Die Frage, warum Lokführer gerade in der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft gut aufgehoben sind, stand im Mittelpunkt einer Fachkonferenz, zu der die EVG am Montag, den 4. Juli 2011, nach Fulda geladen hatte. “Wir sind es leid, dem Tarifdiktat der GDL zu unterliegen, die unsere Interessen nur unzureichend berücksichtigt“, machte Wolfgang Joosten, Vorsitzender der Hauptfachgruppe Lokfahrdienst in der EVG, deutlich. Vor diesem Hintergrund verabschiedeten die mehr als 150 anwesenden, in der EVG organisierte Lokführer, stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen, einstimmig eine Resolution, mit der der EVG-Vorstand aufgefordert wurde, den 2014 auslaufenden Grundlagentarifvertrag auf keinen Fall zu verlängern.
In der Tarifauseinandersetzung 2007 hatten sich die damaligen Gewerkschaften darauf verständigt, die Zuständigkeit für einen Großteil der im Bahnkonzern beschäftigten Lokführer bis 2014 der GDL zu übertragen, während die Interessen aller übrigen Beschäftigten von der heutigen EVG wahrgenommen werden. „Dieses Modell hat sich nicht bewährt und soll deshalb, nach Auffassung unserer Lokomotivführer, nicht fortgesetzt werden“, so Joosten.
„In einer Zeit, in der überall von Tarifpluralismus die Rede ist, halten wir einen Alleinvertretungsanspruch für Lokführer für aberwitzig“, machten auch die EVG-Vorstände Reiner Bieck und Heinz Fuhrmann auf der Fachkonferenz in Fulda deutlich. Die 6.000 bei der EVG organisierten Lokführer wollen ihre Interessen von ihrer Gewerkschaft, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, organisiert sehen, stellten beide fest. Vor diesem Hintergrund gebe es keinen Alleinvertretungsanspruch der GDL.
Dies umso mehr, da die GDL die Interessen der verbeamteten Lokführer, von denen es bei der DB AG immerhin noch knapp 8.000 gebe, fast völlig ignoriere. Durch den von der GDL abgeschlossenen Lokführer-Tarifvertrag hätten beispielsweise die meisten so genannten Streckenlokführer kaum noch eine Aufstiegschance, kritisierte Wolfgang Joosten. Deshalb sei es höchste Zeit, den tarifpolitischen Irrsinn zu beenden, gewerkschaftliche Konkurrenz durch einen Tarifvertrag unterbinden zu wollen, machte er deutlich. Die Beschäftigten müssten frei entscheiden können, von wem sie sich vertreten lassen wollen. Und da sei für viele die EVG die erste Wahl.
„Das Votum der Lokführer bestärkt uns in unseren Bestrebungen, den Grundlagentarifvertrag nicht über das Jahr 2014 hinaus zu verlängern“, erläuterten die EVG-Vorstände, Reiner Bieck und Heinz Fuhrmann. Im Vorstand der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft werde dieses Thema bereits diskutiert.