Zu Beginn der 1970er Jahre wurde Gewalt gegen Frauen öffentlich kaum diskutiert. Frauen wurde unterstellt, es sei ihr persönliches Pech – sie seien selbst schuld. Der Frauenbewegung ist es zu verdanken, dass das Thema zunehmend ins öffentliche Bewusstsein rückte und heute politisch debattiert wird.
1976 fand in Brüssel ein internationales Tribunal von 1.500 Frauen statt, auf dem Anklage gegen verschiedene Formen der Gewalt erhoben wurde. Englische Teilnehmerinnen berichteten vom Frauenhaus Chiswick Women's Aid in London, gegründet 1971.
Dieses Tribunal gab entscheidende Impulse für Aktionen gegen Gewalt an Frauen, Sexismus und Belästigung sowie die pornografische Darstellung von Frauenkörpern. Frauennotrufe wurden eingerichtet, erste Initiativen zur Gründung von Frauenhäusern formierten sich.
In Westberlin schlossen sich Sozialwissenschaftlerinnen, Sozialarbeiterinnen, Erzieherinnen und Hausfrauen zusammen. Gemeinsam mit Vertreterinnen aus dem öffentlichen Leben gründeten sie den Verein zur Förderung des Schutzes misshandelter Frauen e.V. Der Westberliner Senat stellte eine Villa in Grunewald bereit und unterstützte den Verein für einen Zeitraum von über drei Jahren (1. November 1976 bis 31. Dezember 1979) mit jährlich rund 450.000 DM Personal- und Sachkosten. Am 1. November 1976 konnte so das erste autonome Frauenhaus eröffnet werden.
In den vergangenen 50 Jahren hat sich viel getan. Mit der 2011 verabschiedeten und in Deutschland seit dem 1. Februar 2018 verbindlichen Istanbul-Konvention liegt ein völkerrechtliches Instrument zur umfassenden Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen vor. In Artikel 1a heißt es: „Zweck dieses Übereinkommens ist es, Frauen vor allen Formen von Gewalt zu schützen und Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen und zu beseitigen."
Trotzdem ist Gewalt gegen Frauen nach wie vor alltäglich. Bundesweit gibt es etwa 400 Frauenhäuser mit rund 7.800 Plätzen. Im vergangenen Jahr suchten jedoch etwa 13.440 Frauen und 15.280 Kinder/Jugendliche Schutz in Frauenhäusern. Es fehlen weiterhin knapp 12.000 Plätze.
50 Jahre Frauenhäuser – 50 Jahre Hilfe, Rat und Schutz
Alle zwei bis drei Tage tötet ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin. Fast täglich gibt es einen Tötungsversuch. Jede zweite Frau in Deutschland hat bereits psychische Gewalt, jede fünfte auch körperliche Gewalt in einer Partnerschaft erfahren. Nur ein Bruchteil dieser Fälle wird angezeigt.

Illustration KI-generiert