04.01.2012
Die Deutsche Bahn will ihr Engagement regen rassistische und rechtsextreme Tendenzen verstärken. Die aktuelle Diskussion über die Gefahren rechtsextremer Gewalt zeige, „dass wir uns an der richtigen Ecke engagieren“, so Personalchef Ulrich Weber zu evg-online.org. Er nannte in diesem Zusammenhang insbesondere den Wettbewerb Bahn-Azubis gegen Hass und Gewalt.
Vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse über die Gefahren des Rechtsextremismus - ist noch mehr Engagement der deutschen Unternehmen „gegen rechts“ notwendig?
Die Repräsentanten der Wirtschaft, also Verbände wie BDI und BDA, positionieren sich, glaube ich, schon eindeutig. Im einzelnen Unternehmen geht es dann darum, im Alltag stets aufmerksam zu bleiben, aktuelle Entwicklungen zu antizipieren. Und bei den jungen Leuten, die zu uns kommen, haben wir natürlich eine besondere Verantwortung, nicht nur was die fachliche Qualifizierung anbelangt, sondern auch für die Themen Verhalten und Sozialkompetenz.
Seit 11 Jahren gibt es die Aktion „Bahn-Azubis gegen Hass und Gewalt“ – muss dieses Erfolgsmodell jetzt noch einmal angepasst werden?
Wir haben uns zwischendurch gefragt, ob dieser Wettbewerb noch zeitgemäß ist. Aber wir sind eindeutig zu dem Ergebnis gekommen: Ja, wir wollen uns als großes Unternehmen in Deutschland engagieren und junge Leute zum Mitmachen anregen. Und „Bahn-Azubis gegen Hass und Gewalt“ hat jetzt durch die Entwicklungen der letzten Monate wieder eine schreckliche Aktualität erfahren. Ich bin gespannt, wie sich das in diesem Jahr in den Beiträgen niederschlagen wird. Jedenfalls bestätigt uns das darin, dass wir uns an der richtigen Ecke engagieren. Vielleicht sollte auch die Gesamtfrage wieder stärker diskutiert werden: die Rolle – ich sag mal bewusst – von Unternehmen als „Staatsbürger“. Welche Rolle hat gerade so ein großes Unternehmen wie wir in dieser Gesellschaft, wie erheben wir da Stimme? Wie zeigen wir, wo wir stehen? Da gehören auch ganz simple Dinge dazu. Das drückt sich beispielsweise aus in einem fairen guten partnerschaftlichen Verhältnis zu Gewerkschaften und Betriebsräten, in einem werteorientierten unternehmerischen Handeln, es drückt sich aus im bewussten Leben unserer Grundsätze für Gleichbehandlung und ein kollegiales Miteinander – gegen Fremdenfeindlichkeit und anti-demokratische Tendenzen, es drückt sich aus in solchen Projekten wie „Bahn-Azubis gegen Hass und Gewalt“ und es kann sich auch darin ausdrücken, dass wir mit diesen Themen in die Schulen gehen z. B. im Zusammenhang mit unseren Schulkooperationen.
Können Sie sich vorstellen, dass die Arbeitgeber sich auch für ein NPD-Verbot aussprechen?
Ich persönlich, fände es trotz aller juristischer Zweifelsfragen richtig, so ein Zeichen zu setzen. Wenn ein Gericht, am Ende mutmaßlich das Bundesverfassungsgericht, hier erneut eine Schranke einziehen würde, dann müsste man das in Kauf nehmen. Aber erst mal dafür einzutreten, hielte ich für richtig.