Entwicklung des kombinierten Verkehrs
Hintergrundinformationen
Geplanter Mehrheitsverkauf der DB Intermodal Services GmbH: Betriebsrat fordert Mehrheits-Verkaufsstopp, verbindliche Beschäftigungssicherung und ernsthafte Prüfung einer Integration in die DUSS.
„Ein Verkauf unter Wert hilft niemandem. Man darf ein strategisch wichtiges Unternehmen nicht verschleudern, nur um kurzfristig eine Zahl zu erreichen. Was heute aus dem Konzern verkauft wird, ist für die Deutsche Bahn und den Kombinierten Verkehr möglicherweise für immer verloren.“ Marcel Labonte, Vorsitzender des Betriebsrats
Der Betriebsrat fordert deshalb vollständige Transparenz über das Verkaufsverfahren. Dazu gehört insbesondere der erwartete Unternehmenswert, die eingegangenen Angebote, die Bewertung der Angebote und die langfristigen wirtschaftlichen Folgen eines Verkaufs. Ausführliche Informationen:
Kritik des Betriebsrats der DB Intermodal Services GmbH
Der Betriebsrat der DB Intermodal Services GmbH kritisiert den bisherigen Umgang der DB Cargo AG mit dem geplanten Mehrheitsverkauf des Unternehmens scharf. Trotz der erheblichen Auswirkungen auf Beschäftigte, Standorte und den Kombinierten Verkehr fehlen nach Angaben des Betriebsrats weiterhin konkrete Informationen, verbindliche Schutzregelungen und eine nachvollziehbare Prüfung möglicher Alternativen.
Der Betriebsrat fordert den Vorstand der DB Cargo AG deshalb auf, den Verkaufsprozess zu stoppen, da durch den Rückzug im Wachstumssegment (KV) besonders viel wirtschaftliches Potential für die Cargo mutwillig zerstört wird. Gleichzeitig soll die Integration der DB Intermodal Services GmbH in die Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene-Straße, kurz DUSS, ernsthaft, transparent und ergebnisoffen geprüft werden. Auch eine Fristverlängerung eines Minderheitenverkaufs muss zwingend nochmal in die Prüfschleife mit der Europäischen Kommission.
Ausgangslage: EU-Beihilfeverfahren gegen DB Cargo
Die Europäische Kommission genehmigte mit ihrer Entscheidung vom 29. November 2024 Beihilfen zugunsten der DB Cargo AG in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Mit der Genehmigung wurden Bedingungen und Restrukturierungsmaßnahmen verbunden. Dazu gehört insbesondere das Ziel, DB Cargo bis Ende 2026 nachhaltig profitabel aufzustellen.
Aus Sicht des Betriebsrats ist dabei entscheidend: Das EU-Verfahren verlangt eine wirtschaftliche Restrukturierung. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die Mehrheit an der DB Intermodal Services GmbH verkauft werden muss. Der konkrete Mehrheitsverkauf ist nach Kenntnis des Betriebsrats eine unternehmerische Entscheidung des Vorstands der DB Cargo AG.
Der Betriebsrat verlangt daher eine klare Trennung zwischen den tatsächlichen Vorgaben aus dem EU-Beihilfeverfahren und den unternehmerischen Entscheidungen, die DB Cargo zur Erfüllung dieser Vorgaben trifft.
Vom gescheiterten Minderheitsverkauf zum Mehrheitsverkauf
Ende 2024 wurde die Belegschaft darüber informiert, dass für die DB Intermodal Services GmbH zunächst eine Minderheitsbeteiligung veräußert werden sollte. Der entsprechende Prozess wurde eingeleitet. Nach den dem Betriebsrat vorliegenden Informationen fand sich jedoch kein Interessent für eine Minderheitsbeteiligung.
Anschließend entschied sich der Vorstand der DB Cargo, einen Mehrheitsverkauf anzustreben.
