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22.02.2011

Warnstreiks: Lokführer in der EVG fordern individuelle Lösungen und keine Gleichmacherei
 

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, hat der GDL vorgeworfen, mit ihrer Forderung nach einem für alle Lokführer geltenden Tarifvertrag die Realitäten der Arbeitswelt zu verkennen. Die Wettbewerbsbedingungen im Güterverkehr seien beispielsweise völlig andere als die im Schienenpersonennahverkehr, machte Kirchner deutlich. Das aber werde von der GDL nicht wahrgenommen.

Mehr noch, die GDL wisse oft gar nicht von den Problemen der Lokführer, deren Interessen sie angeblich vertreten will. „Wie kann es sein, dass diese Gewerkschaft Arbeitsbedingungen akzeptiert, die zur Überlastung von Lokführern in den von ihr tarifierten Betrieben führt, gleichzeitig aber vorgibt, mit den Güterverkehrsbahnen erfolgreiche Verhandlungen zu führen“, kritisierte Kirchner. In Wirklichkeit ginge es nur um Macht, nicht aber um die Interessenvertretung der Beschäftigten, wie das jüngste Beispiel der offensichtlichen Überschreitung von Arbeitszeiten im Bereich von Güterverkehrsbahnen zeige.

„Jede Branche braucht ihre ganz spezifischen Lösungen, das ist unserer Ansatz“, machte Kirchner deutlich. Für den Nahverkehr, bei dem die Mitarbeiter durch die Vielzahl der anstehenden Ausschreibungen konkret von Lohndumping bedroht gewesen seien, habe die EVG einen Branchentarifvertrag durchgesetzt, der die Löhne dauerhaft auf hohem Niveau sichere und zugleich die in der Vergangenheit gängige Praxis, mit nicht tarifgebundenen Unternehmen anzubieten, beendet.

„Jetzt werden wir uns dem Güterverkehr zuwenden und sobald der Wettbewerb im Fernverkehr greift, setzen wir auch hier Regelungen zum Schutz der Mitarbeiter durch“, erklärte Alexander Kirchner. Die vielen tausend Lokführer, die in der EVG organisiert sind, wollten individuelle, branchenspezifische Lösungen und keinen Einheitsbrei. „Und ich gehe davon aus, dass alle anderen Lokführer das eigentlich auch wollen“, machte der EVG-Vorsitzende deutlich.

Kirchner bedauerte, dass sich die GDL den Verhandlungen um einen Branchentarifvertrag für den Nahverkehr – trotz mehrfacher Aufforderung zur Teilnahme – verweigert habe. Der Weg der Entsolidarisierung, den die Verantwortlichen eingeschlagen hätten, zahle sich letztlich nicht aus. „Gemeinsam könnten wir noch mehr erreichen – auch für Lokführer“, so Kirchner.