03.06.2011
Die Entscheidung der DB AG, das bahneigene Fernbusgeschäft im Zuge der bevorstehenden Liberalisierung nicht weiter auszuweiten, ist für die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ein weiteres Indiz für die Fragwürdigkeit eines entsprechenden Vorstoßes der Bundesregierung. „Wer mehr Verkehr auf die Schiene bringen will, jetzt aber vermehrt Fernreisende in den Bus statt in die Bahn setzen möchte, hat seine politischen Hausaufgaben nicht gemacht“, kritisierte EVG-Vorstand Reiner Bieck.
Die EVG steht der Liberalisierung des deutschen Fernbuslinienmarktes kritisch gegenüber. „Nicht, weil wir die Konkurrenz auf der Straße fürchten, sondern weil wir in Sorge sind, dass die Fernbuslinien letztlich keinen Bestand haben“, macht Reiner Bieck deutlich. „Zum Schluss fährt auf entsprechenden Strecken weder die Bahn noch der Fernbus - und Reisende wie Beschäftigte schauen in die Röhre“, kritisierte er.
Da es im Busbereich noch keinen Branchentarifvertrag gibt, fürchtet die EVG, dass - ähnlich wie seinerzeit im Regionalverkehr der Bahn - auch im Fernbusbereich preislich attraktive Angebote vornehmlich durch Lohndumping, also auf Kosten der Beschäftigten, realisiert werden. Reisenden könnte so das Busfahren auf Kosten der Bahn schmackhaft gemacht werden; bei sinkenden Fahrgastzahlen würde die DB AG parallel auf der Schiene verlaufende Relationen dann einstellen. Rechnet sich die entsprechende Busverbindung mittelfristig nicht, würde auch diese Verbindung eingestellt, so dass sich das Angebot letztlich verschlechtert und nicht verbessert hätte.
„Was wir brauchen ist keine Marktliberalisierung um jeden Preis, wir brauchen endlich ein langfristiges und tragfähiges Verkehrskonzept für unser Land, in dem jeder Verkehrsträger seinen Platz und seine Aufgabe hat“, forderte EVG-Vorstand Reiner Bieck. Dass es an diesem immer noch fehle, werde am Beispiel der Liberalisierung im Fernbusbereich deutlich, die ohne Not und ohne Plan erfolge.