Der Betriebsrat kritisiert, dass dieser Schritt gegenüber den Beschäftigten nicht ausreichend erklärt worden sei. Insbesondere sei bis heute nicht nachvollziehbar dargestellt worden,
- warum nach dem gescheiterten Minderheitsverkauf zwingend ein Mehrheitsverkauf folgen soll,
- welche Alternativen geprüft wurden,
- welchen Beitrag der Verkauf tatsächlich zur wirtschaftlichen Stabilisierung der DB Cargo leisten soll,
- welchen Wert die DB Intermodal Services GmbH besitzt,
- und welche langfristigen Folgen ein Verkauf für den Kombinierten Verkehr innerhalb des DB-Konzerns hätte.
Die DB Intermodal Services GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bahn und erbringt an zahlreichen Standorten Leistungen unter anderem in den Bereichen Containerdepots, Umschlagterminals, Containerreparatur, Werklogistik und Trucking. Damit ist sie ein wichtiger Bestandteil der Leistungskette des Kombinierten Verkehrs.
Gefahr eines Verkaufs unter Wert
Dem Betriebsrat liegen inoffizielle Hinweise vor, wonach der geplante Mehrheitsverkauf möglicherweise nicht den ursprünglich erwarteten Erlös einbringen könnte. Eine offizielle Bestätigung oder belastbare Information zu diesem Punkt hat der Betriebsrat nach eigenen Angaben bislang nicht erhalten.
Sollten diese Hinweise zutreffen, fordert der Betriebsrat einen sofortigen Stopp des Verkaufsprozesses.
Ein Verkauf allein zur kurzfristigen Verbesserung des Ergebnisses wäre aus Sicht des Betriebsrats unverantwortlich, wenn dadurch langfristig Arbeitsplätze, Standorte, Kompetenzen und strategisch wichtige Leistungen aus dem DB-Konzern herausgelöst würden.
„Ein Verkauf unter Wert hilft niemandem. Man darf ein strategisch wichtiges Unternehmen nicht verschleudern, nur um kurzfristig eine Zahl zu erreichen. Was heute aus dem Konzern verkauft wird, ist für die Deutsche Bahn und den Kombinierten Verkehr möglicherweise für immer verloren.“ Marcel Labonte, Vorsitzender des Betriebsrats.
Der Betriebsrat fordert deshalb vollständige Transparenz über das Verkaufsverfahren. Dazu gehört insbesondere der erwartete Unternehmenswert, die eingegangenen Angebote, die Bewertung der Angebote und die langfristigen wirtschaftlichen Folgen eines Verkaufs.
Verbindliche Beschäftigungssicherung fehlt
Nach Angaben des Betriebsrats finden bislang keine ausreichenden Verhandlungen über langfristige Schutzregelungen für die Beschäftigten statt.
Der Betriebsrat verlangt unter anderem:
- den Erhalt der Arbeitsplätze,
- die langfristige Sicherung der Standorte,
- den Fortbestand der Haustarifverträge,
- die EVG als zukünftige Tarifpartnerin,
- die Absicherung bestehender Betriebsvereinbarungen,
- die vollständige Anerkennung der bestehenden Betriebszugehörigkeiten,
- die Übernahme der betrieblichen Altersvorsorge und bestehender Langzeitkonten,
- sowie den Erhalt der bestehenden Betriebsratsstrukturen.
Der Betriebsrat kritisiert insbesondere, dass die Arbeitnehmerseite diese Sicherungen frühzeitig festschreiben möchte, damit sie bereits in die Verhandlungen mit potenziellen Käufern aufgenommen werden können. Diese Gespräche seien bislang jedoch nicht mit der notwendigen Verbindlichkeit geführt worden.
Alternativkonzept des Betriebsrates: Integration in die DUSS
Der Betriebsrat hat als Alternative zum Verkauf eine Integration der DB Intermodal Services GmbH in die DUSS vorgeschlagen.
