Schon beim Betreten seines Zimmers in der Seniorenresidenz wurden wir mit einem verschmitzten Lächeln empfangen. „Was wollt ihr denn hier?“, fragte Hermann lachend und sorgte damit gleich zu Beginn für eine heitere Stimmung.
Der Jubilar war bestens gelaunt und voller Lebensfreude. Bereits am frühen Morgen hatte die Pflegeleitung der Einrichtung seine Zimmertür liebevoll mit bunten Luftballons geschmückt und ihm damit eine besondere Geburtstagsfreude bereitet.
Ein bewegtes Leben und eine lange Verbundenheit zur Eisenbahn
Hermann Suttrup blickt auf ein langes und ereignisreiches Leben zurück. Nach dem Ende seiner Schulzeit im Jahr 1940 wollte er seinen Berufswunsch verwirklichen und Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn werden. Doch aufgrund einer Augenverletzung blieb ihm die gewünschte Ausbildung zunächst verwehrt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Hermann zum Kriegsdienst eingezogen. Seine Einsätze führten ihn unter anderem nach Afrika, Italien und an verschiedene Frontabschnitte. Erst 1949 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück.
Trotz dieser schweren Jahre verlor er seinen Wunsch, bei der Eisenbahn zu arbeiten, nicht aus den Augen. Nach seiner Rückkehr fand er schließlich seinen Weg zur Bahn. Seine berufliche Laufbahn führte ihn zunächst zum Brückenbauhof Münster und später zum Gleislager nach Osnabrück, wo er bis zu seinem wohlverdienten Renteneintritt am 1. November 1989 tätig war.
Gewerkschafter aus Überzeugung – ein Leben lang
Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand blieb Hermann seiner Gewerkschaft über all die Jahrzehnte treu. Wie wichtig ihm die gewerkschaftliche Gemeinschaft und die Errungenschaften der Arbeitnehmerbewegung sind, machte er bei unserem Besuch mit einer klaren Botschaft deutlich:
„Uns ginge es heute nicht so gut, wenn wir keine Gewerkschaften gehabt hätten, die in der Vergangenheit für uns gekämpft haben und es auch heute noch tun.“
Worte, die zeigen, dass Solidarität, Zusammenhalt und gewerkschaftliche Überzeugung keine Frage des Alters sind. Nach einem herzlichen Besuch und vielen schönen Gesprächen verabschiedete uns Hermann schließlich mit seinem unverwechselbaren Humor und einem zuversichtlichen Wunsch:
„Bis zum nächsten Jahr, dann kommt ihr wieder!“
Lieber Hermann, das machen wir sehr gerne!
Die EVG und die Stiftungsfamilie Osnabrück wünschen dir von Herzen weiterhin viel Gesundheit, Lebensfreude und noch viele schöne Momente. Wir freuen uns schon darauf, im kommenden Jahr gemeinsam deinen 103. Geburtstag zu feiern.
