert (CDU) gemeinsam mit ihrem Wahlbüroleiter Gereon Ryssel Ende Juli die Abellio-Werkstatt in Sangerhausen. Im Mittelpunkt des Treffens standen aktuelle Herausforderungen und Zukunftsfragen des Schienenverkehrs auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.
