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19.05.2011

"Rente mit 69": EVG kritisiert "lebensfremde Überlegungen"
 

Die EVG kritisiert die Forderung des Sachverständigenrates nach einer weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalters. Diese Forderung sei lebensfremd, so die Gewerkschaft. In vielen Berufen, insbesondere im Bahnbereich,  seien die speziellen Belastungen viel zu groß, um die Lebensarbeitszeit immer weiter zu verlängern.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat die Forderung des Sachverständigenrates nach einer weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalters scharf kritisiert. „Diese Überlegungen kommen völlig zur Unzeit. Sie sind offenkundig am Schreibtisch entworfen und haben mit dem wirklichen Leben nichts zu tun“, sagte die Stellvertretende Vorsitzende Regina Rusch-Ziemba. „Um den Damen und Herren Professoren die Realität zu zeigen, laden wir sie gerne zu einer Woche Schichtarbeit im Stellwerk, einer Schicht in einem Bahn-Ausbesserungswerk oder ein paar Stunden Mitarbeit im Gleisbau ein. Wir sind auch bereit, ihnen Diskussionen mit Beschäftigten über die wirklichen Probleme am Arbeitsplatz zu vermitteln.“

Rusch-Ziemba verwies darauf, dass bisher „nicht einmal die beiden Grundprobleme der Rente mit 67 gelöst wurden, nämlich ausreichend Arbeitsplätze in Deutschland zur Verfügung zu stellen und zweitens diese Arbeitsplätze so zu gestalten, dass die Menschen bis 65 oder 67 auf ihnen verbleiben können.“ Sie betonte, dass die Rente mit 67 bereits das größte Kürzungsprogramm innerhalb der deutschen Sozialsysteme gewesen sei. Bei Einführung einer Rente mit 69 müssten sich die politisch Verantwortlichen die Frage gefallen lassen, ob sie den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern überhaupt noch eine Rente zahlen wollen. „Kürzungsarien bei der Rente sind kein Mittel, die eigentlichen Probleme der demografischen Entwicklung zu lösen“.

Die EVG-Vize wies darauf hin, dass es zahlreiche Berufe mit speziellen Belastungen gebe, „so etwa im Bahnbereich die Arbeit in einem Werk in ständiger körperlicher Zwangshaltung.“ Auch die Belastungen durch Schicht- und Wechselarbeit rund um die Uhr nähmen immer weiter zu. „Hierfür sind ganz praktische Lösungen gefragt, auch was z.B. Weiterqualifikation von Beschäftigten bedeutet. Wissenschaftlichen Sachverstand könnte man hier gezielter und gewinnbringender einsetzen als für Langfristprognosen, die nur dazu dienen, die Menschen zu verunsichern.