Tatsächlich hat Erika über viele Jahre hinweg Spuren hinterlassen; als Gewerkschafterin, als Interessenvertreterin und als engagierte Mitstreiterin für mehr Chancengleichheit. In einem lange Zeit männlich geprägten Berufsumfeld setzte sie sich beharrlich für die Belange ihrer Kolleginnen und Kollegen ein. Besonders ihr ehrenamtliches Engagement für die Gleichstellung von Frauen hat wichtige Veränderungen angestoßen und geprägt.
Ihre berufliche Laufbahn begann 1974 mit einer Ausbildung im Stellwerksdienst der Deutschen Reichsbahn. Später absolvierte sie berufsbegleitend ein Studium und schloss als Verkehrsingenieurin ab. Neben ihrer Arbeit engagierte sie sich als Gewerkschafterin im Personalrat, später im Betriebsrat und Gesamtbetriebsrat von DB Cargo.
Ab 1992 übernahm sie Verantwortung in den Frauengremien der Berliner EVG – ein Engagement, das bis heute anhält. Von 1992 an brachte sie ihre Erfahrung zudem in die Bundesfrauenleitung der EVG ein, ab 1997 bis 2022 dann als Vorsitzende des Gremiums. Zu den wichtigen Erfolgen, an denen sie maßgeblich beteiligt war, zählt die Einführung der ersten Frauenquote innerhalb der Gewerkschaft.
Als Fragen von sexueller Belästigung und Diskriminierung stärker in den gesellschaftlichen Fokus rückten, gehörte Erika Albers zu denjenigen, die das Thema innerhalb der EVG konsequent vorantrieben. Heute ist die EVG im Bündnis gegen Sexismus vertreten und setzt sich für die Umsetzung der ILO-Konvention 190 gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt ein und unterstützt das europäische Abkommen „Women in Rail“.
Auch auf europäischer Ebene war ihr Einsatz gefragt und wurde sehr geschätzt. Viele Jahre beteiligte sie sich an den Treffen der Frauensektion der deutschsprachigen Verkehrsgewerkschaften, brachte ihre betriebliche und gewerkschaftliche Expertise in Beratungen des Europäischen Parlaments und des europäischen sozialen Dialogs ein und vertrat die EVG bei Konferenzen der Internationalen Transportarbeiter-Föderation.
„Wir als EVG sind stolz darauf, dass wir mit Erika eine Frau als Vorbild für viele Menschen in unseren Reihen haben“, sagte die stellvertretende EVG-Vorsitzende Cosima Ingenschay bei einem anschließenden Empfang.
Nach dem Engagement in der Bundesfrauenleitung übernahm Erika den Vorsitz des Arbeitskreises EVG Geschichte. Mit fast 74 Jahren organisiert und begleitet sie regelmäßig Gedenkstättenfahrten, unter anderem nach Auschwitz. Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen sind ihr ein besonderes Anliegen. In Seminaren an der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück sowie bei bundesweiten Vorträgen engagiert sie sich weiterhin mit großer Leidenschaft. Zudem ist sie an den Recherchen zum Widerstand von Eisenbahngewerkschafter:innen gegen das damalige NS-Regime beteiligt. Ergebnis dieser wertvollen Recherche ist nicht zuletzt der Gedenkort in der Berliner EVG-Zentrale.
Bei all ihrem Engagement ist Erika Albers für viele weit mehr als eine engagierte Gewerkschafterin. Sie ist Mutter, Oma und für ihre Familie eine verlässliche, liebevolle Begleiterin. Ihre Enkelinnen beschreiben sie als „die beste Oma der Welt“. Sie sei stets interessiert an den Menschen um sie herum – Eigenschaften, die auch ihr ehrenamtliches Wirken prägen.
Erika selbst richtete den Blick bei der Verleihung nicht auf ihre eigene Person, sondern auf die vielen Menschen, die sie über die Jahre begleiteten. „Ich habe diesen Orden nicht alleine verdient. Ich darf ihn für alle diejenigen annehmen, die mit mir zusammen für die Rechte der Frauen und die anderen Themen gekämpft haben. Ich habe nicht vor, aufzuhören. Machen wir einfach weiter“.