Aus seiner Sicht bestehen dafür gewichtige fachliche und strategische Gründe. Beide Unternehmen sind im Kombinierten Verkehr tätig und arbeiten bereits heute an konkreten Standorten und Projekten zusammen. Beim öffentlich geförderten Projekt ANITA kooperierten DB Intermodal Services und DUSS beispielsweise bei der Erprobung automatisierter Lkw-Verkehre zwischen dem Containerdepot und dem DUSS-Terminal in Ulm.
Die DUSS bezeichnet sich selbst als Deutschlands größten Terminalbetreiber im Binnenland für intermodale Schiene-Straße-Verkehre.
Der Betriebsrat hält es daher für sachlich geboten, zumindest umfassend zu prüfen, ob DB Intermodal Services innerhalb des DB-Konzerns bei der DUSS angesiedelt werden könnte, statt das Unternehmen an einen externen Erwerber zu verkaufen.
Alternativkonzept nach wenigen Tagen abgelehnt
Nach Darstellung des Betriebsrats wurde das Schreiben mit dem Alternativkonzept am 10. Juli 2026 versendet. Das ablehnende Antwortschreiben trägt demnach das Datum 15. Juli 2026 und wurde dem Betriebsrat am 27. Juli 2026 übermittelt.
Da zwischen dem 10. und 15. Juli ein Wochenende lag, standen nur wenige Arbeitstage für die Prüfung zur Verfügung.
Nach Auffassung des Betriebsrats ist nicht nachvollziehbar, wie innerhalb dieses Zeitraums eine vollständige wirtschaftliche, rechtliche, organisatorische und strategische Prüfung erfolgt sein kann.
Der Betriebsrat fordert deshalb die Offenlegung:
- wer das Alternativkonzept geprüft hat,
- welche Konzerngesellschaften und Fachbereiche beteiligt waren,
- welche wirtschaftlichen Berechnungen vorgenommen wurden,
- ob eine rechtliche Bewertung erstellt wurde,
- ob die DUSS und DB InfraGO umfassend einbezogen wurden,
- ob eine Abstimmung mit dem zuständigen Bundesministerium erfolgt ist,
- und auf welcher konkreten Entscheidungsgrundlage die Ablehnung beruht.
Scharfe Kritik an der Verantwortung von Frau Dr. Martina Niemann
Nach Darstellung des Betriebsrats ist Frau Dr. Martina Niemann aufseiten des DB-Cargo-Vorstands mit der Umsetzung der Anforderungen aus dem EU-Beihilfeverfahren und den damit verbundenen Beteiligungsthemen befasst.
Öffentlich bestätigt ist, dass sie seit Juli 2026 das Vorstandsressort „Special Tasks“ verantwortet. Laut DB Cargo gehören dazu die Umsetzung von EU-Anforderungen, wichtige Sonderprojekte und Beteiligungsthemen. Zuvor war Frau Dr. Niemann seit Juli 2020 Finanzvorständin und Controlling-Beauftragte der DB Cargo AG.
Gerade diese personelle Konstellation führt beim Betriebsrat zu einem massiven Vertrauensproblem.
Frau Dr. Niemann gehörte über mehrere Jahre als Finanzvorständin und Controlling-Beauftragte dem Vorstand an, während sich die wirtschaftliche Krise der DB Cargo weiter zuspitzte. Das EU-Verfahren selbst reicht allerdings weiter zurück: Eine Beschwerde ging bereits 2018 bei der Kommission ein, das förmliche Prüfverfahren wurde 2022 eröffnet und die abschließende Entscheidung im November 2024 getroffen – Auch zur Zeit als Frau Dr. Niermann in Verantwortung gewesen ist.
Der Betriebsrat stellt die Frage, ob es glaubwürdig und verantwortbar ist, ausgerechnet einem langjährig für Finanzen und Controlling zuständigen Vorstandsmitglied die maßgebliche Betreuung eines Prozesses zu übertragen, dessen Folgen nun tief in die Zukunft von Unternehmen und Beschäftigten eingreifen.
