Brennpunkt Verkehrsmarkt - Wildwest auf Schienen

Lokführer aus der Ukraine werden nach Deutschland rekrutiert und hier unter geradezu ausbeuterischen Bedingungen eingesetzt. Dabei spielen Firmen aus Dresden eine mehr als unrühmliche Rolle, wie mobifair und die EVG aufgedeckt haben.

Im August nahmen zwei Lokführer aus der Ukraine - gut ausgebildet, mit Lokführerschein und Fahrpraxis - Kontakt zur EVG-Geschäftsstelle Dresden auf und wollten Mitglied bei uns werden. Doch schon als sie um ein persönliches Gespräch baten und ihre Unterlagen vorlegten, wurde Geschäftsstellenleiterin Simone Hennig stutzig: „Wir wussten sofort, das ist ein Fall für mobifair.“

In manchen Monaten nur drei Tage Ruhe; Ablösungspunkte, die fast nicht zu finden sind - bei einem Schichtende um 2 Uhr morgens; ausgestattet nur mit einem Handy… die Arbeitspapiere strotzten vor Ungereimtheiten und Gesetzesverstößen. Und: „Sein Aufenthaltstitel war an sein Arbeitsverhältnis gebunden. Das heißt: eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses bedeutet Abschiebung. Das ist für mich Sklaverei!“ sagt Simone. „Die ukrainischen Lokführer kommen hierher, um einen neuen Job und eine neue Heimat zu finden. Deshalb sollten sie auch das Recht haben, hier zu bleiben.“

Rekrutiert hatte die Kollegen ein Personalvermittlungsunternehmen, als Arbeitgeber in Deutschland agierte ein Personaldienstleister – beide ansässig in Dresden. Als der Arbeitgeber spitzbekam, dass die Kollegen sich wehren wollten, versuchte er sie mit einem Trick – einer unangekündigten Wissensprüfung – zu kündigen. Gegen diese Kündigung haben sie nunmehr mit Unterstützung der EVG bzw. der DGB Rechtsschutz GmbH Klage eingelegt.

„Die Ziele sind klar“, schreibt mobifair: „Die betroffenen Lokführer müssen in Deutschland bleiben und brauchen gute und seriöse Arbeitsplätze. Der betreffende Personaldienstleister muss seinen Platz im Verkehrsmarkt verlieren und die EVU, die sich an solchen Verleihern bedienen, brauchen dringend Besuch vom EBA und von den Gewerbeaufsichtsämtern. Um den Personalvermittler müssen sich der Zoll und das Finanzamt kümmern.“ Auch die sächsische Staatsregierung ist inzwischen informiert. Denn, sagt Geschäftsführer Helmut Diener, „wer bescheißt, entgleist, und wer mit Menschen handelt, ist ein Menschenhändler.“