Am ersten Juliwochenende 1926 fand in Weimar der erste Reichsparteitag der NSDAP nach ihrer Neugründung statt. Demonstrativ zogen Adolf Hitler und seine Anhänger in das Deutsche Nationaltheater ein – jenem Ort, an dem sieben Jahre zuvor die Weimarer Verfassung verabschiedet worden war. Neben einer langen Rede wurde während dieses Parteitages auch die Hitlerjugend gegründet. Der 3. und 4. Juli 1926 gelten als wichtige Daten im Aufstieg des Nationalsozialismus. Die Folgen sind bekannt.
Das Erinnern an die Zeit des Nationalsozialismus – an Leid, Verfolgung, Unterdrückung, Vernichtung und Krieg sowie an die Zerschlagung von Gewerkschaften und demokratischen Mitbestimmungsstrukturen – erhält nun eine aktuelle Dimension.
Die AfD hat für ihren Bundesparteitag den 3. und 4. Juli gewählt und diesen nach Thüringen gelegt – nur wenige Kilometer vom historischen Ort entfernt. Veranstaltungsort ist die Messe Erfurt. Dass diese Termin- und Ortswahl als Provokation wahrgenommen wird, liegt nahe, auch wenn dies von der Parteiführung bestritten wird. „Für wie dumm halten die uns alle eigentlich!“, formulierte es die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler (CDU).
Gleichzeitig positioniert sich die Zivilgesellschaft: Das demokratische und vielfältige Erfurt organisiert parallel ein weltoffenes Wochenende in der Innenstadt – mit zahlreichen Aktionen, Begegnungen und Angeboten. Im Mittelpunkt stehen Gemeinschaft, Solidarität und ein sichtbares Eintreten für Menschenwürde und Vielfalt.
Auch Möglichkeiten für aktiven und friedlichen Protest gegen die Veranstaltung werden geschaffen.
Die Position der EVG zur AfD ist klar: Sie sieht in der AfD eine Partei, die Demokratie, Menschenwürde und die Grundlagen des Sozialstaates angreift. Deshalb hat sich der Thüringer Landesverband der EVG dem entsprechenden Bündnis angeschlossen.
Es geht um die Bewahrung und Verteidigung unserer Grundwerte. Aus dem Wissen um unsere Geschichte und in Verantwortung für die Zukunft darf kein Schweigen herrschen.
Die EVG ruft dazu auf, sich zu beteiligen: Jetzt müssen progressive Kräfte – Gewerkschaften, Sozialverbände sowie Initiativen aus den Bereichen Klima, Gleichstellung, Antidiskriminierung und Frieden – zusammenkommen, sich vernetzen und gemeinsam aktiv werden.
Lassen wir nicht zu, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung das demokratische Gemeinwesen untergraben. Unterstützen wir unsere Kolleginnen und Kollegen in Thüringen am ersten Juliwochenende. Erfurt ist bunt.
Der EVG Landesverband Thüringen unterstützt das Bündnis „Zusammenstehen“ und ruft ebenso zur Teilnahme an der Kundgebung auf. Interessierte können sich über folgenden Link anmelden.
Sämtliche Informationen rund um das Bündnis Zusammenstehen findet ihr auf dieser Website.
