27.10.2011
Jahrelang gehörte der Satz zu den festen Dogmen der Wirtschaftswissenschaft in Deutschland: Es darf keine Mindestlöhne geben, weil sie Arbeitsplätze vernichten. Jetzt haben - im Auftrag der Bundesregierung - sechs Forschungsinstitute die tatsächlichen Auswirkungen von Mindestlöhnen untersucht. Und siehe da: Es ist alles ganz anders. Mindestlöhne vernichten keine Jobs.
"Auswirkungen auf die Beschäftigung ließen sich quantitativ nicht nachweisen", heißt es zum Beispiel zur Pflegebranche. Und zum selben Ergebnis kamen die Forscher auch in sieben anderen Branchen, in denen es bisher Mindestlöhne gibt. Pikant daran: An der Untersuchung waren auch solche "führende Wirtschaftsforschungsinstitute" beteiligt, deren Chefs in der Vergangenheit vehement gegen Mindestlöhne argumentiert haben. Offenbar, wie sich jetzt herausstellt, mit viel Lehrbuchwissen, aber ohne Kenntnis der Realität.
Die deutschen Befunde bestätigen letztendlich auch entsprechende Studien, die in anderen Ländern bereits durchgeführt worden sind. In 20 EU-Mitgliedsstaaten gibt es bereits Mindestlöhne, ohne dass dort die Beschäftigung zusammengebrochen wäre. Positiv gesagt: die deutsche Ökonomenzunft gewinnt langsam wieder Anschluss an die internationale Diskussion.
Vor einigen Monaten bereits hatte eine Studie ergeben, dass Mindestlöhne sich positiv auf die öffentlichen Haushalte und auf die Sozialkassen auswirken - durch mehr Steuern, mehr Sozialabgaben, weniger Transferzahlungen. In der Union gibt es Bestrebungen, Mindestlöhne verbindlich einzuführen. Selbst in der FDP wird nicht mehr massiv gegen Mindestlöhne polemisiert. Schlicht und einfach gesagt: das ist gut so.