Die EVG trauert um Ulrich „Uli“ Nölkenbockhoff

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem langjährigen Kollegen, Gewerkschafter und Freund Ulrich „Uli“ Nölkenbockhoff, der am 11. September 2026 nach langer schwerer Krankheit verstorben ist.

Ein Schwarz-Weiß-Porträt zeigt eine Person mit Brille in formeller Kleidung vor einem dunklen grafischen Hintergrund. Die Aufnahme zeigt Kopf, Schultern und den oberen Teil des Oberkörpers. Die Person trägt ein Sakko, ein gestreiftes Hemd und eine gemusterte Krawatte. Die Person blickt in Richtung Kamera. Das Bild ist als Freisteller gestaltet, sodass sich die dargestellte Person deutlich vom Hintergrund abhebt.

Mit Uli verlieren wir einen Menschen, der die Gewerkschaftsarbeit über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Einen Kollegen, der nicht nur Verantwortung übernommen, sondern Gewerkschaft gelebt hat – mit Überzeugung, mit Herz und immer nah bei den Menschen.

Sein gewerkschaftlicher Weg führte ihn von der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GDED) über die TRANSNET bis zur heutigen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Veränderungen unserer Organisation hat Uli über viele Jahrzehnte nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet. Bei allem Wandel blieb für ihn eines unverändert: Im Mittelpunkt standen immer die Kolleginnen und Kollegen.

Bereits 1982 wurde Uli in den Personalrat des Bahnhofs Lünen gewählt. Mit der Bahnreform und der Gründung der Deutschen Bahn AG übernahm er erneut Verantwortung und war 1994 maßgeblich an der Gründung des ersten Betriebsrates bei der Deutschen Bahn AG beteiligt. Damit gehörte er zu den Gewerkschaftern, die in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen dafür sorgten, dass Mitbestimmung und Beschäftigteninteressen auch in den neuen Strukturen der Bahn ihren festen Platz behielten.

Ein besonderer Schwerpunkt seines gewerkschaftlichen Lebens war die Beamtenpolitik. Uli war Sprecher des Beamtenpolitischen Ausschusses der EVG und über zwei Jahrzehnte im Besonderen Hauptpersonalrat bei der Präsidentin des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) aktiv, dessen Vorsitz er schließlich übernahm.

Dabei ging es ihm nie lediglich um Ämter oder Funktionen. Uli wollte ganz konkret etwas für die Menschen erreichen. Beförderungsmöglichkeiten, berufliche Perspektiven, Wertschätzung, gerechte Regelungen bei Schicht- und Wechseldienst sowie die besonderen Belange der der Deutschen Bahn zugewiesenen Beamtinnen und Beamten waren Themen, für die er mit großer Beharrlichkeit eintrat.

Auch die Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten (KVB) lag ihm besonders am Herzen. Uli gehörte dem Vorstand der KVB an und brachte dort die Interessen der Versicherten und der Beschäftigten mit seiner großen Erfahrung ein. Noch bei den Organwahlen 2021 wurde er von der EVG ausdrücklich als ausscheidendes Vorstandsmitglied gewürdigt. In seine aktive Zeit fiel auch die zunehmende Digitalisierung der KVB und die Einführung der E-KVB. Für Uli war dabei entscheidend, dass Modernisierung kein Selbstzweck sein durfte. Neue Verfahren mussten für die Menschen funktionieren, Bearbeitungszeiten verbessern und den Versicherten tatsächlich zugutekommen. Bereits 2015 setzte er sich öffentlich mit den Bearbeitungszeiten der KVB und den Erfahrungen mit der damaligen E-KVB auseinander.

Am 1. Juni 2022 trat Uli als Beamter in den Ruhestand. Ruhestand bedeutete für ihn jedoch keineswegs, sich aus der gewerkschaftlichen Arbeit zurückzuziehen.

Gerade in den vergangenen Jahren prägte er als Vorsitzender des EVG-Ortsverbandsvorstands Dortmund die Gewerkschaftsarbeit vor Ort. Mit seiner Erfahrung, seiner klaren Haltung, seinem politischen Gespür und vor allem seinem offenen Ohr war er für viele Kolleginnen und Kollegen Ansprechpartner, Ratgeber und Freund. Er kannte die Sorgen der aktiven Beschäftigten ebenso wie die Anliegen der Ruheständler und hatte dabei stets den Blick über den eigenen Bereich hinaus. Uli verstand Gewerkschaft nie ausschließlich als Interessenvertretung im Betrieb. Für ihn gehörten Mitbestimmung, soziale Gerechtigkeit, Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung untrennbar zusammen.

Diese Haltung lebte er auch außerhalb der Gewerkschaft. Er engagierte sich kommunalpolitisch für die SPD in seiner Heimatgemeinde Nordkirchen und gehörte von 2009 bis 2014 dem Rat der Gemeinde an. Auch dort brachte er sich in verschiedene kommunalpolitische Aufgaben und Ausschüsse ein.

Für sein jahrzehntelanges Engagement wurde Uli im November 2024 von der DGB-Region Dortmund-Hellweg mit der Alfred-Gundlach-Medaille ausgezeichnet. Diese besondere Ehrung wird Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern verliehen, die sich in herausragender Weise um den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften verdient gemacht haben. 

Uli war auch Musiker aus Leidenschaft. Mit dem Trio Oparolis war er über Jahrzehnte hinweg weit über seine Heimat hinaus bekannt. Fast 36 Jahre lang gehörten die Oparolis zum kulturellen Leben der Region, bevor sie sich 2013 von der Bühne verabschiedeten.

Wir verlieren mit Ulrich „Uli“ Nölkenbockhoff einen überzeugten Gewerkschafter, einen leidenschaftlichen Interessenvertreter, einen politischen Menschen, einen Musiker, einen verlässlichen Weggefährten und einen Freund. Sein Wirken und seine Persönlichkeit werden uns fehlen. Was er für unsere Gewerkschaft und für die Kolleginnen und Kollegen geleistet hat, wird bleiben.

Unsere Gedanken und unsere tiefempfundene Anteilnahme gelten seiner Familie, seinen Angehörigen, seinen Freunden und allen Menschen, die ihm nahestanden.

Danke, Uli, für all die Jahre, für Deinen Einsatz, Deine Haltung, Deinen Rat und Deine Freundschaft. Wir werden Dich nicht vergessen.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft wird Ulrich „Uli“ Nölkenbockhoff ein ehrendes Andenken bewahren.

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