Besonders schwer wiegt aus Sicht des Betriebsrats der Verdacht, dass Frau Dr. Niemann die Ablehnung des DUSS-Konzepts veranlasst habe, ohne dass eine umfassende Abstimmung innerhalb des Konzerns oder mit dem zuständigen Bundesministerium stattgefunden habe. Da dieser Ablauf bislang nicht durch öffentlich zugängliche Unterlagen belegt ist, verlangt der Betriebsrat dessen vollständige Offenlegung.
„Wir sagen es ganz deutlich: Wir haben in die verantwortliche Bearbeitung durch Frau Dr. Niemann kein Vertrauen mehr. Wer jahrelang an entscheidender Stelle für Finanzen und Controlling verantwortlich war, kann sich heute nicht so darstellen, als hätte er mit der entstandenen Lage nichts zu tun. Die finanzielle Situation der Cargo in den letzten Jahren sind kein Garant für Vertrauen in diese Vorständin.“
„Es geht hier nicht um Wunschprojekte zum Ende einer Vorständin. Es geht um Arbeitsplätze, Standorte und die Zukunft des Kombinierten Verkehrs. Eine Alternative dieser Tragweite darf nicht innerhalb weniger Tage vom Tisch gewischt werden. Wer die Zukunft von Hunderten Beschäftigten verantwortet, muss prüfen, abwägen und seine Entscheidung nachvollziehbar belegen.“ Marcel Labonte, Vorsitzender des Betriebsrats
Forderungen des Betriebsrats
Der Betriebsrat der DB Intermodal Services GmbH fordert:
- Keine Veräußerung der DB Intermodal Services GmbH unter Wert.
- Offenlegung der wirtschaftlichen Grundlagen und Ziele des Verkaufsprozesses.
- Klare Trennung zwischen EU-Vorgaben und freiwilligen unternehmerischen Entscheidungen des DB-Cargo-Vorstands.
- Unverzügliche Verhandlungen über langfristige Beschäftigungs- und Standortsicherung.
- Eine unabhängige, nachvollziehbare und ergebnisoffene Prüfung der Integration in die DUSS.
- Offenlegung der Entscheidungswege bei der bisherigen Ablehnung des DUSS-Konzepts.
- Einbeziehung der zuständigen Arbeitnehmervertretungen, der DB InfraGO, der DUSS und des zuständigen Bundesministeriums.
- Einen sofortigen Verkaufsstopp, falls kein angemessener Erlös und keine verbindliche Beschäftigungssicherung erreicht werden.

Man macht nicht diejenigen zu Hütern der Zukunft, die über Jahre an der finanziellen Steuerung der Vergangenheit beteiligt waren, und gibt ihnen dann einen Freibrief, tragfähige Alternativen ohne erkennbare Prüfung abzuräumen. Vertrauen entsteht durch Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungen. Beides fehlt uns hier vollständig.
Vorsitzender des Betriebsrats
DB Cargo hat Zukunft – und wir kämpfen dafür!
Die DB Cargo muss wieder schlagkräftiger werden, um in Zukunft zu bestehen. Der Arbeitgeber hat ein Sanierungskonzept vorgelegt.

Das Konzept greift unsere Forderungen in Teilen auf:
- Erhalt des Einzelwagenverkehrs in der Fläche
- Kein blinder Ausverkauf des Tafelsilbers
- Wachstumsperspektive
Aber: Der Arbeitgeber plant im „Worst Case“ einen drastischen und schmerzhaften Stellenabbau.
Für uns als EVG ist aber klar: Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen!
Unsere Betriebsräte werden Vorschläge auf den Tisch legen, die DB Cargo wirtschaftlich stärken und gleichzeitig den geplanten Personalabbau abmildern.
Unsere klare Haltung:
- Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz.
- Bevor auch nur eine Kollegin oder ein Kollege gehen muss, müssen alle andere Optionen ausgeschöpft werden.
- Die Verhandlungen werden hart und der Vorstand wird sich bewegen müssen.
- Der Bund muss die Förderung des defizitären Einzelwagenverkehrs langfristig absichern.
