17.05.2011
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat ihre Kritik an Forderungen nach milliardenschweren Fördermaßnahmen für Elektroautos bekräftigt. "Im Kern handelt es sich dabei um Subventionen für die Auto-Industrie. Damit drohen neue Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der Bahnen", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner. "Das Thema Elektromobilität darf nicht auf die Auto-Perspektive eingeengt werden. Die wahren Potenziale der Elektromobilität liegen auf der Schiene."
„Selbst mit den ehrgeizigen Zielen der 'Nationalen Plattform Elektromobilität' wird das Elektroauto ein Nischenphänomen bleiben", vermutet Kirchner. Die Lösung der ökologischen Probleme im Verkehrssystem sei so nicht zu erreichen. Er wies darauf hin, dass die Bahnen bereits heute mehr als 90 Prozent ihrer Leistungen strombetrieben erbringen. "Hier liegen die richtigen Ansatzpunkte: Ausbau energieeffizienter Antriebstechnologien, Umstieg auf regenerative Quellen sind mit dem System Schien wesentlich schneller und kostengünstiger zu erzielen als auf der Straße." Der Bund müsse die entsprechende Forschung fördern und dafür auch Gelder bereitstellen. Eingebettet werden müssten diese Maßnahmen in eine breit angelegte Strategie zur Verlagerung von Verkehren, vor allem im Güterverkehr, auf die Schiene. Die vorhandene Infrastruktur sei jedoch heute schon in vielen Bereichen an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen und müsse ausgebaut werden.
In dieser gesellschaftlichen Debatte müsse aber auch die Deutsche Bahn eine stärkere Rolle einnehmen, mahnte der Gewerkschafter. "Das Ziel der DB, bis 2050 völlig CO2-frei zu fahren, ist gut und richtig. Der Konzern muss aber jetzt den Umstiegspfad aufzeigen. Er muss deutlich machen, wie dieses Ziel konkret erreicht werden soll."