10.03.2011
Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, hat beklagt, dass unter den fortwährenden Streiks der GDL-Lokführer auch viele Mitarbeiter der verschiedenen Eisenbahnunternehmen zu leiden hätten. Immer häufiger würden verärgerte Fahrgäste ihren Unmut und Zorn an den Mitarbeitern im Service, der Auskunft, aber auch an Zugbegleitern und Fahrkartenverkäufern auslassen.
"Das ist für uns nicht hinnehmbar", machte Kirchner deutlich. "Die streikenden Lokführer schließen sich in ihren Führerständen ein oder schicken ein paar Fahnenschwinger auf die Bahnsteige und unsere Kolleginnen und Kollegen müssen das Chaos ausbaden, das da angerichtet wird", kritisierte Kirchner. Dem kollegialen Miteinander der Eisenbahner, die eigentlich miteinander arbeiten wollen, sei dies sehr abträglich.
Der EVG-Vorsitzende äußerte sein Unverständnis darüber, dass die GDL ihre tarifpolitischen Forderungen nicht am Verhandlungstisch durchzusetzen versuche. "Offensichtlich fehlt es der Führungsspitze an überzeugenden Argumenten für die eigenen Forderungen", machte Kirchner deutlich. "Die GDL hat sich verzockt und kriegt nun keinen Fuß mehr auf den Boden", sagte er.
Streik sei bislang das allerletzte Mittel gewesen, mit dem Gewerkschaften sehr verantwortungsbewusst umgehen müssten. In der augenblicklichen Auseinandersetzung könne man sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass zum Mittel des Arbeitskampfes gegriffen werde, um nicht verhandeln zu müssen. "Denn das Ergebnis dieser Auseinandersetzung wird am Ende auch nur ein Kompromiss sein können, den die GDL aber als scheinbares Zeichen der Schwäche scheut, wie der Teufel das Weihwasser. Nur: Mit dem Kopf durch die Wand, das geht nicht", so Kirchner.
Die Stärke einer Gewerkschaft läge auch in der Fähigkeit auszuloten, welche Forderungen unabdingbar seien und wo man nachgeben könne, um zu einem späteren Zeitpunkt Erfolge zu erzielen. Ziel müsse sein, für alle Beschäftigten Verbesserungen zu erzielen und nicht nur für eine Berufsgruppe. Der von der EVG verhandelte Branchentarifvertrag zeige, wie so etwas aussehen könne. Denn der gelte auch für Lokführer und beinhalte genau die Verbesserungen, die die gewerkschaftliche Konkurrenz durch Streiks meint erst erzielen zu müssen.