Die wirtschaftliche Lage und der EU-Wettbewerbsdruck erfordern einen Umbau. Das geht aber nur unter Mitnahme der Beschäftigten-Vertretung. Deine EVG-Betriebsräte werden alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen und harte Verhandlungen mit dem Arbeitgeber führen.
Warum der Güterverkehr wichtig ist!
Video - Protestaktion Mainz
Fotos - Protestaktion Mainz
Hintergrundinformationen
Verlustausgleich als unzulässige Beihilfe
Die EU-Kommission will dieses Verlustausgleichen nicht länger dulden. Anfang 2022 wurde deshalb ein Verfahren gegen die Bundesrepublik wegen unzulässiger Beihilfen eingeleitet. Die Folgen könnten ähnlich wie in Frankreich sein. Dort hatte der Staat insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro Verluste der staatlichen Güterbahn SNCF Fret übernommen. Da eine Rückzahlung das sofortige Ende des Unternehmens bedeutet hätte, verständigte man sich darauf, dass SNCF Fret den von ihm betriebenen Kombiverkehr und andere Transporte an Wettbewerber abgeben und sich für private Investoren öffnen muss. Das soll bis 2025 der Fall sein.
Droht die Zerschlagung von DB Cargo?
Mit Blick auf das EU-Verfahren haben wir als EVG bereits mehrfach davor gewarnt, dass Brüssel in letzter Konsequenz die Zerschlagung von DB Cargo anordnen könnte. Jetzt nimmt der Vorstand der DB Cargo das Vorgehen der EU-Kommission zum Anlass, eine weitreichende Betriebsänderung zu vollziehen – ohne die aus unserer Sicht zwingend notwendige Beteiligung der Aufsichtsräte und unter bewusster Missachtung eines zielführenden Alternativvorschlags des Gesamtbetriebsrats.
Untätigkeit des Managements ist schuld
Unsere Betriebsräte widersprechen vehement der Argumentation und Einschätzung von DB Cargo, dass Betriebsänderungen notwendig seien, um „Strafen“ aus Brüssel zu vermeiden. Allein die jahrelange Untätigkeit des Managements, den Betrieb so zu organisieren, dass er wirtschaftlich betrieben werden kann, ist der Grund für das derzeitige Dilemma.
DB AG soll Unternehmensbereiche abgeben
Die Konkurrenz sähe es gerne, wenn die EU-Kommission wie im Falle Frankreichs urteilen würde. Dann müsste DB Cargo möglicherweise jene Unternehmensbereiche abgeben, die am Markt in hartem Preiskampf stehen. Das wäre beispielsweise der Kombi- und Ganzzugsverkehr. Brüssel könnte zu dem Schluss kommen, dass die Gefahr, dass das bundeseigene Unternehmen mit staatlicher Defizitfinanzierung und interner Quersubventionierung seine Marktposition durch Preise unter Kosten verbessert, dann gebannt sei.
Verlagerung des Kombinierten Verkehrs
Die DB AG will einen anderen Weg gehen, um Brüssel, nach jahrelangem Nichtstun, „zu besänftigen“. Zunächst soll der Kombinierte Verkehr im Bereich der Seehäfen an Töchter der DB-Töchter ausgegliedert werden. So sollen Kosten gespart werden, um langfristig auf Subventionen durch den Konzern verzichten zu können. Das ist es in einem ersten „Weißbuch“ beschrieben, das vom Arbeitgeber, zusammen mit teuren Beratern wie Roland Berger, erarbeitet worden ist. Weitere sollen folgen.
Dass diese Empfehlungen und Einschätzungen jener vermeintlichen Experten / Berater im Nachhinein oft korrigiert werden müssen, hat sich auf diesmal leider wieder bestätigt. Nach kritischer Durchsicht des ersten Weißbuchs entdeckten EVG-Betriebsräte zahlreiche Fehler, die ausgebessert werden mussten.
