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30.11.2010

Wir über uns
 

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) gibt es seit dem 30. November 2010. An jenem Tag hat die Gewerkschaft TRANSNET ihre Satzung und ihren Namen geändert und ist mit der Verkehrsgewerkschaft GDBA zur EVG verschmolzen. Ein Schritt, der in der deutschen Gewerkschaftsgeschichte einmalig ist. Erstmals vereinigten sich eine DGB- und eine dbb-Gewerkschaft zu einer neuen, schlagkräftigen Organisation.

Nach vielen Jahrzehnten harter Auseinandersetzung zwischen beiden Gewerkschaften war die Zeit reif für ein Umdenken. Ein sich verschlechterndes wirtschaftliches Klima und zunehmender Druck auf die Arbeitsplätze machten klar, dass Arbeitnehmer ihre Interessen künftig gemeinsam und nicht gegeneinander organisieren müssen, um wirklich erfolgreich zu sein.

Schon seit dem 1. August 2005 arbeiteten TRANSNET und GDBA in einer Tarifgemeinschaft zusammen. Verhandlungen mit dem Arbeitgeber wurden nun gemeinsam geführt, ebenso Streiks und Arbeitskämpfe. Ein Modell, das sich schnell bewährte und deutlich machte, dass aus ehemaligen, gewerkschaftlichen Gegnern Partner werden konnten, weil die sich in der Sache einig waren: die bestmögliche Vertretung der Interessen gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer zu gewährleisten.

Mitte September 2005 hatte zudem ein Kooperationsvorstand seine Arbeit aufgenommen, der sich mit Fragen der intensiveren Zusammenarbeit in den Themenfeldern „Mitbestimmung“, „Verkehrs- und Unternehmenspolitik“ sowie „Internationales“ beschäftigte. Der Schritt, hin zu einer eigenständigen Gewerkschaft, in der sich TRANSNET und GDBA vereinigen würden, war da nur noch eine Frage der Zeit.

Im Herbst 2009 gaben die Spitzengremien von TRANSNET und GDBA das Ziel aus, gemeinsam eine neue Gewerkschaft gründen zu wollen. Auf einem außerordentlichen Gewerkschaftstag, der im Dezember 2009 stattfand, gaben die Delegierten der Verkehrsgewerkschaft GDBA „grünes Licht“ zu einem solchen Prozess, die TRANSNET hatte einen entsprechenden Beschluss – sich mit der GDBA vereinigen zu wollen – bereits auf ihrem Gewerkschaftstag 2004 gefasst.

Unter dem Motto „Werkstatt Gewerkschaft“ fanden vom Frühjahr bis zum Herbst 2010 bundesweit gleich drei Wellen regionaler Veranstaltungen statt, in denen die Mitglieder ihre Meinung einbringen konnten. Zusätzlich wurde auf lokalen Veranstaltungen vor Ort immer wieder über das Projekt diskutiert. Die Mitglieder selbst haben der neuen Gewerkschaft das Gesicht gegeben, die EVG ist unter reger, konstruktiv-kritischer Beteiligung der Mitglieder entstanden. Auch das ist einmalig in der deutschen Gewerkschaftsgeschichte.

EVG bedeutet „Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft“ – wohl wissend, dass Eisenbahn natürlich ein Bestandteil von Verkehr ist. Bewusst sollte auch die Eisenbahn im Namen betont werden, hat Zukunft doch auch etwas mit Tradition zu tun. Die Mitglieder beider Organisationen wissen, wo sie herkommen. Und sie wissen, wo sie hinwollen. Das wird im Namen „Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft“ deutlich.

Die EVG gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund an. Der DGB hat von Anfang an Unterstützung für das Vorhaben signalisiert. Anders der Beamtenbund, dem die GDBA bislang angehört. Dort war überwiegend Skepsis zu vernehmen. Mehr noch: Nachdem die Verkehrsgewerkschaft GDBA Ende 2009 den Beschluss gefasst hatte, die Verschmelzung mit der Gewerkschaft TRANSNET vorbereiten zu wollen, wurde sie quasi aus ihrem alten Dachverband geworfen. Es bedurfte mehrerer Gerichtsprozesse um den dbb zum Einlenken zu bewegen.

Auch dieses Verhalten trug dazu bei, sich für den Dachverband DGB zu entscheiden. Hinzu kommen pragmatische Gründe. Während der Beamtenbund überwiegend Beschäftigte des öffentlichen Dienstes vertritt, sind im DGB vorwiegend Arbeitnehmer und Tarifkräfte organisiert – und das sind die den Verkehrsbetrieben Beschäftigten überwiegend. Gleichwohl wird die EVG auch die Interessen der Beamten weiterhin mit Nachdruck vertreten.

Die EVG hat zum 1. Dezember 2010 rund 240.000 Mitglieder, wovon 210.000 die ehemalige TRANSNET einbringt und 30.000 die GDBA. Die EVG organisiert Mitglieder in großen Teilen des Verkehrsbereiches: Busfahrer gehören ihr ebenso an wie Servicekräfte; Binnenschiffer auf dem Bodensee und natürlich der klassische Eisenbahner.

Der Geschäftsführende Vorstand der EVG wird erstmals auf dem ersten ordentlichen Gewerkschaftstag im Jahr 2012 gewählt. Die Übergangsphase bis zu diesem Termin soll genutzt werden, um die neue Strukturen zu festigen und alle nötigen Gremien zu bilden. Bis zu diesem Zeitpunkt gehören dem Geschäftsführenden Vorstand gehören Alexander Kirchner (Vorsitzender), Regina Rusch-Ziemba und Klaus-Dieter Hommel, beide als Stellvertreter, sowie Peter Tröge, Heinz Fuhrmann, Wolfgang Zell, Reiner Bieck, Martin Burkert und Wilhelm Bahndorf an –also die ehemaligen Vorstandsmitglieder von TRANSNET und GDBA. Dies haben die Spitzengremien beider Gewerkschaften Mitte 2010 entschieden.

Der dann alle fünf Jahre stattfindende Gewerkschaftstag ist das höchste Gremium der EVG. Auf diesem werden 300 Delegierte unter anderem die Gewerkschaftspolitik der nächsten Jahre beschließen und den Geschäftsführenden Vorstand wählen. Zwischen den ordentlichen Gewerkschaftstagen findet jedes Jahr ein kleiner Gewerkschaftstag statt. Dieser wird die Programmatik für das Folgejahr beschließen.