Bezahlbarer Wohnraum für Azubis: Erster Erfolg erkämpft – jetzt weiter Druck machen!

Die EVG-Jugend Berlin hat gemeinsam mit den Jugendstrukturen unserer Schwestergewerkschaften und der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg jahrelang für bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende gekämpft. Dieser Einsatz hat sich ausgezahlt: Mit der Eröffnung des ersten Berliner Azubiwohnheims zum Ausbildungsjahr 2026 ist ein bedeutender gewerkschaftlicher Erfolg gelungen.

Drei Personen stehen auf einem Balkon oder einer Terrasse vor einer Fassade mit vielen Balkonen und Fenstern. Eine Person links trägt eine dunkle Jacke und einen großen dunklen Ohrring, die Person in der Mitte trägt einen dunklen Blazer über einem weißen Hemd, die Person rechts ein hell gestreiftes Sakko über einem weißen Oberteil. Im Hintergrund sind mehrstöckige Wohngebäude zu sehen.

Doch bei aller Freude ist klar: Das ist nicht das Ende des Kampfes, sondern erst sein Anfang. Der Berliner Wohnungsmarkt ist seit Jahren von explodierenden Mieten, Wohnraummangel und sozialer Ungerechtigkeit geprägt. Besonders Auszubildende geraten dabei immer stärker unter Druck. Wer von einer Ausbildungsvergütung leben muss, kann sich die oft absurden Mietpreise für WG-Zimmer und kleine Wohnungen kaum noch leisten. Während bezahlbarer Wohnraum verschwindet, müssen viele junge Menschen lange Pendelzeiten in Kauf nehmen oder stehen vor der Frage, ob sie ihre Ausbildung in Berlin überhaupt antreten können.

Genau deshalb ist gewerkschaftlicher Druck notwendig – und erfolgreich. Mit dem neuen Azubiwohnheim an der Landsberger Allee entstanden zunächst 154 dringend benötigte Wohnplätze zu einer bezahlbaren Miete von 340 Euro inklusive aller Nebenkosten. Damit wird erstmals ein konkretes Gegenmodell zu einem Wohnungsmarkt geschaffen, der die Bedürfnisse vieler Auszubildender längst ignoriert.

Auch die Berliner Politik hat dabei Verantwortung übernommen. Bei der Eröffnung unterstrich Senatorin Cansel Kiziltepe (SPD): „Wir müssen Auszubildenden gute Lebensbedingungen in unserer Stadt bieten, wenn wir sie als Fachkräfte von morgen gewinnen wollen. Azubis können sich WG-Zimmer für 600 € und mehr nicht leisten. Wir beweisen mit unseren ersten eigenen Azubiwohnungen für 340 € Miete im Monat, dass bezahlbarer Wohnraum schnell und unbürokratisch geschaffen werden kann. Es darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, ob ein junger Mensch gut wohnen kann. Mit dem Azubiwohnheim schaffen wir sichere, faire und bezahlbare Wohnplätze für junge Menschen, die in Berlin ihren Berufsweg starten.“

Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Gewerkschaften gemeinsam mit politischen Entscheidungsträger:innen an einem Strang ziehen. Ohne den jahrelangen Druck der Gewerkschaftsjugenden und ohne die Bereitschaft der Politik, die Forderungen aufzugreifen und umzusetzen, wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Das Azubiwohnheim ist damit auch ein starkes Beispiel dafür, wie soziale Verbesserungen entstehen: durch Solidarität, beharrliches Engagement und die Zusammenarbeit von Gewerkschaften und Politik.

Wie dringend dieser Schritt war, zeigen die Zahlen: Für lediglich 154 verfügbare Plätze gingen innerhalb eines Monats mehr als 1.200 Bewerbungen ein. Diese enorme Nachfrage macht deutlich, dass der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende um ein Vielfaches größer ist als das bisherige Angebot.
 

Für die EVG ist deshalb klar: Das Azubiwohnheim ist ein großer Erfolg unserer gewerkschaftlichen Arbeit und ein erster Schritt. Wir werden uns gemeinsam mit unseren Schwestergewerkschaften weiter dafür einsetzen, dass deutlich mehr Wohnplätze geschaffen, das geplante Azubiwerk konsequent ausgebaut und bezahlbares Wohnen als zentrale soziale Frage der Ausbildungspolitik verstanden wird.

Unsere Antwort auf den Berliner Wohnungsmarkt heißt Solidarität statt Verdrängung. Junge Menschen dürfen nicht davon abhängig sein, wie viel Geld ihre Eltern haben oder ob sie auf dem freien Markt noch ein bezahlbares Zimmer finden. Gute Ausbildung braucht gute Lebensbedingungen. Dafür haben wir einen wichtigen Erfolg errungen – und dafür werden wir weiterkämpfen.

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