1. Mai 2026: EVG fordert Respekt, soziale Sicherheit und mehr Schutz für Beschäftigte

Zum Tag der Arbeit hat der EVG‑Vorsitzende Martin Burkert auf der Mai‑Kundgebung in Bremen erneut klare Kante gezeigt. Der 1. Mai sei „nicht nur ein Feiertag, sondern ein Kampftag - für gute Arbeit, für soziale Sicherheit und für Respekt“. Genau dieser Respekt werde den Beschäftigten jedoch zunehmend verweigert.

Eine Person steht hinter mehreren Mikrofonen mit roten Windschützen, auf denen „DGB“ steht. Die Person trägt ein hellblaues Sakko und ein dunkelblaues Hemd. Eine Hand ist erhoben, der Zeigefinger zeigt nach oben. Im Hintergrund sind dunkle Strukturen und rote Lichtakzente sichtbar.

Martin Burkert bei seiner Rede in Bremen

Burkert kritisierte die wachsende Abwertung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern: „Beschäftigte werden zum Problem erklärt: zu teuer, zu oft krank, zu bequem. Das ist respektlos und falsch.“ Forderungen nach längerer Arbeitszeit, Kürzungen im Sozialstaat oder die Infragestellung des 1. Mai als Feiertag seien ein Angriff auf all jene, die das Land tagtäglich am Laufen halten. Klar sei: „Nicht die Beschäftigten sind das Problem, sondern eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die Renditen über die Menschen stellt.“

„Nicht die Beschäftigten sind das Problem, sondern eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die Renditen über die Menschen stellt.“ Martin Burkert, EVG-Vorsitzender

Ein zentrales Thema der Rede war die Sicherheit der Beschäftigten, insbesondere im Verkehrssektor. Burkert erinnerte an den im Dienst getöteten EVG‑Kollegen Serkan Çalar und warnte vor anhaltender Gewalt: „Jede und jeder Dritte Bahnbeschäftigte im Kundenkontakt denkt wegen der Gewalt darüber nach, den Beruf zu wechseln. Das ist ein Alarmsignal.“ Die EVG fordert deshalb mehr Personal, kein Alleinarbeiten im Kundenkontakt, mehr qualifiziertes Sicherheitspersonal und eine deutlich stärkere Präsenz der Bundespolizei. „Sicherheit ist kein Luxus. Sicherheit ist nicht verhandelbar. Wer an der Sicherheit spart, spart auf Kosten von Menschenleben.“

Auch in der Wirtschafts‑ und Industriepolitik forderte Burkert ein Umdenken. Transformation dürfe nicht zum Vorwand für Sozialabbau werden: „Transformation ist kein Freibrief für Arbeitsplatzabbau und Unsicherheit.“ Gute Arbeit brauche Investitionen, Tarifbindung und verlässliche Perspektiven – auch und gerade bei der Bahn. Standortschließungen und Auslagerungen werde die EVG nicht akzeptieren.

„Sicherheit ist kein Luxus. Sicherheit ist nicht verhandelbar. Wer an der Sicherheit spart, spart auf Kosten von Menschenleben.“ Martin Burkert, EVG-Vorsitzender

Abschließend machte Burkert deutlich, wofür die EVG am 1. Mai auf die Straße geht: „Gute Arbeit ist kein Luxus, sie ist unser gutes Recht. Erst unsere Jobs, erst unsere Sicherheit, erst unser Gemeinwohl – dann eure Profite.“ Mit einem klaren Appell schloss er: „Stärker mit uns – für gute Arbeit, soziale Sicherheit, Demokratie und Solidarität.“

In Frankfurt kritisierte die stellvertretende EVG-Vorsitzende Cosima Ingenschay, dass kein Tag vergehe, in dem unter dem Deckmantel von vermeintlichen Reformen nicht eine neue neoliberale Sau durchs Dorf getrieben werde. Da spreche Friedrich Merz frech und kalt von der Basisrente, dem absoluten Minimum. Und wo sagt er das? Bei einem Kongress von Bankern. Angst, statt Sicherheit, das sei die Politik von Friedrich Merz, der sich die Gewerkschaften im DGB entgegenstellten.

„Deshalb sagen wir: Hände weg vom Acht-Stunden-Tag.“ Cosima Ingenschay, stellvertretende EVG-Vorsitzende.

Nicht nur bei den Eisenbahnerinnen und Eisenbahnern sowie den Busfahrerinnen und Busfahrern, die von der EVG vertreten würden, würden die Beschäftigten Überstunden ohne Ende schieben. Viele arbeiteten längst am Limit. Und trotzdem heiße es immer wieder: „wir müssen mehr leisten“. Dabei leisteten viele Beschäftigten längst mehr als gesund sei. „Deshalb sagen wir: Hände weg vom Acht-Stunden-Tag“, so die stellvertretende EVG-Vorsitzende. Was als „Flexibilisierung“ verkauft werde, bedeute in Wahrheit mehr Belastung und weniger Planbarkeit. Der Acht-Stunden-Tag, die Teilzeit aber auch die Lohnfortzahlung seien keine Geschenke. Das seinen Errungenschaften, die von den DGB-Gewerkschaften und ihren Mitgliedern entschieden verteidigt würden, machte Cosima Ingenschay auf dem Frankfurter Römerberg deutlich.

Danilo Kobow, Vorsitzender der Landesjugend, hielt in Magdeburg eine engagierte, politisch akzentuierte Rede. „Wir sind viel zu leise in Deutschland“, sagt er mit Blick auf die steigenden Lebenshaltungskosten, explodierende Energiepreise und die beschlossenen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. „Wo sind die Proteste wie damals von den Bauern?“ Wir bräuchten in Deutschland „endlich wieder eine Regierung, die die Probleme der Bevölkerung ernst nimmt und in unserem Interesse handelt.“ Die Probleme müssten benannt werden: Steigende Mieten, unsichere Renten. „Die arbeitenden Menschen sind die Mehrheit in diesem Land.“

„Wer die selbsternannte Alternative wählt und glaubt, es ändert sich dann was zum Besseren, der hat sie nicht alle.“ Danilo Kobow, Vorsitzender der Landesjugend.

Besonderes Augenmerk richtet Danilo auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September. „Jede und jeder hier sollte sich genau überlegen, in welchem Land er leben will – und entsprechend sein Kreuzchen machen. Ich sage ganz klar, wer die selbsternannte Alternative wählt und glaubt, es ändert sich dann was zum Besseren, der hat sie nicht alle.“

Der 1. Mai 2026 steht unter dem Motto: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ Und wann hätte das Motto besser gepasst als heute? Kriege und Profitgier treiben die Preise in die Höhe, während Politik und Arbeitgeber erneut den Sozialstaat aushöhlen. Wieder einmal sollen Beschäftigte und Rentner:innen die Lasten der Krise tragen.

Hunderte EVG-Mitglieder sind daher in ganz Deutschland auf die Straße gegangen. Sie beteiligten sich an Protestaktionen in Bremen, Frankfurt, Berlin, Köln, Koblenz, Trier, Halle, Erfurt, Leipzig und vielen anderen Orten.

In diesem Jahr haben sich rund 400.000 Menschen an insgesamt 413 Veranstaltungen und Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes beteiligt.

Die Fotogalerie vom 1. Mai 2026 befindet sich auf der Startseite.

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