DB Cargo-Vorstand setzt auf Schrumpfkurs
Mit dem Alternativkonzept, dass der Gesamtbetriebsrat vorgelegt hatte, wollte sich der Vorstand von DB Cargo hingegen nicht beschäftigen. Vorschläge zum Erhalt des Kombinierten Verkehrs in der Cargo-Mutter sowie Lösungen zur Bekämpfung der Ergebniskrise wurden ohne weitere Prüfung beiseite gelegt. Der Vorstand von DB Cargo setzt lieber auf Personalabbau und verzockt damit die Zukunft des gesamten Unternehmens.
Was ist derzeit geplant?
Sämtliche Kombinierten Verkehre, die von der DB AG gefahren werden, sollen an diese vier Tochterunternehmen oder Beteiligungen von DB Cargo ausgelagert werden:
- MEG (Mitteldeutsche Eisenbahn)
- TFG (Transfracht)
- RBH (RBH Logistics)
- Kombiverkehr
Erreicht werden soll damit ein höherer flexibler Einsatz von Lokführern bei Tochterunternehmen sowie eine Kosteneinsparung beim Personal bei DB Cargo. Möglich werden könnte dies, weil Betriebsräte in den vier Unternehmen – aufgrund der jeweiligen Unternehmensstruktur – unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen arbeiten und DB Cargo versucht, die Mitbestimmung gegeneinander auszuspielen. Wir aber lassen uns nicht spalten.
Ein Angriff auf die Mitbestimmung
Für uns stellt das ganz klar einen Angriff auf die Mitbestimmung dar. Die berechtigte und oft auch notwendige Einflussnahme von Betriebsräten soll ausgehebelt werden, weil diese als lästig empfunden wird. Auf der Strecke bleiben die Rechte der Mitarbeitenden. Eine Vorgehensweise, die von der EVG entschieden abgelehnt wird.
Aufsichtsrat soll nicht beteiligt werden
Auch die Aufsichtsräte der EVG haben noch viele Fragen zu der geplanten Betriebsänderungen. Doch sie sollen nach dem Willen des Vorstandes gar nicht erst beteiligt werden. Der nächste Affront! Anders als die Unternehmensvertreter ist die EVG der Auffassung, dass die Pläne zur Verlagerung des Kombinierten Verkehrs sowie der massive Abbau im Overhead im Aufsichtsrat zur Abstimmung gestellt werden müssen. Gestärkt wird diese Einschätzung durch ein Rechtsgutachten, das zwischenzeitlich vorliegt.
Personalabbau mit unkalkulierbaren Risiken
Denn werden die jetzigen Pläne umgesetzt, würden bei DB Cargo in einem ersten Schritt rund 1.800 qualifizierte Arbeitsplätze wegfallen. Gleichzeitig müssten die Tochterunternehmen, in die die Arbeit neu aufgebaut werden soll, händeringend nach neuen Mitarbeitenden suchen. Ein perfider Plan, der in Zeiten eines drastischen Fachkräftemangels zu scheitern droht.
Geschlossene Ablehnung aller Betriebsräte - auch in den vier Tochterunternehmen
Alle beteiligten Betriebsräte glauben nicht, dass dieser schnelle und dann zwingend notwendige Aufbau an Personal und Strukturen, gelingen kann. Die Interessenvertreter der Beschäftigten von DB Cargo, wie auch die Interessenvertreter der vier Tochterunternehmen lehnen die Verlagerungspläne des Kombinierten Verkehrs deshalb aufgrund der nicht zu kalkulierenden Risiken einmütig ab.
Scheitern die Pläne von DB Cargo, würden die Verkehre des Kombinierten Verkehrs wohl von den Wettbewerbern (außerhalb der DB AG) in Gänze oder von der Straße übernommen. Dann wäre auch die Arbeit bei den vier Töchtern verloren. Doch solche Warnungen werden in den Wind geschlagen.
Mit fatalen Folgen! Nach Einschätzung der EVG und ihrer Betriebsräte sind Arbeitsplätze im gesamten Unternehmen gefährdet. Verliert Cargo den Kombinierten Verkehr, hat das unmittelbare Auswirkungen insbesondere auf die Werkstätten, aber auch auf das Netz und andere Bereiche. Weniger Verkehre bedeutet auch weniger Arbeit.
Schon jetzt kritisiert der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, Udo Schiefner (SPD), den nach seiner Auffassung zu geringen Anteil der DB AG am Schienengüterverkehr. Bei einem vor Ort-Termin bei DB Cargo in Duisburg sagte er: „Wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, müssen wir den Güterverkehr auf der Schiene deutlich steigern. Dazu sind tragfähige Konzepte erforderlich. Sonst werden wir es nicht schaffen, 25 Prozent der Güter bis 2030 auf die Schiene zu verlagern. Von der DB AG erwarte ich da einen starken Beitrag, nicht aber sich immer weiter zurückzuziehen und das Geschäft anderen zu überlassen. Nur Konzepte für Hochgeschwindigkeitsnetze zu entwickeln, reicht mir nicht aus. Die DB AG muss auch tragfähige Konzepte für das Güterverkehrsnetz vorlegen. Wachstumsziele und Arbeitsplätze dürfen nicht gefährdet werden".
Sozialpartnerschaft aufgekündigt
Der Vorstand von DB Cargo will offensichtlich mit dem Kopf durch die Wand und opfert dafür die „Sozialpartnerschaft“, die - trotz aller unterschiedlicher Auffassungen - in der Vergangenheit auf Verständigung und die Suche nach gangbaren Kompromissen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gesetzt hat.
Wir kämpfen für eine DB Cargo mit Zukunft
Zusammenfassend drängt sich der Eindruck auf, als wolle die Deutsche Bahn die EVG und ihre Betriebsräte herausfordern. Wir sind gewappnet und werden uns wehren. Die nächsten Wochen und Monate versprechen insofern herausfordernd zu werden. Gemeinsam werden wir für eine DB Cargo kämpfen, die eine Zukunft hat. Angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel ist Wachstum die einzig zielführende Strategie. Den Schrumpfkurs, den DB Cargo dem Unternehmen verordnen will, lehnen wir ab. Das käme einer Kapitulation gleich, die viele Arbeitsplätze kosten würde. Das ist mit uns als EVG nicht zu machen.
Downloads
Solidaritätsbotschaften
- Solidaritätsbekundung Bistum Mainz - Betriebsseelsorge Rheinhessen
- Solidaritätsschreiben OGBL/FNCTTFEL-Landesverband, Luxemburg
- Solidaritätsbotschaft SEV – Gewerkschaft des Verkehrspersonals, Schweiz
- Solidaritätsbotschaft der CGT Cheminots, Frankreich
- Solidaritätsbotschaft vida, Österreich
- Solidaritätsbotschaft der Föderationen ETF und ITF (Englisch)
- Solidaritätsschreiben EVG Betriebsgruppe DB Systel Frankfurt/M.
Die gesamte Stahlindustrie ist auf einen funktionierenden Güterverkehr auf der Schiene dringend angewiesen. Deshalb ist es der völlig falsche Weg, wenn jetzt rund 2.000 Arbeitsplätze bei DB Cargo abgebaut werden sollen.
Zur Situation bei DB Cargo
KBR-Vorsitzender Saarstahl AG
Der Schienengüterverkehr spielt eine zentrale Rolle bei der Verwirklichung der Klimaziele. Diese Rolle darf nicht durch einen Schrumpf- und Zerschlagungskurs geschwächt werden. Wir brauchen jeden bei der DB Cargo, damit der SGV eine Zukunft hat.
Zur Rolle von DB Cargo beim Klimaschutz
Abgeordneter im Europäischen Parlament
DB Cargo muss sich zukunftsfest aufstellen. Das darf nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen. Der Vorstand der DB Cargo muss sich gemeinsam mit den Betriebsräten auf ein tragfähiges Zukunftsbild verständigen.
Zur Sozialpartnerschaft bei DB Cargo
MdB














































